Ehemalige krebskranke Kinder mit dem Angelkutter auf der Ostsee

Lübeck: Strahlende Kindergesichter, bestes Angelwetter und das Gefühl von unbeschwerter Normalität – so könnte man diesen Tag kurz zusammenfassen. In Kooperation mit der Kinderkrebsstation des UKSH in Lübeck hatte der Lübecker Verein „Die Glücksfischer“ e. V. eine kleine Gruppe von ehemals krebskranken Kindern und deren Geschwistern zu einer Angeltour auf die Ostsee eingeladen. Die Begeisterung von Kindern, Betreuern und Eltern war überwältigend.


Nach den anstrengenden Behandlungen in der Klinik ging es zur Erholung auf die Ostsee.

Nach den anstrengenden Behandlungen in der Klinik ging es zur Erholung auf die Ostsee.


Regelmäßig veranstalten die Glücksfischer Angelevents, um Kindern und Jugendlichen, aber auch Menschen mit Handicap verschiedene Naturerlebnisse zu ermöglichen. „Die Nachfrage an unseren Veranstaltungen ist immer riesig und die verfügbaren Plätze schnell ausgebucht“, erklärt der Vorsitzende der Glücksfischer, Andreas Hardt. Über den Verein Lübeck-Hilfe für krebskranke Kinder e. V. sei dann der Kontakt zur Kinderkrebsstation am UKSH entstanden. „Es war uns aber wichtig, eine Veranstaltung für Kinder, die sich in der Krebsnachsorge befinden, anzubieten, um nach einer sehr schicksalhaften Zeit interessierten Kindern ein solches Erlebnis zu ermöglichen“, so Hardt weiter.

„Das Interesse war groß und auch die Eltern haben sich über das tolle Angebot gefreut“, berichtet Martina Hasselwander, die im Sozialen Dienst auf der Kinderkrebsstation arbeitet und die Kinder und ihre Familien gut kennt. „Die meisten Kinder kennen wir durch die Akutbehandlung auf unserer Station schon sehr lange und alle freuen sich einfach darauf, einfach wieder die Dinge tun zu können, die alle anderen Kinder im gleichen Alter auch tun.“

So waren die Aufregung und die Vorfreude erwartungsgemäß groß, als die kleine Gruppe der jungen Survivors mit ihren Eltern am Fischeihafen in Travemünde eintraf. Dort wurden sie an Bord der Prof. Oeftering, dem Vereinsboot des Eisenbahner-Hochseesportfischer-Verein e. V. (EHSV), bereits von den Betreuern der Glücksfischer erwartet. Nach einer kurzen Einweisung hieß es auch schon „Leinen los“ mit direktem Kurs zu den ersten Angelspots, um Scholle, Flunder und Co. an die Haken zu bekommen.

Die ersten Fänge ließen auch nicht lange auf sich warten und bei einigen Kindern stellte sich sogar ein bisschen Fangroutine ein. „Ich habe schon wieder einen“, strahlte Milan begeistert, als seine Rutenspitze ein weiteres Mal heftig zitterte. Aber auch alle anderen Kinder waren erfolgreich und auch so manche Dublette fand den Weg an Bord. „Es macht so viel Freude, mit welcher Begeisterung und Spaß die Kinder bei der Sache sind“, erzählt Tim Demski von den Glücksfischern. „Es ist dann auch als Betreuer schon ein richtig schönes Gefühl, gerade wenn man bedenkt, dass die Kinder gesundheitlich schon viel erlebt hatten“, gab sich Demski sichtlich berührt von der Veranstaltung.

Auch Dr. Martin Demmert, Oberarzt in der Abteilung für Kinderonkologie und selbst begeisterter Angler, freut sich auch aus medizinischer Sicht über das Engagement der Glücksfischer: „Gerade die körperliche Erschöpfung und die seelische Ermüdung der Patienten nach einer Krebsbehandlung verlangen positive Nachsorgeerlebnisse, um die Wiederherstellung des Wohlbefindens, aber auch ein großes Stück weit das Gefühl von Normalität zu unterstützen“, erklärt der Mediziner. „Und natürlich freut man sich als Angler immer über den gefangenen Fisch und gerade für die jungen Nachsorgepatienten sind solche Erfolgserlebnisse weitere Meilensteine auf dem Weg zur Normalität“, so Dr. Demmert.

Aber nicht nur Kinder und Betreuer konnten sich über einen tollen Tag in der Lübecker freuen, auch die Eltern waren am Abend beim Blick in die Eimer ihrer Kinder nicht wenig beeindruckt von den Fangerfolgen der Kinder. „Das war richtig toll“, schwärmt Mutter Jenny, „unser Sohn kam so ausgeglichen nach Hause und die Zeit mit den anderen Kindern hat ihm so gutgetan.“ So überrascht es wenig, dass die Kinder die Kuttertour am liebsten bald wiederholen würden.

„Die Veranstaltung war wirklich ein toller Erfolg und für die Glücksfischer auch ein richtiges Herzensprojekt“, freut sich Andreas Hardt, Vorsitzender der Glücksfischer. „Wir freuen uns natürlich, wenn wir die Kooperation mit der Kinderkrebsstation auch im nächsten Jahr fortsetzen können“, so Hardt. Erste Ideen seien bereits vorhanden.
Die Angeltour startete in Travemünde. Fotos: Timo Jacobs/Die Glücksfischer e.V.
Die Angeltour startete in Travemünde. Fotos: Timo Jacobs/Die Glücksfischer e.V.

Text-Nummer: 182051    Autor: Timo Jacobs    vom 20.9.2026 15.43 Uhr

Kommentare zu diesem Text (1):

Pedi

schrieb am 21.9.2026 8.05 Uhr:
Eine wunderbare Idee.
Nachdem der Körper geheilt wurde, muss jetzt noch die Seele viel schönes erleben um zu genesen.