Greenpeace Lübeck startet Nitrat-Mitmach-Aktion

Lübeck - Innenstadt: Greenpeace Lübeck macht am 29. August 2026 in der Innenstadt auf die Nitratbelastung von Gewässern aufmerksam. Mit Tests und einer Deutschlandkarte soll Überdüngung sichtbar werden. Protest richtet sich gegen geplante Aufweichung des Düngerechts.

Nach der Aktion zum Schutz der Ostsee am 16. August 2026 in Travemünde informieren Aktivisten von Greenpeace Lübeck am Samstag, dem 29. August 2026, von 11 bis 13 Uhr in der Lübecker Innenstadt über die Verschmutzung von Flüssen, Seen und Trinkwasser durch Überdüngung. Der Infostand steht an der Breiten Straße Ecke Mengstraße am Brunnen „Goldener Sod“. Unter dem Motto „Wasser schützen. Überdüngung stoppen“ startet dort die bundesweite Mitmach-Aktion „Nitrat im Wasser aufdecken“.

An einer symbolischen Getränkestation mit Glücksrad erläutern die Umweltschützer die Nitratbelastung. Zugleich rufen sie dazu auf, in den kommenden Monaten mit bereitgestellten Tests private Brunnen, Bäche und Flüsse auf Nitrat zu prüfen. Die Ergebnisse fließen in eine interaktive Deutschlandkarte ein, die das Ausmaß der Gewässerbelastung zeigt: act.gp/nitratkarte. Der Protest wendet sich gegen Pläne von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sowie Ländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, das Düngerecht und zentrale Wasserschutzregeln zu lockern.

„Unser Trinkwasser ist in Gefahr, unsere Gewässer drohen umzukippen wie hier die Wakenitz, aber die Regierung will die Düngeregelungen aushöhlen und riskiert, dass unser Wasser weiter verschmutzt wird“, sagt Torben Sengebusch von Greenpeace Lübeck. „Wir alle brauchen sauberes Wasser, deshalb müssen unsere Gewässer konsequent vor Nitrat geschützt werden.“

Durch Flusseinträge ist auch die Ostsee überdüngt. Tote Zonen und Blaualgenblüten führten diesen Sommer zu Badewarnungen und ‑verboten. Mitglieder der Lübecker Greenpeace-Gruppe protestieren daher gemeinsam mit anderen Küstengruppen am 27. August 2026 von 13 bis 16 Uhr in Grömitz am Strand nahe der Seebrücke. Mit Transparenten und Schutzanzügen stehen sie im Wasser und verteilen an Land Flyer. „Die Situation in unseren Gewässern ist bedrohlich. Deshalb hoffen wir auf zahlreiche Interessierte in Grömitz und am Samstag an unserem Stand in der Breiten Straße“, so Sengebusch.

Zum Auftakt der Crowd-Recherche demonstrieren die Ehrenamtlichen in der Breiten Straße die Wassertests. Engagierte Bürger können Testmaterial bei Greenpeace bestellen und sich bis Ende November beteiligen. Die eingetragenen Ergebnisse werden von Greenpeace-Experten dokumentiert und in einem Bericht ausgewertet. Bundesweit protestieren an diesem Wochenende Greenpeace-Aktive in mehr als 30 Städten gegen die Düngepolitik.

Hintergrund: Die industrielle Landwirtschaft bringt überschüssigen stickstoff- und phosphorhaltigen Dünger aus. Vor allem massenhafte Tierhaltung erzeugt mehr Gülle, als Böden und Pflanzen aufnehmen können. Nitrat gelangt ins Grundwasser, in Flüsse, Seen und Meere. Auflagen für das Düngen in stark belasteten roten Gebieten stellen Bund und Länder infrage, ohne tragfähige Alternativen. Gebiete, in denen das Grundwasser den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschreitet, umfassen rund 15 Prozent der Fläche Deutschlands. Wasserwerke müssen dort verdünnen oder aufwendig reinigen; die Kosten tragen die Verbraucher. Die Stoffstrombilanz zur Erfassung von Stickstoffüberschüssen auf Betriebsebene schaffte Minister Rainer kurz nach Amtsantritt ab.

„Wer zu viel düngt, darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen können, Wasserschutz braucht das Verursacherprinzip“, betont Sengebusch. „Dafür müssen Nährstoffüberschüsse der Betriebe erfasst und aktuelle Daten zur Belastung der Gewässer transparent gemacht werden.“ Die Crowd-Recherche von Greenpeace und Bürgern soll Lücken bei der Erhebung der Nitratbelastung schließen.
Nach der Aktion zum Schutz der Ostsee in Travemünde informieren Aktivisten von Greenpeace Lübeck am Samstag, 29. August 2026, von 11 bis 13 Uhr in der Lübecker Innenstadt. Foto: Holger Braack
Nach der Aktion zum Schutz der Ostsee in Travemünde informieren Aktivisten von Greenpeace Lübeck am Samstag, 29. August 2026, von 11 bis 13 Uhr in der Lübecker Innenstadt. Foto: Holger Braack

Text-Nummer: 181517    Autor: Greenpeace/red.    vom 27.8.2026 13.51 Uhr