Stadtwald-Demo: 260 Teilnehmer und ein offener Brief
Lübeck: Rund 260 Menschen sind dem „Bündnis Lübecker Stadtwald retten!“ zufolge am Samstag (19.09.2026) in Lübeck für den Schutz der Stadtwälder auf die Straße gegangen. Unter dem Schirm der gemeinsamen Petition mit der Deutschen Umwelthilfe „Finger weg von unseren Stadtwäldern!“ demonstrierten das Bündnis „Lübecker Stadtwald retten!“ und die Bürgerinitiative Kaltenhof aus Bad Schwartau erstmals gemeinsam. „Die Stimmung war vor allem hoffnungsvoll und zuversichtlich“, berichtet das Bündnis.
Für Lübeck: Das Bündnis „Lübecker Stadtwald retten!“ fordert weiterhin die ernsthafte Prüfung der Nordumgehung des Bartelsholzes und eine Trassenführung der geplanten Stromleitung am Lübecker Stadtwald vorbei, statt wertvollen alten Wald zu roden. Nach aktuellem Planungsstand sind für die Stromtrasse rund fünf Hektar Wald betroffen.
Für Bad Schwartau: Die Bürgerinitiative Kaltenhof fordert eine Umfahrung Bad Schwartaus im Zuge der Hinterlandanbindung der festen Fehmarnbeltquerung, statt für den Ausbau der bestehenden Trasse große Teile des ökologisch wertvollen Kuhholzes zu zerstören. Nach Angaben der Initiative wären andernfalls mindestens 4.500 Bäume betroffen.
Peter Wohlleben unterstützt die Waldschützer
Besondere Unterstützung erhielten die Demonstrierenden von Peter Wohlleben. Der bekannte Förster und Bestsellerautor hatte den beiden Bündnissen eine persönliche Videobotschaft für die Demonstration geschickt und sich darin für den Erhalt der bedrohten Wälder ausgesprochen. Die Botschaft wurde im Rahmen der Kundgebung präsentiert. Die Videobotschaft ist auf der Petitionsseite einsehbar unter mitmachen.duh.de/stadtwald.
Auch aus dem Deutschen Bundestag kam Unterstützung für den Einsatz zum Schutz der Stadtwälder. Lorenz Gösta Beutin, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, unterstützte die Anliegen der Initiativen mit einer starken Rede für den Naturschutz.
Offener Brief an den Umweltminister angekündigt
Ein weiterer wichtiger Schritt wurde während der Kundgebung von dem ehemaligen Forstdirektor Dr. Lutz Fähser bekannt gegeben: Noch am Tag der Demo wurde ein offener Brief an die Planfeststellungsbehörde im Umweltministerium Kiel auf den Weg gebracht und von prominenten Persönlichkeiten aus Lübeck unterzeichnet. Damit wollen die Initiativen den politischen Druck für eine ernsthafte Prüfung waldschonender Alternativen weiter erhöhen.
“Finger weg von unseren Stadtwäldern!“
Die Demonstration machte deutlich, dass der Schutz von Stadtwäldern für die Beteiligten weit über die beiden konkreten Projekte hinausgeht. Wälder seien Lebensräume, Klimaschützer, Wasserspeicher und wichtige Erholungsräume und müssten deshalb auch bei großen Infrastrukturprojekten angemessen berücksichtigt werden. „Heute haben wir gezeigt: Wir sind viele, wir sind miteinander vernetzt und wir geben nicht auf!“, so das gemeinsame Fazit der beiden Initiativen.
Protest gegen 380-kV-Trasse: Das fordert der offene Brief
In dem offenen Brief fordern prominente Unterzeichner die Kieler Planfeststellungsbehörde auf, den seit Jahrzehnten ökologisch bewirtschafteten Lübecker Stadtwald vor den Bauplänen des Netzbetreibers Tennet zu bewahren. Für die Trasse einer 380-kV-Hochspannungsleitung sieht der aktuelle Kompromissvorschlag von Tennet vor, 50.000 Quadratmeter Wald abzuholzen und 85 Meter hohe Masten zu errichten, wobei Umwelt- und Artenschutzprüfungen ausbleiben und keine mündliche Anhörung der Betroffenen geplant ist. Die Verfasser des Briefes kritisieren dies angesichts des aktuellen Klimastresses scharf und plädieren nachdrücklich für eine ökonomisch und ökologisch deutlich günstigere Alternativtrasse. Diese sogenannte Nordumgehung würde als gleich lange Strecke über benachbarte Ackerflächen verlaufen und insgesamt nur 1.500 Quadratmeter für die Maststandflächen beanspruchen, wodurch das überragende öffentliche Interesse an der Unversehrtheit des Waldes gesichert bliebe.