Nadelöhr Hamburg umgehen: Nord-Wirtschaft macht Druck für Weiterbau der A 20

Schleswig-Holstein: Als Tor zur Ostsee und wichtiges Logistikdrehkreuz ist der Wirtschaftsraum Lübeck wie kaum eine andere Region auf funktionierende Verkehrsachsen angewiesen. Doch wenn rund um das Nadelöhr Hamburg der Verkehr kollabiert, stehen auch hier Lieferketten und Pendler still. Vor diesem Hintergrund hat die norddeutsche Wirtschaft nun in Berlin unmissverständlich den schnellen Weiterbau und eine verlässliche Finanzierung der Küstenautobahn A 20 gefordert. Der geplante Lückenschluss inklusive Elbtunnel bei Glückstadt soll künftig nicht nur die Häfen und Unternehmen im Lübecker Raum besser nach Westen anbinden, sondern auch den Transport gewaltiger Bauteile für die Energiewende sichern.

Beim Parlamentarischen Abend norddeutscher Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Berlin hat die Wirtschaft Entscheidungen für den Bau der Küstenautobahn A 20 gefordert. Gemeinsam mit den Wirtschafts- und Verkehrsministern Claus Ruhe Madsen (Schleswig-Holstein) und Grant Hendrik Tonne (Niedersachsen) adressierten die IHKs die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Im Beisein und im konstruktiven Austausch mit Staatssekretär Christian Hirte machten die Vertreter deutlich: Der Lückenschluss der A 20 ist Voraussetzung für Logistik, Energiewende und Versorgungssicherheit. Zugleich betonten die IHKs, dass die Autobahn für eine zukunftsfeste Hafenvernetzung, den Küstentourismus, Fahrzeitenreduzierungen und die Entlastung überlasteter Ortsdurchfahrten unverzichtbar ist.

Die IHKs richten drei zentrale Punkte an die Bundespolitik:

1. Finanzierung sichern
Mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimawandel priorisiert der Bund den Erhalt der bestehenden Infrastruktur. Der reguläre Haushalt des Bundesverkehrsministeriums darf trotz der Implementierung des Sondervermögens nicht gekürzt werden, vielmehr müssen die regulären Mittel in den Lückenschluss und erforderlichen Ausbau fließen, wie bei der A 20. Nur so können Autobahn GmbH und DEGES die Bauleistungen ausschreiben und den Weiterbau ohne Verzögerungen umsetzen. Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Deshalb darf die Finanzierung zentraler Infrastrukturprojekte nicht vor jeder Haushaltsrunde infrage gestellt werden.

2. Netz-Resilienz herstellen
Fällt eine Verbindung im Raum Hamburg aus, staut sich der Verkehr in ganz Norddeutschland. Westlich von Hamburg gibt es keine feste Elbquerung. Der gesamte Güterverkehr Richtung Westen muss sich durch das Nadelöhr Hamburg zwängen. Fällt dort eine Verbindung aus, werden die Lieferketten in Norddeutschland und den Küstenregionen erheblich beeinträchtigt. Die A20 mit dem neuen Elbtunnel bei Glückstadt schafft die dringend benötigte Redundanz im Verkehrsnetz und erhöht die Versorgungssicherheit für Unternehmen und Bevölkerung. Gerade in Krisen- und Störfällen braucht Norddeutschland eine leistungsfähige Ausweichroute, um Warenströme und Mobilität aufrechterhalten zu können.

3. Schwertransporte für die Energiewende ermöglichen
Rotorblätter für Windkraftanlagen, Trafostationen und Elektrolyseure können vielfach nicht wirtschaftlich oder nur mit erheblichem Aufwand über das nachgeordnete Straßennetz transportiert werden. Für diese Groß- und Schwertransporte fehlt eine leistungsfähige Ost-West-Achse. Die A20 ist der Schlüssel, um diesen Engpass beim Ausbau der Energieinfrastruktur zu lösen. Ohne eine leistungsfähige Verkehrsverbindung verzögern sich Genehmigungen, Transporte und Bauvorhaben – mit direkten Auswirkungen auf den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Wasserstoffwirtschaft. Der zügige Weiterbau der A20 ist deshalb auch eine Investition in das Gelingen der Energiewende und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Norddeutschland.

Statements aus den Regionen
Knud Hansen, Präsident der IHK zu Kiel (für die IHK Schleswig-Holstein): „Der entscheidende Schlüssel für den Norden ist der neue Elbtunnel bei Glückstadt. Er ist die einzige echte Ausweichroute zum Nadelöhr Hamburg. Fällt dort etwas aus, ist Schleswig-Holstein verkehrlich abgeschnitten. Berlin muss die Voraussetzungen schaffen, damit die Baufreigaben für die baureifen Abschnitte erteilt und die Mittel bereitgestellt werden.“

Tom Nietiedt, Vizepräsident der Oldenburgischen IHK: „Für die Unternehmen im Nordwesten – von der Ems bis zur Unterweser – ist die A 20 eine zentrale Voraussetzung für leistungsfähige und verlässliche Verkehrsverbindungen. Sie verbessert die Erreichbarkeit der norddeutschen Seehäfen, entlastet die Ortsdurchfahrten und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von Industrie, Handel, Logistik und Tourismus in der gesamten Region.“

Andreas Meyer, Vizepräsident der IHK Elbe-Weser: „Ohne die A 20 stecken unsere Unternehmen in der Region fest: Wer von Stade oder Cuxhaven nach Schleswig-Holstein, Skandinavien oder auch nur ins nördliche Hamburg möchte, muss entweder viele Stunden an der Fähre stehen oder den enormen Umweg durch den Hamburger Stau in Kauf nehmen. Eine zusätzliche feste Unterelbquerung ist für unsere regionale Wirtschaft keine Option, sondern eine dringende Notwendigkeit. Dabei geht es nicht nur um kürzere Strecken und Fahrzeiten, sondern darum, den Wirtschaftsstandort Elbe-Weser und seine Zukunftsfähigkeit zu sichern.“

Andreas Kottisch, Vizepräses der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven: „Die A 20 schließt die Lücke im Hinterlandverkehr der deutschen Seehäfen. Wer will, dass der Logistik- und Industrie-Standort Norddeutschland im Wettbewerb mit den westeuropäischen Häfen besteht, muss die Verkehrswege zwischen den Küstenländern ausbauen.“
Die norddeutschen Industrie- und Handelskammern fordern den zügigen Weiterbau der A 20, um Ausweichrouten zu schaffen und die Verkehrsadern im Norden langfristig vor dem Kollaps zu bewahren. Foto: JW/Archiv
Die norddeutschen Industrie- und Handelskammern fordern den zügigen Weiterbau der A 20, um Ausweichrouten zu schaffen und die Verkehrsadern im Norden langfristig vor dem Kollaps zu bewahren. Foto: JW/Archiv

Text-Nummer: 181801    Autor: IHK SH/red.    vom 9.9.2026 12.13 Uhr

Kommentare zu diesem Text (9):

Alpen Schmaus

schrieb am 9.9.2026 12.32 Uhr:
Vielleicht wird es was. Wenn erstmal CDU und SPD. von der Bildfläche verschwunden sind

StoppWindkraft

schrieb am 9.9.2026 12.34 Uhr:
Alle Forderungen sind nachvollziehbar. Aber bitte den Weiterbau der A20 nicht mit dem Transportieren von Rotorblättern begründen. Dieser hochsubventionierte grüne Unsinn gehört sofort gestoppt. Entsorgung ungeklärt, Landschaft verschandeln und ohne Subventionen unrentable.

Gero Markus, Lübeck

schrieb am 9.9.2026 16.52 Uhr:
@ AlpenSchmaus
Sie meinen, unter einem grünen Ministerpräsidenten werde die Autobahn zügig weitergebaut? Denn die FDP wird so schnell niemanden stellen.
Ihre Werbung für die AfD können Sie allerdings am Stammtisch platzieren. Die hat hier keinen Platz.
hl-live ist kein Tummelplatz für (...).
geromarkus@hotmail.com

Hardy

schrieb am 9.9.2026 17.48 Uhr:
Wenn wenigstens die popeligen 9km rund um SE bis zur A21 mal fertig würden!
7Jahre zum Bauen einer fertig geplanten Autobahn... für popelige 9km(!)... DAS ist erbärmlich!
Mehr als ein Jahr darf das nicht dauern! Auf beiden Seiten beginnen und selbstredend 24/7 arbeiten!
Stattdessen nur Geschwafel...

Skagerrak

schrieb am 9.9.2026 19.29 Uhr:
Daniel Northvolt G. hatte doch schon zum Fototermin die Gummistiefel angezogen und einen Spaten in die Hand genommen, dann kann das doch nur klappen.

Hans

schrieb am 9.9.2026 19.51 Uhr:
Hardy, you are goddam right !
Was wir brauchen: A20 bis A7, meinetwegen bis A23, und A21 bis A24, meinetwegen bis A39, und wir haben eine kostengünstige Lösung für die nächsten 100 Jahre - egal. ob das mit Rotorblättern begründet wird oder nicht (geniale Finte, isn't it ?) Merke: Done is better than perfect.

Markus

schrieb am 10.9.2026 8.40 Uhr:
Für die notwendigen Panzer Transporte Richtung Osten bitte schnell bauen.

Skagerrak

schrieb am 10.9.2026 9.27 Uhr:
@Markus: Ich denke das war Ironie. Falls nicht, hoffe ich, dass Sie die Panzertransporte anführen.

Susanne

schrieb am 10.9.2026 15.30 Uhr:
@Markus: Der Moorboden unter weiten Bereichen der A 20 hält die Panzer doch gar nicht aus...