Entwarnung am Mühlenberg: Investor zieht Klage zurück

Lübeck - Travemünde: Aufatmen bei den Anwohnern am Mühlenberg: Der jahrelange juristische Streit um eine verdichtete Bebauung mit Mehrfamilienhäusern hat eine überraschende Wendung genommen. Auf einer Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung am Mittwochabend in der Stadtschule Travemünde wurde bekannt, dass der Investor seine Klage zurückgezogen hat. Der für Donnerstag (27. August) angesetzte öffentliche Lokaltermin des Verwaltungsgerichts entfällt damit.

Zu der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung rund um den geplanten Bebauungsplan (B-Plan) 32.25.00 „Mühlenberg/Quellenweg“ fanden sich etwa 35 interessierte Bürger in der Aula am Hirtengang ein. Neben der allgemeinen Vorstellung der Planungsziele stand vor allem der Konflikt um die geplante Nachverdichtung im Fokus der Anwesenden.

Bebauungsplan soll Gebietscharakter erhalten
Die Vertreter der Hansestadt Lübeck erläuterten die Details des Bebauungsplans, der im beschleunigten Verfahren nach § 13a BauGB (ohne Umweltbericht) aufgestellt wird. Das primäre Ziel sei der Erhalt der vorhandenen städtebaulichen Strukturen, die weitgehend von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägt sind. In Teilbereichen wird zudem geprüft, ob eine untergeordnete Bebauung in zweiter Reihe mit einer Grundfläche von etwa 100 Quadratmetern zugelassen werden kann.

Das Ende eines langen Rechtsstreits?
Die Nachricht über die zurückgezogene Klage sorgte für Erleichterung. Rückblick: Bereits im Mai 2022 hatte ein Investor eine Bauvoranfrage für zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 16 Einheiten und einer Tiefgarage auf den Grundstücken Mühlenberg 25 b und c gestellt. Nach Ablehnungen, Widersprüchen und einem juristischen Tauziehen genehmigte die Stadt zwischenzeitlich eines der Gebäude, da es sich nach §34 Baugesetzbuch einfügen würde. Die Anwohnerinitiative klagte dagegen, zog diese Klage aber im Frühjahr 2026 zurück, nachdem die Stadt zwischenzeitlich wieder beide Gebäude abgelehnt hatte. Der Investor klagte daraufhin weiter, um die Stadt zu einem positiven Bescheid zu verpflichten.

Warum der Kläger nun einen Rückzieher gemacht hat, wurde am Abend nicht offiziell bestätigt. Unter den Gästen der Veranstaltung wurde jedoch gemutmaßt, dass die Klage mittlerweile als aussichtslos galt. Auch seitens der Verwaltung hieß es, dass eine weitere Bebauung mit Mehrfamilienhäusern vermutlich ohnehin an der fehlenden Erschließung scheitern würde.

Stadt räumt Fehler ein
Trotz der guten Nachrichten blieben kritische Fragen aus dem Publikum nicht aus. Auf die Nachfrage der Anwohnerinitiative, wie das bereits genehmigte Mehrfamilienhaus überhaupt bewilligt werden konnte, zeigte sich ein Vertreter der Stadt selbstkritisch. Er könne nicht sagen, wie das geschehen sei, und die Stadt sei „nicht glücklich damit“.

Ein Sprecher der Anwohnerinitiative betonte noch einmal die Kernproblematik solcher Bauvorhaben: Mit den hochpreisigen Mehrfamilienhäusern werde in der Regel kein dringend benötigter Wohnraum für Travemünder geschaffen, sondern es entstünden stattdessen Zweit- und Ferienwohnungen. Um künftig nicht wieder überrascht zu werden, forderte die Initiative, bei neuen Bauanträgen unmittelbar informiert zu werden – ein Ansinnen, das von Seiten der Stadtverwaltung positiv aufgenommen wurde.

So geht es weiter am Mühlenberg
Das Verfahren steht nach dieser ersten Informationsrunde noch recht am Anfang. Im nächsten Schritt sammelt und wertet die Verwaltung nun alle Hinweise und Bedenken der Bürger aus, um daraus einen förmlichen Planentwurf zu erarbeiten. Stimmt die Gemeindevertretung diesem Entwurf zu, folgt die zweite, gesetzlich vorgeschriebene Öffentlichkeitsbeteiligung: Der detaillierte Bebauungsplan wird dann für einen Monat öffentlich ausgelegt. Erst in dieser Phase, die rechtzeitig im Vorfeld bekannt gegeben wird, haben die Anwohner noch einmal die Möglichkeit, die konkreten Planungen im Detail einzusehen und formelle Stellungnahmen abzugeben, bevor die Politik ganz am Ende den endgültigen Satzungsbeschluss fasst.
Blick auf das Plangebiet: Rund 35 interessierte Bürger informierten sich am Mittwochabend über die städtebauliche Zukunft des Mühlenbergs und des Quellenwegs. Foto: Helge Normann
Blick auf das Plangebiet: Rund 35 interessierte Bürger informierten sich am Mittwochabend über die städtebauliche Zukunft des Mühlenbergs und des Quellenwegs. Foto: Helge Normann

Text-Nummer: 181515    Autor: Helge Normann    vom 27.8.2026 12.42 Uhr

Kommentare zu diesem Text (2):

Sylvia Zastrow

schrieb am 28.8.2026 6.04 Uhr:
Großartig , für die Anwohner ! Nicht alles muß bebaut werden ,in Travemünde !

ExPope

schrieb am 28.8.2026 11.01 Uhr:
Es gibt ja fast kaum noch Travemünder in Travemünde. Hamburger und andere Auswertige würden gern die ganze Lübecker Bucht kaufen. Den Priwall erkenne ich kaum wieder. Unterkünfte aus Blechverschlag. Architekten sollten eine Berufsehre haben.