Mit Mut auf dem Markt gegen die Depression

Lübeck - Innenstadt: Nach dem Anstieg zur Lübecker Innenstadt mit den schwer beladenen Tandems mussten die sechs fröhlichen Radlerinnen am Dienstag erst einmal verschnaufen. Dann ging es aber auf den Lübecker Markt für Gespräche mit Lübecker Bürgern. Dabei ging es um ein ernstes Thema.


Mit der ungewöhnlichen Tour wird auf ein ernstes Thema aufmerksam gemacht.

Mit der ungewöhnlichen Tour wird auf ein ernstes Thema aufmerksam gemacht.


Die fröhliche Grundstimmung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Teilnehmerinnen der Aktion „Mut-Tour“ sich mit einer Krankheit auseinandersetzen müssen, von der nach seriösen Quellen jeder vierte Erwachsene einmal oder mehrfach betroffen sein kann. Sie wollen mit ihrer Aktion erreichen, dass offen und unvoreingenommen über diese Probleme gesprochen wird, denn viele Betroffene dieser Krankheit erleben Ausgrenzung und Stigmatisierungserfahrung. Deswegen wollen sie offen über das Krankheitsbild Depression und die guten Behandlungsmöglichkeiten sprechen und über die zahlreichen Hilfsangebote von medizinischer Behandlung über Psychotherapie bis zu Selbsthilfegruppen informieren.

"Es darf keinen Unterschied mehr machen, ob ich anderen sage, ich gehe heute Nachmittag zum Zahnarzt oder zum Psychotherapeuten", bringt eine Teilnehmerin der Mut-Tour die zugrundeliegende Problematik auf den Punkt. Sie kennen sich vor der Tour nicht, radeln gemeinsam etwa 4100 km und wissen nicht, wo sie einen Tag später genau übernachten. Das erfordert Mut, wenn man von einer Krankheit betroffen ist, die oftmals mit starken Ängsten und Antriebslosigkeit verbunden ist.


Die Botschaft ist nicht zu übersehen.

Die Botschaft ist nicht zu übersehen.


Seit dem 30. Mai sind sie unterwegs und schauen jetzt, kurz vor dem Abschluss, noch einmal auf dem Lübecker Markt vorbei. Den Fotowinkel wollten sie sich am liebsten selbst aussuchen. Gewonnen hat das historische Rathaus und natürlich die Marienkirche, vor der sie gemeinsam die Botschaft auf ihren Jacken präsentierten.

Mit ihrer Tour informieren die Teilnehmerinnen auch noch über ein ganz aktuelles politisches Problem. Immer mehr Menschen benötigen psychotherapeutischen Beistand. Vom Erstgespräch bis zum Therapiebeginn vergehen nach Angaben der Organisation derzeit 142 Tage, also etwa 5 Monate. Vor diesem Hintergrund verschärft die aktuelle Debatte um die Finanzierung ambulanter Psychotherapie die Sorge um eine ausreichende Versorgung. "Wir brauchen mehr Psychotherapie", ist daher eines der Banner, die sie auf ihrer Tour durch Deutschland tragen.

"Offenheit im Umgang mit der Krankheit hilft," sagt Corinna, die das Schild "Millionen Menschen verstecken ihre Depression" trägt. Die Tour mit den anderen Frauen zu fahren, tut auch gut. Das sagen alle und freuen sich bereits auf den herzlichen Empfang, der ihnen zum Abschluss des diesjährigen Abenteuers am kommenden Samstag in Bremen bereitet werden wird. Am Abend geht es erst einmal weiter nach Bad Oldesloe. Wo sie genau übernachten werden, wissen sie noch nicht genau, nur eins wissen sie: Freundliche Leute werden ihnen ganz bestimmt helfen.

Im Original-Ton hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Corinna von der Mut-Tour.
Am Dienstag machte die Mut-Tour Station auf dem Lübecker Markt. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann
Am Dienstag machte die Mut-Tour Station auf dem Lübecker Markt. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Text-Nummer: 181789    Autor: Harald Denckmann    vom 8.9.2026 16.55 Uhr

Kommentare zu diesem Text (3):

REALIST

schrieb am 8.9.2026 17.40 Uhr:
Tolle Aktion!!! Ich empfehle das Buch HILFE Ein Erlebnisbericht einer psychosomatischen Reha

Strand-Sand

schrieb am 9.9.2026 10.05 Uhr:
Radeln die alle im Rahmen einer Krankschreibung?

Troll Hunter

schrieb am 9.9.2026 17.20 Uhr:
@ Strand-Sand, nein die haben sich, dich nicht zum Vorbild genommen. Stattdessen Urlaub. Urlaub nennt man die gesetzliche oder tarifliche freie Zeit zur persönlichen Verfügung/ Erholung. Das zur Erklärung .