Film Vaterland bringt Hollywood Atmosphäre in die Königstraße
Lübeck: Auch Lübeck kann ganz großes Kino. Roter Teppich in der Königstraße anlässlich der Lübeck-Premiere von "Vaterland", zwei bis auf den letzten Platz besetzte Kinosäle, der Deutschlandchef der Cinestar Gruppe, Bürgermeister, Stadtpräsident, Kultursenatorin, der Präsident der Thomas-Mann-Gesellschaft und überhaupt alle, die im Lübecker Kulturleben bei besonderen Anlässen sichtbar werden.
Hanns Zischler hielt an dem Pult im Lübecker Rathaus eine kurze Rede, an dem auch Thomas Mann gesprochen hatte.
Schließlich ging es um die filmische Umsetzung einer Reise von Thomas Mann durch das zerrissene Deutschland des Jahres 1949, von einem polnischen Regisseur in Schwarz-Weiß erstaunlich authentisch umgesetzt und mit Sandra Hüller und Hanns Zischler preiswürdig besetzt. Wirksam erzählt und packend von der ersten bis zur letzten Minute.
Der Ruf dieses außergewöhnlichen Films war natürlich sofort in die Lübecker Fachkreise durchgedrungen und von daher hatte die Premiere durch die Anwesenheit von Hauptdarsteller Hanns Zischler einen ganz besonderen Glanz. Bereits am frühen Sonntagnachmittag hat er eine Führung vom Bürgermeister durch die Baustelle des Buddenbrookhauses bekommen.
Anschließend ging es dann in das Lübecker Rathaus, wo Hanns Zischler mit der Eintragung ins Goldene Buch der Hansestadt geehrt wurde. Den Eintrag gestaltete er sehr persönlich mit einer Erinnerung an die Heimkehr Thomas Manns. "Möge sie für uns bis heute lehr- und hilfreich sein", formulierte er und begab sich anschließend an genau das Pult, an dem Thomas Mann 1955 seine Rede anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde hielt. Im Gedenken an diesen Anlass hielt auch Hanns Zischler eine kurze Rede. Für ihn ein sehr bewegender Moment, wie er später bei der Filmbesprechung andeutete.
Dem Film kann man nur ein zahlreiches Publikum wünschen. Deutsche Nachkriegsgeschichte wird in eindrucksvoller Weise deutlich. Trümmerlandschaft wird immer wieder sichtbar und gleichzeitig formieren sich wieder diejenigen, die das ganze Land vor die Wand gefahren haben, in neuem Gewand. Man trifft Wolfgang und Wieland Wagner, die ihren grünen Hügel nur noch von Flüchtlingen räumen müssen, um alten Glanz wiederzubeleben. Schön auch: Gustaf Gründgens, der wortgewaltig an seinem Image arbeitet, und Johannes R. Becher, der versucht, Thomas Mann den tristen Charme der entstehenden Deutschen Demokratischen Republik schmackhaft zu machen. Man wollte ihn dort als Galionsfigur.
Das alles aufbereitet als „dokumentarische Fiktion“, wie im Nachgespräch immer wieder betont wurde. Nicht alle Abläufe sind historisch korrekt, sollen sie auch nicht sein. Hanns Zischler sprach im Nachgespräch im Kinosaal von einer „Spielaufgabe“. Der menschliche und auch familiäre Konflikt sollte aufscheinen. Das Gefühl dafür sollte dem Kinopublikum vermittelt werden. Und genau das ist gelungen, meinte auch Caren Heuer, die Leiterin des Lübecker Buddenbrookhauses, die zu den am intensivsten forschenden Wissenschaftlerinnen der Republik gehört. Allein die schauspielerischen Leistungen sind preiswürdig, bis in die Nebenrollen hinein. Eine gelungene Premiere, die Lübeck würdig begangen hat.
Im Original-Ton hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Caren Heuer, Leiterin des Lübecker Buddenbrookhauses, zum Film "Vaterland".