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Freitag,
der 30. September 2016






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24.02.2016 15.13


Ausstellung in Petri und bei Overbeck: Ein Schotte aus Berlin

Eine Premiere an zwei Orten wird am kommenden Sonntag gefeiert. Zum ersten Mal präsentieren die Overbeck-Gesellschaft und das Kuratorium St. Petri als Kooperationspartner eine gemeinsame Ausstellung. Andrew Gilbert, ein Schotte aus Berlin, ist im Pavillon in den Bürgergärten und in St. Petri mit einer umfangreichen Werkschau zu Gast. Beim Aufbau am Mittwoch gab es erste Einblicke.


Pastor Dr. Bernd Schwarze, Dr. Oliver Zybok, Direktor der Overbeck-Gesellschaft, und der Künstler Andrew Gilbert stellten die Ausstellung am Mittwoch vor.

Andrew Gilbert, 1980 in Edinburgh geboren, seit längerem in Berlin tätig, ist zur Zeit international gefragt. In der Galerie Tate Britain in London ist er, zum Beispiel, an einer Gemeinschaftsschau beteiligt. So ausführlich wie in Lübeck war er als Einzelkünstler wohl noch nie zu sehen. Bunte Bilder fangen den Blick bei der Overbeck-Gesellschaft ein. Soldaten in Paradeuniformen, schwarze Krieger mit Masken und einfachen Waffen, Schlachtenszenen sind dargestellt. Der erste Blick reicht nicht. Wer genauer hinschaut, entdeckt, dass Andrew Gilbert Fragen stellt und auch anklagt.

Irgendwo findet man in seiner Malerei Verfremdungen, die aber bewusst den Bezug zur Gegenwart herstellen. Die Bilder haben die Geschichte als Hintergrund. Als Kind schon kam er nicht über die Kriegsfilme hinweg, die es sonntags im englischen Fernsehen zu sehen gab. Das Schicksal der Zulus in Südafrika beschäftigte ihn. Sein künstlerisches Thema war und ist die Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte; nicht nur Großbritanniens, sondern auch der Deutschen oder Italiener. Überall sieht und zieht Gilbert Parallelen zur Gegenwart. Überall prangert er Gewalt an.


Die Krieger werden bis Sonntag zur Prozessionsstraße aufgebaut.

Die Zulus und andere Volksstämme Afrikas wurden von den Europäern als primitiv, unterentwickelt abgestempelt, während die Kolonialmächte sich im Besitz höherer Werte von Zivilisation, Demokratie und Kultur wähnten. Ist das heute anders? fragt Gilbert und erinnert daran, was im Irak, in Nordafrika, Syrien oder Afghanistan geschah oder geschieht. Im Irak hätten George Bush und Tony Blair ihren Krieg auf einer Lüge aufgebaut. Eigentlich ein Fall fürs Tribunal, meint der Schotte, der gut deutsch spricht. Viele innerafrikanische Konflikte hätten ihre Ursachen in der willkürlichen Grenzziehung durch die Kolonialmächte. "Das passierte nicht nur damals, sondern auch am Ende des 20. Jahrhunderts im ehemaligen Jugoslawien."

Andrew Gilbert malt nicht nur. Installationen kann man in der Königstraße, vor allem aber in St. Petri sehen. Eine Prozessionsstraße wird hier vom Eingang zum Altar führen. Die Uniformen der Soldaten stammen aus Deutschland Ost und West, auf Flohmärkten in Berlin erstanden. Sie wurden britisch-rot übermalt. Auf dem christlichen Altar stehen Zutaten der Zulu-Kulte. Religiöse Mischungen gab es zu allen Zeiten, sagt Pastor Dr. Bernd Schwarze dazu.

Nicht nur Afrikas Geschichte ist als Hintergrund der Arbeiten auszumachen. Auch Großbritannien ist zu erkennen. Urahnen des Künstlers gehörten zum berühmten Clan der McDonalds. Sie nahmen 1746 an der letzten Schlacht der freien Schotten gegen die Engländer teil. Die Schlacht bei Culladon ging für die Schotten verloren. Seither wird Schottland von London aus regiert. Auch die Engländer stempelten seinerzeit die Schotten als primitiv ab: "Sie sprechen noch nicht einmal Englisch!" Ihre Sprache, das Gälische wurde verboten. Ebenso der Dudelsack, der ein Kriegsinstrument war und der für die Touristen wieder auferstand.

An der Gegenwart – und darauf nimmt der Ausstellungstitel "Ulundi is Jerusalem, Andrew ist Emperor, Brocoli is holy" Bezug – kritisiert Andrew Gilbert, dass wir "von einer Schrottkultur überzogen werden". Wertloses Zeug wird hochstilisiert und den Menschen angepriesen. Brocoli (hier bewusst mit einem c geschrieben) steht als Beispiel für Angebote in Supermärkten, die Lebensmittel vom Ende der Welt regionalen Produkten vorziehen. "Ulundi" – auch aus dem Titel – war die heilige Stadt der Zulus, so, wie Jerusalem heilige Stadt für mehrere Religionen ist. Mit Andrew als Kaiser – nochmal aus dem Titel – wäre sicher manches anders.

Die Ausstellung wird am kommenden Sonntag um 15.30 Uhr in St. Petri und um 17 Uhr im Overbeck-Pavillon (Zugang durch die Bürgergärten) eröffnet. Dieter Witasik, Vorsitzender der Overbeck-Gesellschaft, und Pastor Dr. Bernd Schwarze begrüßen. Dr. Oliver Zybok, Direktor der Overbeck-Gesellschaft, gibt eine Einführung. Die Arbeiten bleiben bis 17. April in Lübeck.

Autor: TD

Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.


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