Eine Million für Travemünder Toiletten

Lübeck - Travemünde: Öffentliche Toiletten scheinen nach wie vor knapp zu sein in Travemünde. Darauf deuten auch Piktogramme hin, die die Kurverwaltung an die Türen ihrer Bedürfnisanstalten geklebt hat: Darauf wird verboten, sich in den Kabinen umzuziehen. Sie sollen nur für den vorgesehenen Zweck verwendet werden. Immerhin ist Entspannung in Sicht: Eine historische Anlage soll erneuert werden und ein sieben Jahre altes Projekt soll jetzt in die Planung gehen. Für insgesamt eine Million Euro.


Schilder an öffentlichen Toiletten weisen darauf hin, dass die Kabinen nicht zum Umziehen zweckentfremdet werden sollen.

Schilder an öffentlichen Toiletten weisen darauf hin, dass die Kabinen nicht zum Umziehen zweckentfremdet werden sollen.



Im Investitionsplan für das Jahr 2027 finden sich zwei Projekte, die WC-Anlagen betreffen, mit einem Gesamtvolumen von einer Million Euro.

Parkplatz Fischereihafen bekommt endlich ein WC-Häuschen
Der Bürgerschaftsbeschluss stammt aus dem Jahr 2019 und war immer mal wieder Thema, gebaut wurde bislang aber nicht. Es geht um die Errichtung einer öffentlichen Toilette auf dem neuen Parkplatz an der Travemünder Landstraße (Parkplatz Fischereihafen). „Die Zuständigkeit hierfür wurde beim Kurbetrieb Travemünde gesehen“, schreibt der Kurbetrieb in seinem Investitionsplan und erläutert: „Da der Kurbetrieb in dem Bereich über keine geeigneten Flächen des Sondervermögens verfügt, musste mithilfe verschiedener städtischer Bereiche ein Standort gefunden werden.“ Mit der Planung der Anlage kann nunmehr begonnen werden. Für das Projekt sind 400.000 Euro angesetzt.


Mit der Planung einer WC-Anlage für den Parkplatz Fischereihafen soll sieben Jahre nach dem Bürgerschaftsbeschluss begonnen werden.

Mit der Planung einer WC-Anlage für den Parkplatz Fischereihafen soll sieben Jahre nach dem Bürgerschaftsbeschluss begonnen werden.



WC-Anlage am Hundestrand nicht mehr wirtschaftlich
„Die WC-Anlage auf dem Gelände der ehemaligen Seebadeanstalt Mövenstein wurde in den 60er Jahren errichtet und entspricht baulich nicht mehr dem aktuellen Standard“, schreibt der Kurbetrieb. „Ein wirtschaftlicher Betrieb ist nicht mehr gegeben.“ Die Anlage befindet sich direkt am Zugang zum Hundestrand und unteren Bereich des Brodtener Steilufer und ist erstaunlich gut frequentiert. Die Kurverwaltung will die alte Anlage abreißen lassen. Und eine neue Anlage errichten. Vorbild soll das zeitgemäße WC-Häuschen auf der Liegewiese „Grünstrand“ (Kaiserallee) sein, das dort im Vorjahr errichtet wurde. Kostenpunkt: 600.000 Euro.


Nach Vorbild der neuen Anlage auf dem Grünstrand soll auch der Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Seebadeanstalt Mövenstein errichtet werden.

Nach Vorbild der neuen Anlage auf dem Grünstrand soll auch der Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Seebadeanstalt Mövenstein errichtet werden.



Sicherheit: Solaranlage vom Dünenweg-WC kommt weg
Die PV-Anlage, die mit Errichtung der öffentlichen Toilette im Dünenweg 15a im Jahr 2008 in Betrieb genommen wurde, entspricht der Kurverwaltung zufolge nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. 10.000 Euro hatte die Anlage damals gekostet. Ein gutes Geschäft auf dem Dach des Örtchens: Dank Sonnenstrom sollten 1.000 Euro Energiekosten im Jahr eingespart werden, hatte der Kurbetrieb damals kalkuliert. Die Lebenszeit der Anlage war auf 25 Jahre ausgelegt. Das hat nicht ganz geklappt: „Insbesondere aus sicherheitstechnischen Gründen“ sei die Anlage daher zurückzubauen, so die Kurverwaltung jetzt. Die Errichtung einer neuen Anlage soll dafür auf dem Dach des benachbarten „Haus der Retter“ im Dünenweg 15 vorgenommen werden. Die dortige Dachfläche sei für den Betrieb einer derartigen Anlage besser geeignet, so die Kurverwaltung. Die Solaranlage auf dem „Haus der Retter“ soll 75.000 Euro kosten.
Das WC-Häuschen direkt am Zugang zum Hundestrand ist in die Jahre gekommen und soll einem Neubau weichen. Fotos: Helge Normann
Das WC-Häuschen direkt am Zugang zum Hundestrand ist in die Jahre gekommen und soll einem Neubau weichen. Fotos: Helge Normann

Text-Nummer: 182085    Autor: Helge Normann    vom 21.9.2026 18.03 Uhr

Kommentare zu diesem Text (5):

Alex

schrieb am 21.9.2026 19.40 Uhr:
Das "Haus der Retter" sollte vielleicht vorher saniert werden, insbesondere der Keller ist doch eher feucht...

Axel Grohnke

schrieb am 22.9.2026 9.51 Uhr:
Ja, Lübeck und Toiletten. Das in Deutschland die Inflation vorangegangen ist scheint man hier ablesen zu können. 2008 für 10.000 Euro, Heute für 400.000 Euro...... Ich hoffe, es gibt wenigstens noch Musik beim (...).
axelgrohnke@gmail.com

nolli

schrieb am 22.9.2026 10.29 Uhr:
Moin. Toiletten fehlen auch an der Promenade. Tausende Gäste sind im Sommer spazieren oder liegen am Strand. Hundert Meter Warteschlangen an den paar Toilettenkabinen, ganz schlimm. Aber da ändert sich wohl nie etwas.

Kralle

schrieb am 22.9.2026 14.36 Uhr:
"Travemünde: Öffentliche Toiletten scheinen nach wie vor knapp zu sein in Travemünde"

Nein, ganz einfach nicht vorhanden, oder geschlossen. Versuchen Sie mal im Sommer 22:00 Uhr, wenn überall im Süden noch das Leben tobt , irgendwo P**** zu gehen als Prostatagetriebener.

Forget it!

Heinz Fährmann

schrieb am 22.9.2026 16.23 Uhr:
600.000€ für ein kleines Toilettenhaus....was für ein Haus könnte ich dafür bauen oder kaufen....eine Welt die niemand mehr versteht.