Hightech aus Lübeck für die Region

Lübeck: Der demografische Wandel und fehlende Fachkräfte bedrohen die medizinische Versorgung, gerade außerhalb der Ballungsräume. Lösungen für dieses Problem kommen direkt aus Lübeck: Am Fraunhofer IMTE informierten sich nun Vertreter des Nachbarkreises Herzogtum Lauenburg darüber, wie Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) aus der Hansestadt künftig Ärzte und Pflegepersonal in der Fläche entlasten können.

Eine alternde Bevölkerung trifft auf einen steigenden Versorgungsbedarf und immer weniger medizinisches Personal – eine Entwicklung, die besonders ländlich geprägte Regionen ohne eigene Krankenhäuser der Maximalversorgung vor große Herausforderungen stellt. Um sich über zukunftsweisende Gegenmaßnahmen auszutauschen, besuchten der Lauenburgische Landrat Dr. Christoph Mager und Dr. Kaschlin Butt, Leiterin des dortigen Gesundheitsamtes, das Fraunhofer-Institut für Individualisierte Medizintechnik (IMTE) in Lübeck

Im Gespräch mit Institutsdirektor Prof. Dr. Thorsten Buzug standen vor allem Technologien wie Robotik, Automatisierung, KI und sogenannte Point-of-Care-Lösungen im Fokus. „Für einen Flächenkreis ist entscheidend, wie wir auch künftig eine hochwertige medizinische Versorgung möglichst wohnortnah gewährleisten können", betonte Landrat Mager. Er sieht in den neuen Technologien eine essenzielle Chance, medizinische Fachkompetenz wieder stärker in die Fläche zu bringen.

Ein Schlüssel dazu liegt in der Dezentralisierung: Durch Point-of-Care-Diagnostik können Untersuchungen direkt vor Ort – oder sogar direkt im Rettungsdienst – stattfinden. Gepaart mit Telemedizin und KI-gestützter Entscheidungsunterstützung wird spezialisiertes medizinisches Wissen auch außerhalb großer Zentren wie Lübeck verfügbar gemacht. Zudem könnten Roboter und Automatisierung künftig standardisierbare sowie körperlich anstrengende Aufgaben übernehmen, um das verbliebene Fachpersonal spürbar zu entlasten. „Wir werden die Folgen des demografischen Wandels nicht allein mit mehr Personal bewältigen können", erklärte Prof. Buzug. Man müsse auch die Organisation und technische Unterstützung der Gesundheitsversorgung zwingend verändern. Das Potenzial für Regionen ohne Maximalversorger sei dabei erheblich.

Bei einer anschließenden Laborführung durch die Lübecker Einrichtung erhielten die Gäste praxisnahe Einblicke in die aktuelle Forschung. Besichtigt wurden unter anderem das „Lübeck Innovation Hub for Robotic Surgery“ (LIROS) mit Schwerpunkt auf robotergestützten OP-Verfahren, der 3D-Druck, das akkreditierte CT-Prüflabor sowie die „AI Motion Labs“, in denen Sensorik, KI und Robotik für Bewegungsanalyse und Rehabilitation verknüpft werden.

Der Austausch unterstreicht die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft. Er knüpft zudem direkt an die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Innovationscommunity GRANNI an, die sich in der norddeutschen Hanse-Region der Entwicklung nachhaltiger Medizintechnik für ein gesundes Altern widmet.
Tim Gruchmann (Team Therapie am Fraunhofer IMTE), Dr. Kaschlin Butt, Dr. Christoph Mager und Institutsdirektor Prof. Dr. Thorsten Buzug (v.l.n.r.) bei der Besichtigung des hochmodernen OP-Saals. Foto: Sandy Bever, Fraunhofer IMTE
Tim Gruchmann (Team Therapie am Fraunhofer IMTE), Dr. Kaschlin Butt, Dr. Christoph Mager und Institutsdirektor Prof. Dr. Thorsten Buzug (v.l.n.r.) bei der Besichtigung des hochmodernen OP-Saals. Foto: Sandy Bever, Fraunhofer IMTE

Text-Nummer: 181858    Autor: IMTE/red.    vom 11.9.2026 11.21 Uhr