Gedenken an Deportierte und Ermordete aus dem Heim Vorwerk
Lübeck - St. Lorenz Nord: Am 16. September 1940 wurden zehn jüdische Bewohnerinnen und Bewohner mit Behinderungen aus dem damaligen Heim Vorwerk in Lübeck deportiert und nur wenige Tage später in einem Lager in Brandenburg ermordet. Sie standen auf den Meldelisten der Nationalsozialisten, ihr Leben war von diesen als „lebensunwürdig“ erklärt worden. Jedes Jahr erinnert die Diakonie Nord Nord Ost mit einer Gedenkveranstaltung an diese Tat.

Am Mahnmal "Die Bergende" wurden Kerzen für die zehn deportierten und ermordeten Menschen aufgestellt.
Auch am 16. September 2026 kamen wieder Mitarbeiter und Klienten am Mahnmal „Die Bergende“ auf dem Campus der Diakonie Nord Nord Ost an der Lübecker Triftstraße zusammen, um sich gemeinsam zu erinnern. „Dieses Gedenken ist die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart“, sagte Johanne Hannemann, Geschäftsführerin der Diakonie Nord Nord Ost, in ihrer Ansprache. „Das Schicksal dieser Menschen führt uns vor Augen, dass schier Unvorstellbares mitten unter ganz normalen Menschen möglich war. Und ich frage mich: Kann es auch wieder möglich werden – so oder anders, aber doch dämonisch und lebensfeindlich?“
Auszubildende der Gisa-Feuerberg-Schule der Diakonie Nord Nord Ost nannten die Namen und Lebensdaten der zehn ermordeten Menschen und stellten für jeden von ihnen eine Gedenkkerze am Mahnmal auf. Außerdem hatten die angehenden Heilerziehungspfleger Musik, Texte und Gedanken zu Politik und Gesellschaft vorbereitet, die gemeinsam vorgetragen wurden. „Wir möchten, dass unsere Welt und unsere Gemeinschaft bunt und vielfältig bleibt“, lautete ihre klare Botschaft.
Genau das bezeichnete Johanne Hannemann auch als Aufgabe der Diakonie: „Wir sind für Menschen da, die unsere Unterstützung und Begleitung brauchen, damit es ihnen gut geht. Wir müssen dabei klar zu unseren Werten stehen, gleichzeitig aber auch jenen begegnen und mit jenen ins Gespräch gehen, die andere Meinungen und Wahrnehmungen haben. Das wird schwieriger – aber wir müssen das tun, nur dann fällt unsere Gesellschaft nicht auseinander.“ Ziel sei immer, dass jeder Mensch in seiner Würde geachtet werde.
„Unsere Gedenkveranstaltung erinnert jedes Mal daran, was passiert, wenn Menschen diese Würde abgesprochen wird, Menschen ausgrenzt und gegeneinander aufgebracht werden“, so Pastor Karsten Wittfoht, Seelsorger in der Diakonie Nord Nord Ost. „Wir bekennen uns zu einer Gemeinschaft für alle, in der wir uns das Miteinander und das Füreinander ermöglichen. Eine Gesellschaft, an der jede und jeder teilhaben kann und Menschen Selbstwert, Zuneigung und Anerkennung erfahren.“
Kommentare zu diesem Text (1):
Barny
schrieb am 17.9.2026 8.59 Uhr:
Weswegen wurden diese Menschen ausgewählt?
Wegen ihres Glaubens oder ihrer Behinderung?
Beides ist unerträglich!
Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben und Achtung!
Die wenigen Menschen mit Behinderung, die ich kennen gelernt habe, sind freundliche, liebenswerte Wesen!
Wie kann ein System nur so entarten und die Menschen ihre menschlichkeit aus ihren Gedanken verbannen?
Nur weil jemand anders ist oder lebt bedeutet das nicht, das sie wertlos sind, gerade das Gegenteil ist der Fall.
Es ist gut, das an diese zehn Menschen gedacht wird, für sie ist es leider zu spät, aber wir lebenden können mit offenen Augen durch das Leben gehen und verhindern, das die Kaltherzigkeit von uns besitz ergreift!