Etwa 150 Interessierte kamen am Wochenende zur dritten Bürgerversammlung der BI behutsame Priwallentwicklung e.V. (BiP) auf dem Priwall zusammen. Gemeinsam mit vier Referenten gingen die Bürger der Frage nach: Wie soll der Priwall in zehn Jahren aussehen?
Dr. Dirk Schubert von der HafenCity Universität Hamburg, ein ausgewiesener Kenner von Waterfront – Projekten, verdeutlichte in seiner Impuls-Präsentation dann auch die großen Veränderungen, die solche Projekte für die Einwohner mit sich bringen und plädierte für deutlich kleinere Lösungen. Gute Erfahrungen gebe es bei den Projekten, die mit den Menschen vor Ort realisiert werden und die im Einklang mit der vorhandenen Struktur aufgebaut werden. Dann könne es echte Win-Win Situationen geben, die sowohl für die Bürger, als auch für den Investor von Vorteil sind. Dr. Schubert unterstützt gemeinsam mit Studenten seines Fachbereichs die BiP bei der Entwicklung eigener Modelle.
Sven Schindler, Vorsitzender des Bauausschusses der Hansestadt, stellte im Anschluss die gegenwärtige Situation des geplanten Waterfront-Projekts dar. Nach einem Gespräch am 13. Februar in der Bauverwaltung sei, auch aufgrund des öffentlichen Drucks auf dem Priwall beschlossen worden, den Wald an der Mecklenburger Landstrasse nicht anzutasten und die Bauhöhe zu verändern. Herr Hollesen habe nun drei Monate Zeit seine Pläne, die er ja schon im Januar auf dem Priwall vorstellen wollte, zu überarbeiten und zu konkretisieren. Es gebe eine spürbare Skepsis, die viele Lübecker Bürgerschaftsabgeordnete gegenüber dem Investor Hollesen und seinen bisherigen Vorüberlegungen für ein angedachtes Waterfront-Projekt hätten. "Dennoch wird das Waterfront-Projekt zur Zeit grundsätzlich unterstützt", so Sven Schindler. "Der Erhalt des Waldes ist ein großer Erfolg der Priwaller", so Eckhard Erdmann von der BiP, "und ein erster Schritt in die richtige Richtung."
Mathias Beyer von der touristischen Beratungsfirma mascontour aus Berlin ging in seinem Beitrag dann sehr detailliert auf die Situation des Tourismus in Schleswig–Holstein im Allgemeinen und auf die in Travemünde im Besonderen ein. Zunächst wurde von ihm, wie von vielen anderen Fachleuten auch, eine Bedarfsanalyse oder andere nachvollziehbare Planungsgrundlagen gefordert. Das geplante Waterfront-Projekt habe aus seiner Sicht "nichts mit Tourismus zu tun, es handelt sich bisher um ein Immobiliengeschäft". Wirkliche touristische Planung würde Zielgruppen ins Auge fassen die zum Priwall passen, erklärte Mathias Beyer und skizzierte auch gleich, um welche es sich handeln könnte (u.a. sanfter Tourismus). Mathias Beyer berät die BiP bei der Entwicklung des Leitbildes.
Prof. Dr. Klaus Dierßen, Leiter der Fachabteilung Geobotanik der Universität Kiel, beleuchtete die Situation auf dem Priwall aus ökologischer Sicht. Für ihn sei klar, der Priwall soll Teil des Landschaftsparks Traveförde werden und die touristische Planung müsse dies mit einbeziehen. Würde dieses nicht gemacht und die Natur weiter zerstört, führe dies auf lange Sicht auch zu mehr Kosten – die dann von der nächsten Generation bezahlt werden müssten. Mit viel Applaus wurde die Forderung Professor Dierßens nach einem "ökologischen Masterplan" für den Priwall bedacht. Professor Dierßen berät die BiP bei der Erstellung des Leitbildes.
Eckhard Erdmann von der BiP fasst die Diskussion so zusammen: "Die Referenten, die Bürger und wir sind uns wohl einig: Ein sehr informativer und erhellender Abend – der mehr Fragen bezüglich des angedachten Waterfront-Projekts aufwirft, als Antworten gibt. Wir freuen uns sehr über die fundierte fachliche Unterstützung, die bereits jetzt mehr Substanz hat, als die Planung, die wir von Seiten Herrn Hollesens und der Stadtverwaltung kennen", so Erdmann etwas polemisch weiter.
Die BiP bereitet nun einen Workshop vor, bei dem der Leitbildentwurf mit den Priwallern bearbeitet und diskutiert werden wird. Dieser wird am Samstag, den 7. März, in der Zeit von 11 bis 16 Uhr im Haus der Naturfreunde, Mecklenburger Landstrasse 128 stattfinden. Da nur eine begrenzte Teilnehmerzahl möglich ist, bittet die BiP um Voranmeldung unter 04502/5340.
Autor: BiP/red.
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