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06.05.2007 19.11


Elektronische Insekten nisten in den MediaDocks

Wer das Treppenhaus 1 der Media Docks betritt, fühlt sich wie in einer Zoohandlung der Zukunft. Eigenartige Insekten mit Mikrochips leben in Glasvitrinen. Besucher können sich die Ausstellung jeden Tag ansehen. Der Eintritt ist frei.



Aus den Vitrinen, die an Terrarien einer Zoohandlung erinnern, funkeln dem Beobachter grell-grüne und leuchtend-rote Dioden-Augenpaare entgegen. Eine Heuschrecke mit metallenen Sprungbeinen registriert jede Annährung und quittiert diese mit dem Farbwechsel ihres Displaypanzers, ähnliche der Tarntechnik eines Chamäleons. An einem Stein im Wüstensand hat sich ein elektronischer Skorpion niedergelassen, dessen Helligkeitssensor allzu aufdringliche Kunstfreunde misst und diese mit dem Klappern seiner Scheren aus Festplattenmotoren auf Distanz hält.

Schüler des Carl-Jacob-Burckhard-Gymnasiums haben im Rahmen einer ungewöhnlichen Kooperation mit dem Institut für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS) der Universität zu Lübeck die elektronischen Insekten erschaffen und interaktiv programmiert. Das Projekt "EEvon - Electronic Evolution" schlägt dabei eine interdisziplinäre Brücke zwischen dem Kunst- und Informatikunterricht. Hintergrund des Projekts ist eine Studienarbeit von IMIS-Student Christian Tille, der eine Lern-DVD für Pädagogen entwickelt. Diese soll Lehrern die Einsatzmöglichkeiten von programmierbaren Mikrocontrolern im Unterricht vermitteln.

"Es geht bei EEvon darum, dass die jungen Leute nicht nur ein technisches System bedienen können, sondern auch ein Gefühl dafür entwickeln, wie Technologien die Welt und auch deren künstlerische Darstellung verändern", erklärt Prof. Dr. Michael Herczeg vom IMIS und verweist auf die rasante Entwicklung digitaler "Intelligenz". So verarbeiteten im vergangenen Jahr die Computer dieser Welt mahr als 1,5 Exabytes neue Informationen. Das ist mehr als die Leistung der Menschheit in den vergangenen 5000 Jahren. Noch beeindruckender ist die Zukunftsprognose. "Technische Informationen werden sich in den nächsten 20 Jahren alle zwei Jahre verdoppeln", so Professor Herczeg. "Zudem verdreifacht sich alle sechs Monate die Geschwindigkeit der weltweiten Datenübertragung". Geht diese exponentielle Entwicklung wie angenommen weiter, dürfte im Jahr 2049 ein 700 Euro teurer Computer das Rechenvermögen der Hirne aller Menschen überflügeln.

Die Ausstellung der medienkünstlerischen Arbeiten findet zum fünfjährigen Bestehen der Media Docks statt. "Fünf Jahre sind in unserer Informationsgesellschaft, in der Medienunternehmen in Quartalszahlen planen und rechnen, ein langer Zeitraum", sagte Dr. Bert Janfeld als Leiter der Media Docks. "Gerade der interdisziplinäre Ansatz, das Nebeneinander von Forschung und Wirtschaft , von Visionen und Pragmatismus ist das, was das Wirken der Media Docks seit 2002 ausgemacht."

Neben dem IMIS - das zu den Gründungsvätern der Media Docks gehörte, vor zwei Jahren aber wieder aus dem Gebäude an der Wallhalbinsel auszog - sorgen die International School of New Media (ISNM) und die Hanseatische Akademie der Medien Lübeck (HAML) für eine innovative Medienausbildung in den Media Docks, die weit über die Grenzen Lübecks hohes Ansehen geniesst.

Die Ausstellung "EEvon - Electronic Evolution" ist im Treppenhaus 1 der Media Docks tagsüber zu sehen. Die Exponate sollen als Dauerausstellung in den Media Docks verbleiben.

Autor: Carsten Neff/red.

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