40 Jahre Aidshilfe Lübeck: Bewegender Festakt in St. Marien
Lübeck - Innenstadt: Mit einem feierlichen Festakt in der St.-Marien-Kirche hat die Aidshilfe Lübeck für sexuelle Gesundheit e. V. am Freitag ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 100 Gäste aus Landes- und Kommunalpolitik, Beratungsstellen, Community, Gesundheitswesen, anderen Aidshilfen sowie Sponsoren und langjährigen Wegbegleitern kamen zusammen, um auf vier Jahrzehnte Aidshilfe-Arbeit zurückzublicken und zugleich den Blick in die Zukunft zu richten.
In ihrem anschließenden Grußwort erinnerte Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken an die großen gesellschaftlichen Hürden der Anfangsjahre. Sie beschrieb, wie schwer es gewesen sei, HIV und Aids aus Stigmatisierung und Ausgrenzung herauszuholen und wie viel Engagement dies von allen Beteiligten erfordere. Eine entscheidende Rolle habe dabei die damalige Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth mit ihrer entschiedenen Unterstützung einer auf Aufklärung und Prävention ausgerichteten HIV-Politik gespielt.
Lübecks Stadtpräsident und Schirmherr des Jubiläums, Henning Schumann, würdigte insbesondere die innovative Arbeit der Aidshilfe Lübeck. Sie habe ihre Angebote immer wieder an die tatsächlichen Bedarfe der Menschen angepasst. Mit dem Moin-Checkpoint sei ein zeitgemäßes, niedrigschwelliges Angebot für Beratung und Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen entstanden.
Wie wichtig diese Arbeit auch heute noch ist, wurde in einem persönlichen Interview mit Ingo Buck deutlich, der offen über sein Leben mit HIV sprach. Seine Erfahrungen machten Mut und zeigten zugleich, dass trotz der enormen medizinischen Fortschritte Wissen, Beratung und der Abbau von Vorurteilen weiterhin notwendig sind.
Den Bogen von den Anfängen der HIV-Medizin bis in die Gegenwart spannte Prof. Dr. Jan Rupp, Direktor der Klinik für Infektiologie und des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am UKSH. Campus Lübeck. Er berichtete von seinen Erfahrungen als junger Arzt in einer Zeit, in der die Begleitung von Menschen mit HIV noch viel häufiger vom Sterben als vom Heilen geprägt war. Heute seien die Behandlungsmöglichkeiten so gut, dass Menschen mit HIV bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung eine nahezu normale Lebenserwartung haben. Umso wichtiger seien niedrigschwellige Testangebote, damit Infektionen früh erkannt werden. Ein solches Angebot wurde mit dem Moin-Checkpoint geschaffen, der gemeinsam von UKSH und Aidshilfe Lübeck geleistet wird.
Unter den Gästen waren zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Auch der designierte Lübecker Kultursenator David Nethen besuchte den Festakt spontan und zeigte großes Interesse an der Arbeit der Aidshilfe.
„40 Jahre Aidshilfe wären ohne Ehrenamt, Spenden und ein starkes Netzwerk nicht möglich gewesen. Dass so viele Menschen aus sehr unterschiedlichen Bereichen unser Jubiläum gemeinsam mit uns feiern, zeigt, wie fest die Lübecker Aidshilfe heute in Lübeck und Schleswig-Holstein verankert ist“, sagt Till Werner, Vorstand der Aidshilfe Lübeck. „Es war ein wunderbares Fest mit großartigen Menschen an einem ganz besonderen Ort. Unser besonderer Dank gilt Pastor Robert Pfeifer und dem gesamten Team von St. Marien, die diesen Festakt in einem so außergewöhnlichen Rahmen möglich gemacht haben.“
Nach dem offiziellen Programm nutzten die Gäste den Empfang im Seitenschiff von St. Marien für Begegnungen, Gespräche und Austausch.
Kommentare zu diesem Text (1):
Zwilling
schrieb am 31.8.2026 16.47 Uhr:
Mir kommen die Worte: Herzlichen Glückwunsch ... sehr schwer über die Lippen.
Ich habe 1987 durch eine stundenweise Pflegeabdeckung meinen Weg in die Lübecker AIDS-Hilfe gefunden.
Wir saßen gemeinsam mit den (...) aus der Clemensstraße zusammen, um Schlimmes zu verhindern.
Herr Gauweiler aus Bayern hat viele Beratungsgespräche, die damals noch in "der Röhre" telefonisch entgegengenommen wurden, für bayerisch-besorgte Menschen notgedrungen ermöglicht ..
Ich habe mich damals sehr in die Präventionsarbeit, Trauer- und Sterbebegleitung, Fortbildung Ehrenamtlicher ein
gesetzt - in der Hoffnung, dass unser Engagement von ehrenamtlicher Arbeit, die Lösung ist,
damit es eines Tages, Dank fortschrittlicher Medizin, keine AIDS-Hilfe braucht.
Danke, dass ihr da seid und weiterhin aufklärt und zur Seite steht.
Unsere Welt hat sich sehr verändert - unsere Lust und Unbekümmertheit ebenfalls.