Haushalt: Gewerkschaft warnt vor Personalabbau

Lübeck: Angesichts eines drohenden Rekorddefizits von 162 Millionen Euro für das Jahr 2027 plant die Hansestadt Lübeck weitere Einsparungen. Die Gewerkschaft ver.di warnt nun eindringlich davor, diese Lücke durch einen Stellenstopp und noch mehr Druck auf den öffentlichen Dienst zu schließen. Weil die Aufgaben der Verwaltung stetig wachsen, fordert die Gewerkschaft statt eines Personalabbaus neue Einnahmequellen – etwa durch eine Welterbeabgabe für Touristen –, um eine funktionierende und bürgernahe Stadtverwaltung zu sichern.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di warnt eindringlich vor Personalabbau und Einsparungen im Haushalt 2027 der Hansestadt Lübeck, die zulasten der Beschäftigten im öffentlichen Dienst gehen.

Der Haushaltsplan, den der Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau und die Verwaltung vorgelegt haben, sieht ein Defizit von circa 162 Millionen Euro für das Haushaltsjahr 2027 vor. Die Sparmaßnahmen der Vorjahre sollen fortgeführt werden. Darüber hinaus sind weitere Konsolidierungsmaßnahmen im Umfang von circa 5 Millionen Euro geplant.

Die Mitglieder der ver.di-Betriebsgruppe machen deutlich, dass nicht weiter am Personal und an den Arbeitsbedingungen gespart werden darf. Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Hansestadt Lübeck sind für das Funktionieren des Gemeinwesens in unserer Stadt unverzichtbar. „Wir hoffen, dass sich die Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Selbstverwaltung ihrer Verantwortung sowohl gegenüber den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes als auch gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern bewusst sind und es der Verwaltung ermöglichen, neue Stellen wieder nach Bedarf auszuweisen“.

Die Arbeit wird mehr und die Aufgaben, die zu bewältigen sind, komplexer. Der zusätzliche Personalbedarf der bekanntermaßen beispielsweise beim Gebäudemanagement oder beim Umwelt-,
Natur- und Verbraucherschutz besteht, soll durch die Priorisierung von Aufgaben und Stellenumwidmung gedeckt werden, aber es ist offenkundig, dass das Personal an anderer Stelle fehlen wird oder Leistungen ausgeschrieben und extern vergeben werden müssen. Alle Bürgerinnen und Bürger profitieren von einer handlungsfähigen und bürgerfreundlichen Verwaltung, weshalb der „Stellendeckel“ wieder abgeschafft werden muss.

Marode Schulen, ein ausgedünnter nächtlicher öffentlicher Personennahverkehr, eine überlastete Bauordnung – „Wir sind uns darüber im Klaren, dass die finanzielle Situation der Hansestadt Lübeck angespannt ist, schließlich verwalten wir tagtäglich den Mangel, obgleich etliche Investitionen dringend notwendig sind.“ Hauptursache für das städtische Defizit ist aber keine Misswirtschaft, sondern eine strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen, steigende Sozialausgaben und ein unübersichtliches Angebot an Förderprogrammen in Deutschland. In der Praxis werden Investitionen in die öffentliche Daseinsvorsorge dadurch erschwert. Mittel- bis langfristig bedarf es der strukturellen Reform des Gemeindefinanzsystems.

„Wir begrüßen, dass die Positionen des Haushaltsplans 2027 kritisch geprüft werden, um unnötige Ausgaben zu vermeiden, müssen aber feststellen, dass die Einnahmen im Verhältnis zu den bestehenden gesetzlichen Verpflichtungen auf der Aufgabenseite zu gering sind. Wir befürworten folglich, dass beispielsweise eine sogenannte Welterbeabgabe für Übernachtungsgäste in der Innenstadt eingeführt und die Verkehrsüberwachung an Unfallschwerpunkten ausgeweitet werden sollen. Weitere Konsolidierungsmaßnahmen sind unseres Erachtens zweckmäßig und sinnvoll, um die Einnahmenseite zu stärken. Durch die Einnahmen können wiederum notwendige Investitionen in die öffentliche Daseinsvorsorge zur Entlastung des Personals finanziert werden.

Die Gewerkschaft ver.di spricht sich klar dafür aus, die Vorschläge der Konsolidierungsliste sorgfältig zu prüfen und insbesondere die Auswirkungen auf die städtischen Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen angemessen zu berücksichtigen. Eine bürgerfreundliche und effektive Verwaltung funktioniert nur mit motivierten Beschäftigten. Wer hier spart, spart an der Zukunft Lübecks.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di warnt eindringlich vor Personalabbau und Einsparungen im Haushalt 2027 der Hansestadt Lübeck, die zulasten der Beschäftigten im öffentlichen Dienst gehen. Foto: Archiv
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di warnt eindringlich vor Personalabbau und Einsparungen im Haushalt 2027 der Hansestadt Lübeck, die zulasten der Beschäftigten im öffentlichen Dienst gehen. Foto: Archiv

Text-Nummer: 182128    Autor: ver.di/red.    vom 23.9.2026 13.07 Uhr

Kommentare zu diesem Text (9):

Justin_Time

schrieb am 23.9.2026 14.36 Uhr:
Das die Gewerkschaft genau damit kommt, ist ja klar. Wichtiger ist Bürokratieabbau und durchdachtes, effizientes handeln. Noch mehr Personal brinvr überhaupt nichts, wenn völlig desorientiert gearbeitet wird. Und so wird die Gewerkschaft zum Problem, da sie njr Eindimensional denkt. Die Stadt braucht Hirnpower, nicht Manpower.

Peter

schrieb am 23.9.2026 15.00 Uhr:
das die gewerkschaft immer mehr personal möchte ist klar die verdienen ja bei jedem euro lohn mit der von der stadt bezahlt wird mit , deswegen wollen die doch immer mehr leute und mehr lohn

falscher Hase

schrieb am 23.9.2026 15.59 Uhr:
Wie fast immer liegt Verdi auch hier völlig daneben.
Lübeck kann braucht keinen Personalstop und erst recht keinen Personalaufwuchs sondern im Gegenteil einen Personalabbau. Personal ist mehr als genug vorhanden, allerdings z.B. in Lübecks Verwaltung mit durchschnittlich 36 'krankheitsbedingten' Fehltagen pro Jahr massivst nicht im Einsatz.
Hier sollte direkt angesetzt werden und ein ärztliches Attest ab dem 1. Fehltag verlangt werden, wie es in vielen Betrieben schon immer üblich ist und ca 10% mehr Personal wäre ohne weitere Kosten sofort verfügbar. So wie es jetzt gehandhabt wird, kann jeder in der Verwaltung jede Woche 3 Tage ohne Attest wegbleiben und davon scheint angesichts der extremen Fehltage reichlich Gebrauch gemacht zu werden.

Troll Hunter

schrieb am 23.9.2026 17.53 Uhr:
@ falscher Hase

Diese Regeln die du vorschlägst, würdest du auch leben wollen….. eher nicht lieber die anderen ist klar 😝

Karin

schrieb am 23.9.2026 19.13 Uhr:
Die Kosten der Verwaltungsgebäude könnten enorm reduziert werden durch Home-Office-Möglichkeiten für die Mitarbeiter!

falscher Hase

schrieb am 23.9.2026 20.18 Uhr:
@trollhunter:
Vielen Dank für deine falsche Unterstellung, jeder halt wie er kann...
Selbstverständlich gilt die Sofort Attest Regel auch für mich, auch schon sehr lange, so wie für alle Arbeitnehmer in der Firma, in der ich arbeite. Die Firma macht im übrigen seit sehr vielen Jahren Gewinn, würde sie so fatal "wirtschaften" wie HL mit dem entsprechenden Krankenstand , wäre sie nach 3 Monaten Existenz Pleite gewesen.

Troll Hunter

schrieb am 24.9.2026 8.31 Uhr:
@ falscher Hase:

Oh, ach so! Na, da muss ich mich aber schleunigst in den Staub werfen und um Vergebung bitten. Wie konnte ich auch nur zweifeln?
Es ist schließlich allgemein bekannt, dass der Erfolg deines DAX-Konzerns-in-spe einzig und allein auf der heiligen Sofort-Attest-Pflicht fußt. Da arbeiten offensichtlich nur unzerstörbare Superhelden, die beim ersten Hüsteln direkt zum Arzt schweben, um den Laden vor dem sicheren Ruin zu bewahren. Wirkliche Spitzenökonomie zeichnet sich schließlich dadurch aus, dass man kranken Mitarbeitern erst mal eine bürokratische Schnitzeljagd aufbrummt – das treibt die Gewinne bekanntlich in astronomische Höhen!
Gegen diese geballte betriebswirtschaftliche Expertise wirkt jede andere Firma natürlich wie ein Haufen blutiger Anfänger, der sein Geld verbrennt. Danke für diese erleuchtende Lektion in moderner Unternehmensführung – ich gehe dann mal mein Verständnis von Wirtschaft komplett neu aufbauen!

Lübecker

schrieb am 24.9.2026 8.56 Uhr:
Um mit dem vorhandenen Personal effizient und produktiv zu arbeiten zu können, sollte mal drüber nachgedacht werden, das Homeoffice einzuschränken. Ich habe in der Nachbarschaft einige städtische Angestellte. Wie die ihre Homeofficetage verbringen, so möchte ich mal meinen Urlaub verbringen.

Troll Hunter

schrieb am 24.9.2026 12.40 Uhr:
@ Lübecker

Interessant. Vielleicht arbeiten Ihre Nachbarn heimlich nachts, liefern hervorragende Ergebnisse und nutzen ihre Pausen nur effizienter. Oder wir gründen eine neue Disziplin: „Arbeitszeiterfassung durch Beobachtung über den Gartenzaun“.

Bevor du spekulierst : Nein ich arbeite nicht im öffentlichen Dienst : )