Forum der Migranten würdigt die Geschichte der reformierten Kirche

Lübeck - Innenstadt: Das Forum der Migrantinnen und Migranten in der Hansestadt Lübeck setzt seinen Dialog mit Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Akteuren fort. Im Rahmen der Finissage der Ausstellung „Lübeck 1826. Wie die reformierte Kirche in die Königstraße kam“, nahm der Beauftragte des Forums für interkulturelles und interreligiöses Zusammenleben sowie gegen Antisemitismus, Spyridon Aslanidis, an der Abschlussveranstaltung der Evangelisch-reformierten Gemeinde teil.

Der Vorsitzende des Forums, Aydin Candan, betonte die Bedeutung solcher Begegnungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Nach dem Beschluss des aktualisierten Integrationskonzepts wollen wir als Forum offener, aktiver und präsenter sein. Der direkte Austausch mit Religionsgemeinschaften, Vereinen und zivilgesellschaftlichen Initiativen hilft, Vorurteile abzubauen und das friedliche Zusammenleben in unserer Hansestadt zu stärken.“

Die Kuratoren Karsten Büttner, Jan Lokers und Thomas Schmittinger blickten gemeinsam mit den Gästen auf das Projekt zurück: Historisch bedeutsam ist die reformierte Gemeinde auch im Zusammenhang mit den Fragen von Gleichberechtigung und Teilhabe. 1812 erlaubte Napoleon sowohl der reformierten als auch der jüdischen Gemeinde erstmals den Erwerb eines Grundstücks in der Lübecker Innenstadt. „Das war nach langer Diskriminierung ein wichtiger Schritt zu mehr Gleichberechtigung. Die Entwicklungen danach zeigen, wie Teilhabe, Anerkennung und gesellschaftliche Akzeptanz miteinander verbunden sind“, erklärt Aslanidis.

Die Architektur der Kirche ist im frühklassizistischen Stil. Der Innenraum mit zehn Säulen im dorischen Stil erinnert an ein antikes Theater. Beeindruckt war Aslanidis auch von der historischen Bibliothek der Gemeinde in einem Gespräch mit Holger Prescher von der Gemeinde. Diese geht auf den reformierten Pastor und Universalgelehrten Otto Friedrich Butendach zurück, der im 18. Jahrhundert als Prediger und Mitbegründer der „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit“ wirkte.

Der Vertreter des Forums nahm auch an der traditionellen Gesprächsrunde nach dem Gottesdienst teil. „Ich habe hier wieder eine lebendige Dialogkultur erlebt. Offenheit, respektvolles Zuhören und Austausch stärken unsere demokratische Gesellschaft und bauen Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Weltanschauung“, sagt er. Das Forum der Migrantinnen und Migranten engagiert sich gegen Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus und sonstige Diskriminierung und setzt sich für Dialog, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Es würdigt den Beitrag der Evangelisch-reformierten Gemeinde zum demokratischen und kulturellen Leben Lübecks und gratuliert zu 200 Jahren Präsenz in der Lübecker Innenstadt.
Das Forum besuchte die Finissage der Ausstellung. Foto: Forum
Das Forum besuchte die Finissage der Ausstellung. Foto: Forum

Text-Nummer: 182319    Autor: Forum/red.    vom 1.10.2026 11.02 Uhr