Nordische Filmtage: Ehrenpreisträgerin präsentiert das Kino der Sámi

Lübeck: Wie erzählt man in nur fünf Werken die Geschichte einer Filmkultur, die jahrzehntelang kaum sichtbar war und heute internationale Erfolge feiert? Die Ehrenpreisträgerin der 68. Nordischen Filmtage Lübeck, Anne Lajla Utsi, gibt darauf im Rahmen ihres kuratierten Hommage-Programms eine eindrucksvolle Antwort. Es ist zugleich der Auftakt zum diesjährigen Festival-Schwerpunkt „Sápmi“.

Mit einer sehr persönlichen Auswahl von fünf Filmen zeichnet Anne Lajla Utsi, Leiterin des International Sámi Film Institute und diesjährige Ehrenpreisträgerin der Nordischen Filmtage, fast vier Jahrzehnte Filmgeschichte der Sámi nach. Die Hommage ist Teil eines umfassenden Schwerpunkts des Festivals, das vom 4. bis 8. November 2026 in Lübeck stattfindet.

Jeder der ausgewählten Filme markiert einen entscheidenden Wendepunkt im Kino der Sámi. Sie erzählen gemeinsam die Geschichte, wie aus einer lange unterdrückten Erzählkultur eine weltweit anerkannte Filmindustrie herangewachsen ist. „Diese fünf Filme zeigen die Geschichte eines Kinos, das über viele Jahre um Sichtbarkeit kämpfen musste und heute selbstbewusst seine eigenen Geschichten erzählt“, erklärt Anne Lajla Utsi zu ihrer Auswahl.

Auch Hanna Reifgerst, Künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage, betont die Aktualität der Reihe: „Die Hommage ist keine Retrospektive aus nostalgischen Gründen. Anne Lajla Utsis Auswahl blickt nicht nur zurück, sondern lässt das Publikum erfahren, warum das sámi Kino heute relevanter ist denn je.“

Fünf Meilensteine der Filmgeschichte
Den Ausgangspunkt der filmischen Reise bildet der Oscar-nominierte Klassiker „Pathfinder“ (1987) von Nils Gaup, der den internationalen Durchbruch des Sámi-Kinos markierte. Gaup wird bei den Filmtagen in Lübeck auch die Laudatio auf die Ehrenpreisträgerin halten.

Weitere Werke des Programms sind das vielfach ausgezeichnete Drama „Das Mädchen aus dem Norden“ (2016) von Amanda Kernell, „Je'vida“ (2023) von Katja Gauriloff – der erste Spielfilm in der vom Aussterben bedrohten Sprache Skolt-Sámi – sowie der Dokumentarfilm „Rádji“ (2021), der aktuelle Konflikte um Landrechte und Selbstbestimmung thematisiert.

Lübecker Dialog über Restitution
Einen ganz besonderen, lokalen Bezug stellt der Film „Homecoming“ (2023) von Suvi West her. Bereits bei seiner Vorführung im Jahr 2023 kamen die Regisseurin und Dr. Lars Frühsorge, Direktor der Sammlung Kulturen der Welt der Lübecker Museen, über Sámi-Kulturgüter in den Hansestadt-Sammlungen ins Gespräch. Dieser Austausch wird nun vertieft: Am 5. November 2026 findet im Museum für Natur und Umwelt eine offene Diskussionsrunde mit Gästen aus Sápmi statt. Dabei geht es um die aktuellen Entwicklungen bei der Rückführung von Kulturgütern. Der Eintritt zu diesem Gespräch ist frei.

Das gesamte Programm der 68. Nordischen Filmtage, das durch ein Kurzfilmprogramm junger sámi Filmschaffender ergänzt wird, wird am 13. Oktober veröffentlicht.
Die 68. Nordischen Filmtage Lübeck (4. bis 8. November 2026) rücken in diesem Jahr die indigene Filmkultur der Sámi in den Fokus. Foto: Archiv
Die 68. Nordischen Filmtage Lübeck (4. bis 8. November 2026) rücken in diesem Jahr die indigene Filmkultur der Sámi in den Fokus. Foto: Archiv

Text-Nummer: 182108    Autor: Veranstalter/red.    vom 26.9.2026 14.35 Uhr