Goldener Glanz und glänzende Augen am Hauptbahnhof in Lübeck
Lübeck: Am Freitag, 18. September, und Sonntag, 20. September 2026, konnten Lauschende im Lübecker Bahnhof runde, weiche, schwebende Töne hören, die die Musizierenden um Ulrike Mühlhäuser über den Gleisen und in der Eingangshalle in die Luft warfen. Das schöne Bahnhofsgebäude bekam für eine Weile einen musikalischen Anstrich.

Erstaunen, Irritation und Freude
In vielen Gesichtern war Erstaunen zu sehen, das sich nach der ersten Verwunderung meist in ein Lächeln verwandelte. Denn die ungewohnten Klänge, die die Musizierenden verschenkten, ermöglichten einen Moment entspannten Genusses.
Vielfältige Begegnungen
Alt und Jung aus unterschiedlichen Kulturkreisen probierten selbst aus, mit den Klangstäben zu musizieren: eine ältere Dame mit Rollator, eine Gruppe Jugendlicher, drei Frauen auf Rucksacktour, die Männer einer Reisegruppe und der Brezelverkäufer, der ratternd Nachschub durch den Bahnhof schob. Die Leichtigkeit, mit der die vollmundigen Klänge entstanden, war oft Grund zu Staunen und Freude. Manche beteiligten sich sogar mit einer kleinen Tanzeinlage oder sangen eine Liedzeile. Die Klänge und das gemeinsame Musizieren machten aus flüchtigen Begegnungen persönliche Momente und formten für eine Weile eine lebendige, interkulturelle Gemeinschaft.
Sinn
Einige fragten nach dem Sinn der Klänge. Sie ergänzten einerseits die Klanglandschaft des Bahnhofs um etwas Helles, Ruhiges und Überraschendes und veränderten die Atmosphäre. Zugleich waren die Klänge ein Angebot an alle, sich für einen Moment unterbrechen zu lassen, innezuhalten, zu lauschen und zuzuhören.
Vielleicht lauscht der eine oder die andere auch zukünftig mit offenen Ohren am Bahnhof und entdeckt anstelle der glockenartigen Töne die Musik in der quietschenden Klotür – bis die goldenen Töne irgendwann wiederkehren.