Wakenitz: Offener Brief an Bürgermeister Lindenau
Lübeck: Die Stadtwakenitz erstickt im Kraut. In einem offenen Brief an Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau fordert die Initiative „Mehr Wakenitz“ jetzt schnelles und unbürokratisches Handeln, um die fortschreitende Verkrautung und Verlandung des wichtigen Naherholungsgebietes zu stoppen. Zwar wird die jüngste politische Initiative der SPD begrüßt, doch die Aktiven betonen: Die Wakenitz braucht sofortige Pflege, nicht erst langfristige Gutachten.

Die zunehmende Belastung durch Pflanzen, Schlamm und Nährstoffe ist aus Sicht der Initiatoren kein normales jahreszeitliches Phänomen, sondern eine progressive Bedrohung für das Gewässer. „Wir sehen diesen Pflegebedarf als äußerst dringlich und als in angemessenem Umfang kurzfristig durchzusetzen“, heißt es in dem Schreiben. Konkret gefordert werden unter anderem die Entfernung freischwimmender Pflanzen, bevor sie absinken, sowie ein Stopp der Bürokratie für Vereine, die ihre Badestellen (wie am Krähenteich) mühsam freihalten müssen. Dabei dürften kurzfristige Symptombekämpfung und langfristige Sanierung nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssten parallel erfolgen.
Wir veröffentlichen den Offenen Brief der Initiative „Mehr Wakenitz“ im Wortlaut:
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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lindenau,
es ist schön zu lesen, dass sich die Politik nun etwas in Richtung Wakenitz-Pflege orientieren möchte. Der aktuelle Antrag der SPD in der Bürgerschaft zeigt, dass die zunehmende Verkrautung und die damit verbundene Problematik inzwischen auch politisch wahrgenommen werden. Wir sehen diesen Pflegebedarf als äußerst dringlich und als in angemessenem Umfang kurzfristig durchzusetzen. Dies haben wir über den Sommer und aktuell mit viel Engagement zu erreichen versucht und verfolgen die Umsetzung weiter. Nun wäre ein offener Austausch mit effektiver Handlungsbereitschaft ein weiterer Schritt, die Wakenitz nicht länger mit der Last von Pflanzen, Schlamm und Nährstoffen allein zu lassen. Das ist aus unserer Sicht keineswegs lediglich jahreszeitentypisch oder als normal hinzunehmen, denn die zunehmende Belastung wächst progressiv und mit ihr die Problematik der Verlandung.
Aus unserer Sicht liegen aktuell stabile und belastbare Daten zur Wasserqualität vor. Was fehlt, sind praktische Umsetzungen von Pflegemaßnahmen, wie die Entfernung der freischwimmenden Pflanzen, bevor sie absinken und durch ihre Zersetzung zur weiteren organischen Sedimentbildung und Nährstoffbelastung beitragen. Auch wäre zu prüfen, ob im Bereich der bereits installierten Sonden der TH Lübeck zunächst ein begrenzter Versuch zur Sedimentfreilegung beziehungsweise Schlammspülung durchgeführt werden kann. So könnten kostengünstig abrufbare Messdaten gewonnen werden, anhand derer sich beobachten lässt, wie sich die Wasserwerte während und nach einer solchen Maßnahme verändern. Dies wäre aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt, um Erfahrungen für ein sinnvolles Schlamm-Management im Bereich der Stadtwakenitz und ihrer Naherholungszone zu gewinnen.
Weiter fordern wir die Stadt auf, die Gutachten für die Krautentnahme in den Vereinsregionen auszusetzen beziehungsweise zu prüfen, ob und in welchem Umfang diese Gutachten für die konkreten Maßnahmen tatsächlich erforderlich sind. Der Fall der Badeanstalt Krähenteich zeigt jährlich unangemessen steigende Kosten, die aktuell auch noch ein Gutachten erfordern, um die Bademöglichkeit überhaupt zu ermöglichen. Die Vereine sind äußerst wichtig für das städtische Leben und sollten in ihren Arbeitsbereichen maßgebliche Unterstützung und vor allen Dingen Vertrauen seitens der Stadt erhalten. Art und Umfang einer notwendigen Entkrautung in den touristischen und erholungsrelevanten Zonen sollten mit weniger Bürokratie und schnellen, effektiven Handlungsszenarien gestaltet werden. Wir möchten dringend dazu raten, auf unnötige Weiterleitungen zwischen Behörden und Ämtern zu verzichten und die Stellen klar zu benennen, die für endgültige und umsetzbare Entscheidungen zuständig sind.
Wir haben weitere Ideen und Forderungen zur Pflege der Stadtwakenitz, die sich als wichtiger Nutz- und Schutzbereich für die Stadtgesundheit sowohl im politischen, gesundheitlichen als auch touristischen Bereich zeigt. Dabei ist uns ausdrücklich wichtig: Die hier vorgeschlagenen kurzfristigen Pflegemaßnahmen können und sollen die notwendigen gewässerökologischen Untersuchungen nicht ersetzen. Diese müssen weiterhin durchgeführt und ausgewertet werden, um die Ursachen der bestehenden Belastungen und die langfristige Entwicklung des Gewässers fachlich zu erfassen. Die kurzfristigen Maßnahmen verstehen wir daher ausdrücklich als Symptombekämpfung und als Möglichkeit, akute Belastungen zu begrenzen und gleichzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln.
Die notwendige nachhaltige Wakenitz-Sanierung im Sinne der Konzeptskizze muss davon unabhängig weiterverfolgt und umgesetzt werden. Kurzfristige Pflege und langfristige Sanierung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssen aus unserer Sicht parallel erfolgen.
Wir hoffen sehr, Sie suchen den Austausch mit allen Beteiligten, damit ein effektives und kurzfristiges Konzept für die Wakenitz erstellt und umgesetzt werden kann. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Sanierung der oberen Wakenitz ebenfalls ein wichtiger Aspekt ist, den wir unterstützen. Hier geht es nun jedoch um Schadensbegrenzung für einen Fluss, der sich nicht mehr allein helfen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Nici Mende für Mehr Wakenitz
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Kommentare zu diesem Text (3):
Hans Hansen
schrieb am 7.9.2026 10.53 Uhr:
So langsam sollte es den Leuten dämmern. Die Klimakatastrophe ist nichts, das man durch lokales Herumdoktern irgendwie abmildern könnte.
Jede Maßnahme die dort jetzt besprochen wird, ist zwei Sommer später schon wieder völlig vergebens. Es ist sowas von egal was ihr da mit der Wakenitz machen wollt. Absolut sinnlos. Dieser Sommer, war der Kälteste eures restlichen Lebens.
Die Leute haben noch nicht verstanden, was es bedeutet das 1,5° Ziel verfehlt zu haben. Man hat gegen Klimakleber gewettert und sie vor Gericht geschleift. Dabei hätten wir ganz andere Leute für dieses globale Verbrechen vor Gerichte stellen müssen.
Die einzige Chance die wir haben, ist den Empfehlungen des IPCC endlich auch zu folgen und sofort und kompromisslos den Kapitalismus abzuschaffen. Keine geringere Forderung stellen Klimatologen seit 20 Jahren.
Michael Zeckel
schrieb am 7.9.2026 14.02 Uhr:
Zur Frage des Pflanzenbewuchses in der Wakenitz gibt's ja gerade ein mediales Feuerwerk auf allen Kanälen, und die Wakenitznutzer sind sehr rührig dabei, ihre Interessen zu platzieren.
Es ist sehr zu begrüßen, dass sich jetzt viele mit dem schlechten Zustand der Wakenitz beschäftigen.
Sehr sinnvoll ist es aber, die Nutzerinteressen von dem zu trennen, was gut für die Wakenitz ist.
Das Mähen von schnell nachwachsenden Wasserpflanzen ist ökologisch weitgehend nutzlos, teuer, und schädlich fürs Ökosystem.
Eine Entschlammung ist ein Mehr-Millionenprojekt, das ohne vorausgehende drastische Reduzierung der Nährstoffeinträge im Einzugsgebiet ökologisch und ökonomisch sinnlos ist.
Und nein, ein paar Löcher im Bereich von Sonden zu bohren und dann die Auswirkungen auf die Gewässerqualität messen zu wollen ist eher naiv als qualifiziert.
Kleinflächige Maßnahmen zur Freihaltung in den Badeanstalten sollten dagegen selbstverständlich unproblematisch durchführbar sein.
Warum also nicht einfach den Fachleuten folgen, die sich qualifiziert und fundiert (!) damit beschäftigt haben, und ihnen endlich (!) die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellen?
Das ist zwar weitgehend unpopulär, wie man leider immer wieder erleben muss - aber es ist höchst sinnvoll.
Statt vieler eigener Worte: Die GAL hat das sehr gut zusammengefasst.
Ich empfehle allen wirklich an der Wakenitz Interessierten dringend, die jüngste Mitteilung der GAL dazu zu lesen, und natürlich die Konzeptstudie der Verwaltung. Dort ist das sinnvolle weitere Handeln sehr gut zusammengefasst.
https://www.hl-live.de/text.php?id=181638
Konzeptstudie: http://neu.gal-luebeck.de/wp-content/uploads/2026/04/2026-01-26-VO_2025_14226-03-Konzeptskizze_-Massna-SAO.pdf
(Ich habe leider keinen Link auf Seiten der HL gefunden)
Karl Heinz Haase
schrieb am 8.9.2026 9.35 Uhr:
Die Klimakrise ist real, und die Klimaziele werden bislang klar verfehlt. Gerade deshalb ist Abwarten und Zuschauen keine verantwortliche Strategie. Wasserressourcen wie die Wakenitz sollten so lange wie möglich ökologisch funktionsfähig erhalten werden.
Lokale Natur- und Gewässerpflege ersetzt keinen globalen Klimaschutz, ist aber ein wichtiger Teil der Klimaanpassung. Fachgerechte Pflegemaßnahmen können durchaus einen Mehrwert haben, wenn sie mit langfristigen Lösungen verknüpft werden: weniger Nährstoffeinträge, Umgang mit der Phosphatlast im Schlamm, Eindämmung der fortschreitenden Verlandung und Schutz ökologisch wertvoller Bereiche.
Dabei bleibt die Wakenitz sowohl Naturraum als auch historisch gewachsener Kultur- und Erholungsraum. Beides muss gemeinsam gedacht werden. Weitere Argumente und Hintergründe finden sich auf der Website "Mehr Wakenitz"