Graue Handtücher als stiller Protest gegen Verlandung der Wakenitz
Lübeck: Beim diesjährigen Wakenitzman sorgten an verschiedenen Stellen platzierte graue Handtücher für Aufsehen. Mit dieser subtilen Protestaktion macht die Initiative „Mehr Wakenitz“ auf den dringenden Pflegebedarf und die fortschreitende Verlandung des Flusses aufmerksam.

Wer beim 14 Kilometer langen Schwimmwettbewerb „Wakenitzman“ 2026 genau hinsah, entdeckte sie an vielen Orten entlang der Strecke: graue Handtücher, die wie zufällig platziert wirkten. Wie die Initiative „Mehr Wakenitz“ nun in einer Mitteilung aufklärt, handelte es sich dabei um eine gezielte Aktion. Die Handtücher fungieren als eine Art „Wimmelbild“ in der Fotokulisse und sollen künftig immer wieder im Hintergrund auftauchen, um sich quasi invasiv und störend ins Bild zu drängen.
Die Symbolik der Aktion ist vielschichtig: Die graue Farbe steht für den schlechten Zustand der Wakenitz. Das Handtuch selbst symbolisiert die dringend geforderten Pflegemaßnahmen. Gleichzeitig sendet die Initiative mit dem Sprichwort „Wir werden nicht das Handtuch werfen“ eine klare Botschaft, dass sie weiter für eine aktive Naturpflege kämpfen wird.
Hintergrund des Protests ist die aktuelle Einschätzung der Hansestadt Lübeck, die fortschreitende Verlandung des Flusses als hinzunehmen einzustufen. Die schwierigen Zustände machten sich auch beim Wettkampf bemerkbar: Ein Schwimmen war laut der Initiative überhaupt nur in der Fahrrinne möglich, welche durch die regelmäßigen touristischen Fahrten der Fährschifffahrt freigehalten wird. Dennoch wurden die Athleten selbst dort durch freischwimmendes, verrottendes Kraut gefährdet.
Die Auftaktaktion am Sonntag stieß bei Zuschauenden und Teilnehmenden auf große Resonanz. In zahlreichen Gesprächen äußerten viele Unverständnis oder sogar Entsetzen über die Haltung der Stadt bezüglich der Gewässerpflege.
Neben dem Protest spricht die Initiative aber auch Lob und Hochachtung für die Schwimmer und Paddler aus und dankt den Teams von Tri-Sport Lübeck, der DLRG, den Bootsverleihenden, der Badeanstalt Falkenwiese und der Fährschifffahrt Quandt.
Zusätzlich bot die Initiative Fotospots an: Teilnehmer können sich über ihre Startnummern per E-Mail eine Erinnerung aus knapp 200 Streckenfotos abholen. Die Initiative verbindet dies mit der Hoffnung, dass solche sportlichen Großereignisse auch in zehn Jahren noch auf der Wakenitz stattfinden können – und richtet die drängende Frage an die Stadt, ob die Freizeitgestaltung und Repräsentation Lübecks nicht ein weiterer Grund für eine aktive Pflege des Flusses sein sollten.