Die Linke: Keine Bühne für Rechtspopulismus

Lübeck: Am Montag sprach Roger Köppel im Lübecker Kolosseum. Die Partei "Die Linke Lübeck" bedankt sich bei allen Menschen, die gegen die Veranstaltung demonstriert haben.

Wir veröffentlichen die Mitteilung der Partei "Die Linke Lübeck" im Wortlaut:

(")Einen Tag nach dem erschreckenden Wahlerfolg der in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuften AfD fand am Montagabend, dem 7. September, im Lübecker Kolosseum eine Lesung des Schweizer Rechtspopulisten Roger Köppel statt.

Laut Lübecker Nachrichten besuchten rund 400 Menschen die Veranstaltung. Vor dem Kolosseum versammelten sich etwa 70 Antifaschist*innen, um unter anderem gemeinsam mit dem Bündnis „Wir können sie stoppen – Lübeck gegen Rechts“ friedlich und deutlich gegen die Veranstaltung zu protestieren.

Für Die Linke Lübeck ist dieser zeitliche Zusammenhang mehr als bitter: Während die AfD in Sachsen-Anhalt am Sonntag 43,8 Prozent erreichte und 39 der 83 Sitze im Landtag gewann, erhielt einen Tag später ein Schweizer Rechtspopulist in Lübeck eine große Bühne – ausgerechnet im Kolosseum, das von der Gemeinnützigen betrieben wird.

„Lübeck steht für Weltoffenheit, Kultur und Vielfalt. Da ist kein Platz für Menschen, die Faschismus normalisieren! Unsere Demokratie muss dieser Ideologie keinen Raum geben“, erklärt Nicolas Stoltz, Vorstandsmitglied der Linken Lübeck.

Roger Köppel trat dabei keineswegs als lautstarker Agitator auf. Er präsentierte sich kultiviert, weltgewandt und demagogisch, begann mit intellektuell launigen Komplimenten an Lübeck, machte Bezüge zu seiner eigenen Familie, gefolgt von historischen Inhalten, erzählte persönliche Anekdoten seiner Erfahrungen mit den Politkern dieser Welt und gab sich als kosmopolitischer Beobachter des Weltgeschehens aus der „neutralen Sicht“ eines Schweizers.

Doch zwischen diesen historischen Betrachtungen und scheinbar beiläufigen Bemerkungen transportierte er, immer feiner werdend, seine politischen Botschaften: Deutschland habe keine echte Meinungsfreiheit mehr, die Menschen würden politisch unterdrückt und nach dem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt hole sich Deutschland nun seine Demokratie zurück. Die AfD selbst erwähnte Köppel nur einmal direkt – umschrieb sie ansonsten lediglich– stellte sie dabei jedoch als Rettung des einst so starken Deutschlands dar.

„Das ist kein Grund zur Panik. Aber es ist verdammt nochmal ein Grund, wach zu sein. Rechtspopulismus kommt eben nicht immer mit Springerstiefeln und offenem Hass daher. Manchmal kommt er als netter Professorenonkel, im Sakko und einem charmanten Lächeln. Genau das macht ihn gesellschaftlich anschlussfähig und somit gefährlich“, sagt Bianca Szygula, Kreissprecherin der Linken Lübeck.

Wie dieser Abend auf Menschen im Saal wirkte, zeigt auch die Rückmeldung einer Besucherin. Sie berichtet von äußerst despektierlich geführten Gesprächen über die Bewegung der „OMAS GEGEN RECHTS“ bereits vor Beginn der Lesung, die weit über jeden Herrenwitz hinaus und direkt „unter die Gürtellinie“ gingen. Ihre Erkenntnis nach dem Abend beschreibt sie mit den Worten: „Sie habe nun einen Eindruck davon bekommen, wozu diese arrivierte gutbürgerliche Mitte in der Lage sein wird, sollten sie regieren dürfen – auch die Frauen“.

Die Linke Lübeck stellt dabei ausdrücklich klar: Meinungsfreiheit bedeutet nicht Widerspruchsfreiheit. Wer eine solche Veranstaltung besucht, hat das Recht zuzuhören. Genauso haben Demokraten das Recht, dagegen auf die Straße zu gehen und deutlich zu machen, welche politischen Positionen sie ablehnen.

„Wir waren gestern rund 70 Menschen auf der Straße. Ruhig, friedlich und entschlossen. Nicht, um Menschen am Zuhören zu hindern, sondern um zu zeigen: Wir schauen hin und wir widersprechen. Gerade jetzt. Wir werden nicht zulassen, dass Menschenfeindlichkeit und völkisch nationalistische Politik hier als ganz normale Unterhaltung verkauft werden“, sagt Sören Winzer, Vorstandsmitglied der Linken Lübeck. Denn die Entwicklungen der vergangenen Tage zeigen, wie notwendig dieser Widerspruch ist. Demokratie verteidigt sich nicht von allein. Und Rechtspopulismus wird nicht dadurch ungefährlich, dass er höflich auftritt. Die Linke Lübeck dankt allen Menschen, die sich dem Protest angeschlossen haben.(")
Die Linke Lübeck bedankt sich bei den Teilnehmern an einer Kundgebung vor dem Veranstaltungsort.
Die Linke Lübeck bedankt sich bei den Teilnehmern an einer Kundgebung vor dem Veranstaltungsort.

Text-Nummer: 181841    Autor: Linke/red.    vom 10.9.2026 16.06 Uhr