Protest an der Obertrave: Friedensbündnis kritisiert Bundeswehr-Roadshow

Lübeck - Innenstadt: Vom 15. bis zum 26. September 2026 präsentiert sich die Bundeswehr mit ihrer Karriere-Roadshow „KA.R.L.“ an der Lübecker Obertrave. Das „Friedensbündnis Ostermarsch Lübeck“ kündigt nun Gegenaktionen an und wirft den Veranstaltern vor, militärische Gewalt zu verharmlosen.

Wenn die Bundeswehr in den kommenden Tagen mit ihrem Format „KA.R.L.“ (Karriereberatung, Roadshow, Lounge) in der Lübecker Innenstadt Station macht, wird auch das „Friedensbündnis Ostermarsch Lübeck“ vor Ort sein. Wie die Initiative mitteilt, wolle man deutlich machen, was aus Sicht der Aktivisten hinter dem Event stecke, gegen Aufrüstung protestieren und für Friedensanstrengungen werben. Man warne ausdrücklich vor einer „Eventisierung des Tötens“.

Das Bündnis bewertet die militärische Präsenz in der Innenstadt als Teil einer strategischen Offensive. Nach Auffassung der Friedensaktivisten diene das Format angesichts wachsender Rekrutierungsprobleme dazu, bewusst neue Zielgruppen – insbesondere junge Menschen – zu erreichen. Das Militär solle nicht mehr fern, sondern alltäglich wirken, kritisiert die Initiative: Einkaufszone statt Kaserne, Lounge-Atmosphäre statt Befehlston. Besonders kritisch sieht das Bündnis, dass die Grenze zwischen Information und Werbung zunehmend unscharf werde und auch Minderjährige angesprochen würden – oft ohne ausreichende Einordnung oder kritische Gegenperspektiven.

Nach Ansicht des Friedensbündnisses normalisiert eine solche Präsenz im öffentlichen Raum den Krieg und verschiebt die gesellschaftliche Wahrnehmung. Krieg werde nicht als Gewaltverhältnis sichtbar gemacht, sondern als Erlebnis präsentiert. Dabei werde ausgeblendet, dass der Beruf des Soldaten kein Job wie jeder andere sei, sondern bedeute, Teil eines Systems zu sein, das im Ernstfall Gewalt ausübe. Das Bündnis warnt davor, dass eine kritische gesellschaftliche Debatte erschwert werde, wenn diese Realität hinter Werbekampagnen verschwinde.

Die Organisatoren des Protestes sehen in der Roadshow einen Baustein einer „umfassenden Militarisierung des Alltags“. Statt auf Diplomatie, soziale Gerechtigkeit und zivile Konfliktlösungen zu setzen, rücke militärische Logik in den Mittelpunkt. Dem wolle man auf der Straße widersprechen.

Um diesem Standpunkt Gehör zu verschaffen, wird das Friedensbündnis vom 15. bis zum 25. September (außer sonntags, jeweils bis maximal 17 Uhr) in der Nähe der Bundeswehr an der Obertrave (Ecke Depenau) präsent sein. Geplant sind ein Infostand, Musik, Auftritte einer Trommelgruppe und weitere Aktionen. Interessierte sind laut der Initiative eingeladen, das Gespräch zu suchen und sich kritisch mit der Werbung der Bundeswehr sowie den Themen Sicherheit und Aufrüstung auseinanderzusetzen.
Infostand der Deutschen Friedensgesellschaft gegen Aufrüstung und Militarisierung. Foto: Harald Denckmann
Infostand der Deutschen Friedensgesellschaft gegen Aufrüstung und Militarisierung. Foto: Harald Denckmann

Text-Nummer: 181892    Autor: Bündnis/red.    vom 14.9.2026 14.21 Uhr