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+++ HL-live.de - Archiv +++01.04.2006 19.57
Demos und Krawalle in Lübeck: Bilanz der PolizeiAm 1.4.06 demonstrierten ca. 3000 Teilnehmer gegen einen aus dem rechten Spektrum angemeldeten Gedenkmarsch, an dem 200 Personen teilnahmen. Das auf die konsequente Trennung der Teilnehmer beider Demonstrationen angelegte Einsatzkonzept der Polizei wurde erfolgreich umgesetzt. Das teilte am Samstagabend die Polizei Lübeck mit.
Das Lübecker Bündnis gegen Rassismus hatte zu einer Demonstration aufgerufen, an der ab 10.00 Uhr ca. 3000 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Neben ca. 1500 Menschen, die sich zum bürgerlichen Protest gegen den rechten Aufzug versammelt hatten, waren auch 1500 potentiell gewaltbereite Angehöriger linker Gruppierungen vor Ort. Im Vorfeld hatte die Polizei bereits ein Steindepot an der Drehbrücke gefunden.
Nachdem die Teilnehmer der Gegendemonstration friedlich auf der vorgesehenen Marschroute durch die Innenstadt marschiert waren, endete der Aufzug im Bereich der Holstenbrücke. Diese Brücke lag auf der geplanten Route des rechten Spektrums. Dort erklärte der Leiter die Demonstration um 12:15 Uhr für beendet.
Während ein Teil der Teilnehmer das Gelände verließ, blieben über 1000 Personen auf der Brücke und begannen eine Sitzblockade. Die Polizeiführung entschied sich aus Gründen der Verhältnismäßigkeit gegen eine Räumung der Brücke. Dem rechten Aufzug, der um 13.20 am Bahnhof begonnen hatte, wurde in Abstimmung von Polizei und Ordnungsbehörde eine Änderung des Marschweges über die Possehl- und Wallstraße in Richtung Dom auferlegt. So wurde der Kontakt zwischen dem rechten Spektrum und den Gegendemonstranten verhindert.
Nachdem es gewaltbereiten Kleingruppen nicht gelang, in die Nähe des rechten Aufzuges zu gelangen, entlud sich deren Gewaltbereitschaft in der Innenstadt. Aus Gruppen von 50 bis 200 Personen heraus wurden Steine auf die Polizei geworfen, Blumenkübel als Sperre auf die Straße gerückt, ein Palisadenzaun, Mülleimer, einige PKW und Verkehrsschilder beschädigt. Zwei Papiercontainer wurden in Brand gesteckt. In der Straße Musterbahn wurde eine Passantin durch einen Steinwurf von Demonstranten am Kopf verletzt. Polizeibeamte wurden mit Steinwürfen und Eisenstangen angegriffen.
Durch sehr schnelles und flexibles Verschieben von Polizeikräften in der Innenstadt gelang es aber, diese Ausschreitungen in kürzester Zeit zu unterbinden. Vier Polizeibeamte wurden leicht verletzt, zwei durch Steinwürfe. In der Bilanz waren 36 Festnahmen und zwei Gewahrsamnahmen zu verzeichnen.
Gegen 16:45 Uhr versuchten ca. 300 Angehörigen des linken Spektrums noch einmal an den rechten Aufzug zu gelangen, wurden aber von der Polizei aufgehalten. Während der Veranstaltungen kam es - wie erwartet - kurzzeitig zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, zumal zeitgleich an der Lohmühle das Fußballspiel zwischen dem VfB Lübeck und Oberhausen ausgetragen wurde.
Mit der Abfahrt der rechten Demonstrationsteilnehmer kurz nach 17.00 Uhr mit der Bahn trat schnell Ruhe ein. Insgesamt befanden sich 1150 Polizeibeamte im Einsatz. Autor: Polizei Lübeck Aus rechtlichen Gründen können wir Bilder nicht mehr zur Verfügung stellen.
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