Kristallmagie im Museum für Natur und Umwelt

Lübeck: Ab Freitag, 2. Oktober 2026, lädt das Lübecker Museum für Natur und Umwelt in die Sonderausstellung „Kristallmagie – Verborgener Zauber dunkler Turmaline“ ein. Bis 30. Mai 2027 zeigt sie, was im Inneren scheinbar pechschwarzer Turmaline verborgen liegt. Die oft in Mittelgebirgen vorkommenden Steine zeigen, dünn geschnitten und poliert, leuchtende Farben, Muster und landschaftsähnliche Strukturen.



Dunkle Schörl-Turmaline wirken unscheinbar – hauchdünn geschliffen offenbaren sie Farbzonen, die Wachstum, Einschlüsse, Brüche und Heilungsprozesse dokumentieren. Wissenschaft und Ästhetik treffen sich: Die Bilder erzählen die Entstehungsgeschichte der Kristalle.



Kurator ist der Chemiker, Sammler und Fotograf Dr. Paul Rustemeyer. Ein Highlight ist eine über zwei Meter große Lichtskulptur. Die Stücke stammen aus aller Welt – Italien, Namibia, Brasilien, Afghanistan – und aus deutschen Fundorten wie Erzgebirge, Schwarzwald und Harz. Medien- und Mitmachstationen laden zum eigenen Entdecken ein. Die Schau wird von der Possehl-Stiftung und dem Förderverein ermöglicht.

Eröffnung

Donnerstag, 1. Oktober, 18 Uhr, mit Vortrag des Kurators (kostenfrei). Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen und Workshops (eigene Kristallscheiben) auf der Museumshomepage.


Workshops

Am 20., 21. und 22. Oktober können Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 16 Jahren selbst Turmaline schleifen. Die Teilnahme kostet für Kinder sieben Euro inklusive Material und für begleitende Erwachsene sieben Euro zuzüglich Eintritt und Material. Anmeldungen erfolgen unter 0451/122-2296.

Hintergrund

Bereits seit Jahrtausenden faszinieren Mineralien und Kristalle. Turmaline sind eine Gruppe von Mineralien, die in zahlreichen Formen und Farbvarianten vorkommen. Da es sie in nahezu allen Farben des Spektrums gibt, werden sie auch als „Edelsteine des Regenbogens“ bezeichnet. Die bunten Varianten – wie der rote Rubellit, der grüne Verdelith oder der blaue Indigolith – sind schon seit Jahrhunderten als Sammlungsobjekte und Schmucksteine sehr beliebt. Erst vor einigen Jahren wurde entdeckt, dass auch die häufig vorkommenden Kristalle der schwarzen Turmalinart „Schörl“ Farben im Inneren verbergen. Mithilfe der Mikrofotografie gelang es dem Chemiker und Kurator der Ausstellung, Dr. Paul Rustemeyer, die beeindruckenden Kristallbilder der Dünnschliffe einzufangen und mineralogisch zu interpretieren. Dabei gleicht kein Kristall dem anderen. Für Dr. Rustemeyer liegt gerade darin der besondere Reiz der Ausstellung: „Es ist jedes Mal ein magischer Moment, wenn eine schwarze Kristallscheibe beim Schleifen immer transparenter und farbiger wird und dann ihre einzigartigen Strukturen zu erkennen gibt.“ Die hinterleuchteten Dünnschliffe und großformatigen Mikrofotografien verleihen der Ausstellung eine besondere Atmosphäre und machen zugleich die wissenschaftlichen Erkenntnisse sichtbar, die in ihrem Inneren verborgen liegen. Diese farbenprächtigen Strukturen im Inneren entstehen während des Kristallwachstums, wenn sich die Bedingungen in der Umgebung des Kristalls verändern. Dabei erlauben es viele der neu entdeckten Strukturen, die Ereignisse während des Wachstums nachzuvollziehen. So lassen sich auf den Kristallbildern unter anderem Einschlüsse und Störungen durch andere Mineralien, Bruchereignisse, natürliche Korrosionsprozesse und anschließende Verheilungsprozesse erkennen.
Die Ausstellung zeigt über 400 Kristalle, mehr als 1000 hinterleuchtete Dünnschliffe und großformatige Mikrofotografien. Fotos: JW
Die Ausstellung zeigt über 400 Kristalle, mehr als 1000 hinterleuchtete Dünnschliffe und großformatige Mikrofotografien. Fotos: JW

Text-Nummer: 182301    Autor: JW    vom 30.9.2026 15.02 Uhr