Die Wasserpest vor der Winterpause
Lübeck: Die Wakenitz, auch liebevoll der „Amazonas des Nordens“ genannt, ist eines der schönsten Naherholungsgebiete Lübecks. Doch in den warmen Monaten verwandelt sich das Gewässer zunehmend in einen dichten, grünen Dschungel – sehr zum Leidwesen der menschlichen Besucher. Schuld daran ist ein extrem starkes Pflanzenwachstum, allen voran die sogenannte Wasserpest, die sich oft noch mit Entengrütze (Wasserlinsen) mischt. Das macht jetzt immerhin bald Winterpause.

Mit der kalten Jahreszeit endet der Kampf gegen die „Wasserpest“.
Was genau ist die Wasserpest und woher kommt der Name?
Die Wasserpest (botanisch Elodea) gehört zur Familie der Froschbissgewächse. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika und wurde im 19. Jahrhundert als Aquarienpflanze nach Europa eingeschleppt. Ihren wenig schmeichelhaften Namen hat sie sich redlich verdient: Unter günstigen Bedingungen – wie einer hohen Nährstoffbelastung (Überdüngung durch angrenzende Landwirtschaft) und hohen Sommertemperaturen – wuchert sie förmlich explosionsartig. Wie eine "Pest" breitet sie sich aus, verdrängt heimische Wasserpflanzen, verstopft Wasserwege und bildet dichte, schier undurchdringliche Teppiche unter der Wasseroberfläche.
Ein Albtraum für Schwimmer
Für die Lübecker Naturbäder wie Marli und Falkenwiese war die massive Ausbreitung in diesem Jahr eine enorme Belastungsprobe. Wenn sich die langen Ranken der Wasserpest beim Schwimmen plötzlich um Arme und Beine wickeln, empfinden das viele Badegäste nicht nur als extrem unangenehm, es kann auch regelrechte Panik auslösen, wenn man das Gefühl bekommt, man könne sich nicht mehr über Wasser halten. Die Betreiber der Bäder mussten teils zusätzliches Personal abstellen, das jeden Tag unermüdlich die angespülten Pflanzenmassen aus dem Wasser fischte. Immerhin: Mit dem Ende der Badesaison und dem Beginn des Herbstes tritt erst einmal Entspannung ein. Der akute Druck, die Schwimmbereiche täglich mühsam freizuharken, fällt weg.
TV‑Ruhm für das Lübecker "Entenkraut"
Das grüne Problem in der Wakenitz hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass es sogar im Fernsehen landete. In einem Beitrag von SAT.1 Regional wurde eindrücklich gezeigt, wie stark die Schwimmer und Bad-Betreiber unter dem wuchernden Kraut leiden. Der Fernsehbericht thematisierte auch den Frust der Badbetreiber über die Stadtverwaltung: Während die Bäder jeden Tag mühsam gegen die Pflanzen ankämpfen, fehlt es an kurzfristiger Unterstützung durch die Stadt. Dort verweist man stattdessen auf ein langfristiges "Wakenitz-Konzept", das erst in einigen Jahren greifen und das Problem – wie die Überdüngung – an der Wurzel packen soll. Der Beitrag ist auch auf YouTube zu sehen.
Des einen Leid, des anderen Freud: ein Festmahl für Wasservögel
Während wir Menschen uns über das grüne Zeug ärgern, sieht die Tierwelt das ganz anders. Für Enten, Schwäne und Blesshühner bedeutet der Pflanzenreichtum in der Wakenitz einen reichlich gedeckten Tisch. Beim typischen "Gründeln" – wenn die Vögel kopfüber ins Wasser tauchen, fressen sie mit Vorliebe die Wasserpflanzen. Auch die unzähligen kleinen Insektenlarven, Schnecken und Krebstierchen, die in dem Pflanzendickicht der Wasserpest leben, sind für die Vögel ein proteinreicher und willkommener Snack.
Was passiert im Winter?
Wenn im späten Herbst und Winter die Temperaturen sinken, endet das explosive Wachstum der Wasserpest abrupt. Die Pflanze stellt sich auf das Überleben im kalten Wasser ein:
– Rückzug: Die Pflanzentriebe sterben ab oder sinken auf den Grund des Gewässers.
– Überwinterungsknospen: Die Pflanze bildet sogenannte "Turionen" (Winterknospen). Diese sinken auf den schlammigen Boden der Wakenitz und überdauern dort die kalte Jahreszeit.
– Zersetzung: Die abgestorbene Pflanzenmasse am Grund wird von Bakterien zersetzt. Auf der Wasseroberfläche sorgt der Winter also für eine optische Komplett-Erholung.
Unter der Oberfläche hat der Frost allerdings einen Haken: Der Zersetzungsprozess der riesigen Pflanzenmengen verbraucht extrem viel Sauerstoff im Wasser, was für Fische in sehr harten Wintern zum Problem werden kann. Im nächsten Frühjahr, wenn das Wasser wärmer wird, treiben die Knospen am Grund dann wieder aus – und der Kreislauf der Wasserpest beginnt von vorn.
Kommentare zu diesem Text (4):
Kurt Wuchtig
schrieb am 10.9.2026 16.32 Uhr:
Toller Berichtet , Schade dass er nicht auf den Schwimmer der vor einigen Wochen ertrunken ist ebenso der Kanute der ebenfalls in diese invasive Art beim kentern geraten ist und der ebenfalls verunglückte . Auch der wirtschaftliche Schaden für die Quandt Linie sowie für die Bäder , wird hier nicht eingegangen. Bin gespannt wie die Verwaltung bzw. unser Bürgermeister auf den offenen Brief der vor einiger Zeit an ihn gegangen ist, reagiert. Anmerkung: In Niedersachsen dürfen die Gemeinden zB am Steinhuder Meer mähen.
Normal
schrieb am 11.9.2026 7.50 Uhr:
Lebhaft erinnere ich mich an meine Kinderzeit an der Wakenitz. Der nun als Denkmal im Museumshafen liegende Eimerkettenbagger Wels drehte seine Runden auf dem Wasser vom Falkendamm bis weit hinter der ehemaligen Wasserkunst.
Zu seinen Hauptaufgaben gehörte es jahrzehntelang, neben den Fahrrinnen und Hafenbecken der Trave auch die Wakenitz von Schlamm und Schlick zu befreien. Für diese Arbeit in den flacheren oder engeren Abschnitten wurde er im Jahr 1957 grundlegend umgebaut. Sein Ponton (der schwimmende Rumpf) wurde von ursprünglich 14 Metern auf 18,57 Meter verlängert. Gleichzeitig wurde seine maximale Baggertiefe von 4 Metern auf 8 Meter erweitert, um auch tiefer liegende Sedimente und Schlingpflanzen zuverlässig heraufholen zu können.
Die Wakenitz war sauber, klar und fischreich.
Fast jeden Tag waren wir Kinder im Freibad Falkenwiese im Hochsommer und erfreuten uns während der Bagger unermüdlich seine Runden unter unseren staunenden Augen zog.
Setzt das Gerät wieder ein. Es funktioniert bestens und kann der Wakenitz wieder zum Atmen verhelfen und eine sich anbahnende Verlandung verhindern.
Blockaden enstehen immer im Kopf und generieren unlogische Argumente um das Nichttätigwerden zudem mit sinnbefreiten Stuhlkreisen zu untermauern. Nehmt den Wels!
Lukas
schrieb am 11.9.2026 11.01 Uhr:
@Martin Walter
Vielen Dank für Ihre Zusammenfassung der Punkte, ich stehe da voll hinter Ihnen und hoffe, dass sie viele die derzeit radikale Fantasien zur "Instandsetzung" der Wakenitz haben nach dem Lesen Ihres Kommentars erneut in Ruhe mit der Thematik befassen und wir dann endlich konsequent Druck auf die Politik ausüben können gegen die Überdüngung der Wakenitz, die ja ein Wassereinzugsgebiet bis weit nach Mecklenburg Vorpommern hat, etwas zu unternehmen.
Freiwild
schrieb am 11.9.2026 12.02 Uhr:
Martin Walter vs. Normal - 3 : 0
Ich lass' mir den Wels nicht verbieten!
Nieder mit dem "Entenkraut"! Nieder mit ihm!