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HL-live.de

Sonnabend,
der 15. Dezember 2018






Theater stiller Wahnsinn: Sechs Einakter auf einen Streich

Man lernt nie aus. Auch wer meint, sich einigermaßen in der Literatur auszukennen, bekommt Lektüre-Anregungen, und zwar bei der neuen Produktion des "theater stiller wahnsinn Lübeck". In der Kulturrösterei gab es am Sonntag sogar eine Matinee.

"Alles Timing" heißt die Folge von sechs Einaktern, die Manfred Upnmoor und sein Team in der Kulturrösterei, Wahmstraße 43-45, anbieten. Autor der skurrilen wortmächtigen kurzen Komödien oder Satiren ist der Amerikaner David Ives, 1950 in Chicago geboren. Er scheint Zeit seines Lebens Literatur verschlungen zu haben, um aus dieser Kenntnis Wort-Jonglagen zu erstellen.

"All in the Timing" heißt die Szenenfolge im Original. Anna Opel hat eine sehr gute Übertragung ins Deutsche zustanden gebracht. Viel Wissenswertes ist im Programmheft zu den sechs Stücken zu finden: Hinweise, Erläuterungen. Man muss das nicht alles vorher wissen, um Spaß an der Wort-Akrobatik zu haben. Aber wie üblich: Je mehr man weiß, desto besser versteht man Anspielungen oder versteckte Pointen.

Das muntere Spiel auf dem Podium der Kulturrösterei beginnt mit "Sure Thing" oder im Deutschen "Klar doch!". Hier wird auf den amerikanischen Schriftsteller William Faulkner angespielt. Zufallsbekannte in einer Kneipe liefern sich am Freitagabend einen durch Wortwiederholungen und Akzentverschiebungen gebildeten Schlagabtausch. Unendlich viele Möglichkeiten der Entwicklung der Beziehung von Betty und Bill werden durchgespielt.

Skurril wird es im zweiten Sketch. Ein Mitarbeiter im Zoo will seine These untermauern, dass Menschenaffen, denen man beibringt, mit einer Schreibmaschine umzugehen, irgendwann vielleicht einen neuen Hamlet schreiben. Tierisch-menschlich bewegen sich die Primaten, die dann sogar die Wissenschaftler austricksen.

Esperanto hat sich als Weltsprache nicht durchgesetzt. Bei David Ives kann man Unamunda lernen, die neue universelle Sprache. Wissen sollte man schon, wer Philip Glass ist, wenn man Feinheiten der Szene Nr. 4 verstehen will. "Philip Glass kauft einen Laib Brot" heißt die Überschrift des Einakters, in dem die Figuren nach dem Kompositionsprinzips des musikalischen Minimalisten kommunizieren.

Recht amerikanisch geht es weiter. Das "Philadelphia-Syndrom" nimmt Sitten, Gewohnheiten amerikanischer Städte aufs Korn. Im Schlussbild wird es farbig. 1940 wurde im mexikanischen Exil der Kommunistenführer Leo Trotzki ermordet. Über die letzten Stunden des russischen Revolutionärs hat sich wohl noch niemand derart detaillierte Gedanken gemacht wie David Ives.

Das Darstellerquintett mit Manfred Upnmoor, Daniela Schindler, Nadine Studier, Jörn Heinemeier und Lars Alexander Koch spielt die Szenen mit großer Hingabe. Dass, zum Beispiel, die neue Weltsprache auch dem Publikum verständlich wird, dass rund um Philip Glass die chorischen Gespräche stimmen, das zeugt von guter Vorbereitung. Dem Publikum machten die Einakter ausgesprochen Spaß. Die nächsten Vorstellungen sind am 14. und 15. Dezember in der Kulturrösterei, Beginn jeweils 20 Uhr.

Das Ensemble vom theater stiller wahnsinn spielt Einakter von David Ives.

Das Ensemble vom theater stiller wahnsinn spielt Einakter von David Ives.


Text-Nummer: 126568   Autor: TD   vom 02.12.2018 18.10

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