Die besten Ideen für Schuppen D

Lübeck: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) hat die besten Entwürfe eines studentischen Ideenwettbewerbs in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Bauwesen, Vertiefung Bauen im Bestand, der Technischen Hochschule zur künftigen Nutzung des historischen Hafenschuppens ausgezeichnet. Den ersten Preis vergab die Jury an den Entwurf von Lilly Voigts, Anna Kaiser und Jasmin Kunst von der Technischen Hochschule Lübeck.



28 Studenten haben im Rahmen eines Semesterprojekts in acht Gruppen Konzepte für den Umbau und die Nachnutzung des nördlichen Teils von Schuppen D, der sich im Eigentum der DSD befindet, entwickelt. Dabei galt es, zu beachten, dass der Umbau nach dem Haus-im-Haus-Prinzip erfolgen soll, und die grundlegende, denkmalgeschützte Hallenarchitektur erhalten bleibt. Schuppen D soll künftig ein Zuhause für die Lübecker Jugendbauhütte sein.

Bisher hat der Standort mit Werkstatt für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege absolvieren, nur provisorischen Charakter. Mit dem Umbau sollen auch Seminar-, Gemeinschafts- und Wohnräume entstehen. Im Rahmen einer Projektwoche im März kamen die Studierenden und die Freiwilligen der Jugendbauhütte Lübeck am Schuppen D zusammen, um erste Ideen gemeinsam zu entwickeln. Die Studierenden konnten praktisch mit dem Bestand arbeiten und das Gebäude und die Umgebung direkt vor Ort kennenlernen und erkunden.



Die Jury überzeugte am Siegerentwurf besonders die Gestaltung des Eingangsbereichs, der den Schuppen in den öffentlichen Raum öffnet und zum Verweilen einlädt. „Die große Treppenanlage mit Sitztreppe ist eine Willkommensgeste, ein wunderbares Zeichen in den öffentlichen Raum. Wir sind sicher, dass die Jugendlichen der Jugendbauhütte das gern nutzen würden“, sagt Architektin und Jurymitglied Nicola Petereit.

Ein weiterer Grund für die Auszeichnung mit dem ersten Preis ist der sensible Umgang mit dem Denkmal. Bereits beim Betreten des Gebäudes sei die besondere Atmosphäre der historischen Halle erfahrbar, so Petereit. Über ein zweigeschossiges Entree eröffnen sich durch zwei Atrien Blickbeziehungen nach Norden und Süden. „Direkt beim Betreten des Schuppens ist die Halle zu erfahren“, so Petereit. Die räumliche Wirkung des ehemaligen Hafenschuppens bleibe damit erhalten und werde auch für künftige Nutzer und Besucher unmittelbar erlebbar.



Den zweiten Preis erhielt der Entwurf der Studenten Svea Bahnsen, Tobias Minck, Janina Müller und Janna Dreyer. Die Jury würdigte insbesondere die neu gestaltete Eingangssituation mit einem vorgelagerten gläsernen Windfang. „Die architektonische Eingangssituation wurde komplett neugestaltet, ist aber trotzdem transparent und das Denkmal an sich, das ist uns auch wichtig, wird nicht verändert. Die Veränderung ist reversibel“, so Marc Hanebutt, Leiter der Abteilung Stiftungseigene Denkmale/Liegenschaften der DSD und ebenfalls Teil der Jury. Die Gestaltung am Eingang setze sich mit zwei weiteren begrünten Glaskörpern fort, die sich behutsam in den Bestand einfügen. Gleichzeitig bleibe die historische Halle weitgehend frei und könne ihre besondere räumliche Wirkung weiterhin entfalten.

Auf den dritten Platz wählte die Jury den Entwurf von Robin Strich, Paul Leidig und Chaima Chahour. Besonders gefiel der Jury der spielerische und unkonventionelle Umgang mit dem Raum. „Hier hat sich die Jugendbauhütte wiedergefunden“, sagt Dr. Ivalu Vesely, Architektin und Leiterin der Jugendbauhütte Lübeck. „Es gibt keine strengen quadratischen oder rechteckigen Formen. Stattdessen wird auch einmal um eine Holzstütze herumgetänzelt oder eine Rutsche eingebaut.“ Die farbenfrohe, freundliche und kreative Gestaltung habe den Charakter der Jugendbauhütte in besonderer Weise aufgegriffen.



Die Entwürfe entstanden in enger Auseinandersetzung mit dem denkmalgeschützten Gebäude und den Anforderungen der Jugendbauhütte. Ziel war es, historische Industriearchitektur zu bewahren und zugleich einen zeitgemäßen Lern-, Arbeits- und Lebensort für junge Menschen zu schaffen.

„Die Freiwilligen der Jugendbauhütte haben uns einen persönlichen Einblick in ihre Arbeit und ihren Alltag gegeben. Dieser Austausch war für die Entwicklung unseres Projekts sehr wertvoll, da unser Entwurf ja gerade einen Ort für die Jugendbauhütte schaffen sollte“, so Janna Dreyer.

Die Ideen der Studierenden sollen in den weiteren Planungen für Schuppen D Beachtung finden. Damit leisten die Arbeiten einen Beitrag für die künftige Entwicklung von Schuppen D.

Die drei prämierten Entwürfe sollen auch auf der Denkmal, die Europäische Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, in Leipzig vom 5. bis 7. November 2026 präsentiert werden. Die DSD und die Jugendbauhütte werden in Halle 2 an den Ständen F40 und F38 vertreten sein und das Projekt Schuppen D auf einer Sonderfläche als Beispiel für die Verbindung von Denkmalpflege, Nachwuchsförderung und innovativer Nachnutzung historischer Bausubstanz vorstellen.

Betreut wurde das Studierendenprojekt von Professor Michael Locher, Studiengangsleiter des Masterstudiengangs Architektur mit Schwerpunktprofessur Bauen im Bestand, und M. A. Jan Oertling vom Fachbereich Bauwesen/Bauen im Bestand. Die achtköpfige Jury setzte sich wie folgte zusammen: Jan Oertling (Vorsitz), Nicola Petereit, Katharina Belchhaus (kommissarische Leiterin des Bereiches Stadtplanung und Bauordnung der Stadt Lübeck), Ivalu Vesely, Annette Liebeskind (Leiterin Abteilung Denkmalförderung der DSD), Marc Hanebutt, Jörg Sellerbeck (Projektgruppe Initiative Hafenschuppen), Professor Dr. Wolfgang Sandberger (Possehl-Stiftung).

Die Lübecker Jugendbauhütte ist eine von bundesweit 16 Jugendbauhütten der DSD in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd). Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 26 Jahren absolvieren in den Jugendbauhütten ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege und lernen traditionelle Handwerkstechniken durch praktische Arbeit, begleitet von Fachanleitern, direkt an historischen Bauwerken kennen.
Wallhalbinsel, Schuppen D, Lübeck - Innenstadt: 1. Platz Entwurf von Jasmin Kunst, Lilly Voigts und Anna Kaiser. Fotos: TH Lübeck
Wallhalbinsel, Schuppen D, Lübeck - Innenstadt: 1. Platz Entwurf von Jasmin Kunst, Lilly Voigts und Anna Kaiser. Fotos: TH Lübeck

Text-Nummer: 182122    Autor: TH Lübeck/red.    vom 23.9.2026 14.31 Uhr

Kommentare zu diesem Text (1):

Ist egal

schrieb am 23.9.2026 14.38 Uhr:
Macht ne vernünftige Boulderhalle draus. Bedarf ist da (Urban Apes Halle ist dreckig, verkommt und ist viel zu voll).