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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Mittwoch,
der 13. November 2019






Lübeck:

Neu im Theater: Tonio Kröger von und mit Thomas Mann

Romane von Thomas Mann sind in Lübeck schon einige Male für die Bühne bearbeitet worden, aufgeführt, wie im Theater üblich, mit verteilten festen Rollen. Im Studio der Kammerspiele geht Regisseurin Catrin Mosler in ihrer ersten eigenen Regiearbeit einen anderen Weg. Sie bietet eine Szenenfolge nach Thomas Manns Novelle "Tonio Kröger", verteilt auf die beiden Darsteller Jan Byl und Will Workman. Bei der Premiere am Freitagabend war das Publikum begeistert.



"Tonio Kröger" ist eine frühe Novelle des Dichters aus Lübeck. In ihr verarbeitet er seine eigene Kindheit und Jugend. Auf der Szene, im Bühnenbild von Nicole Zielke, ist die Fassade des Buddenbrookhauses zu sehen. Später werden auf einem drehbaren Podest Zimmer in München oder Dänemark, ein Schiff auf hoher See und anderes herbeigezaubert.

Der Autor ventiliert in der 1903 erschienen Erzählung die Frage, welchen Platz der Künstler – in diesem Fall der Dichter – in der Gesellschaft hat. Ist er ein Bürger wie andere auch? Muss man ihn mit besonderem Maßstab messen? Darf er, kann er glücklich sein wie seine Mitmenschen, oder ist er zur Einsamkeit verdammt, weil niemand ihn versteht? Diese Fragen diskutiert Tonio Kröger in der neuen Inszenierung ausgiebig mit der Malerin Lisaweta Iwanowna in deren Atelier in München.

Regisseurin Catrin Mosler hat Szenen zusammengestellt, die den Werdegang des Getreidehändlersohnes aus der Hansestadt im Norden nachzeichnen: Zeiten wilder Fleischeslust im Süden Deutschlands, in München, seine ersten literarischen Erfolge – der Roman "Buddenbrooks" erschien zwei Jahre vor der Novelle – seine Suche nach dem Platz im Leben.

Die beiden Darsteller Jan Byl und Will Workman haben keine festen Rollen. Sie springen vielmehr ständig von der einen in die andere, sind abwechselnd "sie selbst" und gleich wieder das Gegenüber. Manche Szenen strotzen vor Komik, rufen Lacher im Publikum hervor, in anderen spürt man den Ernst des Konflikts zwischen Bürgerlichkeit und Künstlertum; ein Thema, das Thomas Mann lebenslang beschäftigte.

Drastisch wird das Ausleben nach der Flucht Krögers aus der Enge der Vaterstadt vorgeführt, ein Ringkampf der Körper. Wenn Tonio seine Probleme vor der neuen Freundin, der Malerin in München, ausbreitet, wird es bunt; im wahrsten Sinne des Wortes, denn Lisaweta greift zu Farbe und Pinsel, beschmiert sich und ihr Gegenüber. Drastisch ist auch das Gespräch auf der Seefahrt nach Kopenhagen, Will Workman spricht breites Hamburger Platt; so steht es im Text bei Thomas Mann.

Nachdenklich stimmen dann wieder die Schlussszenen im Hotel Alsgaard, wo Tonio ein junges Paar mit blauen Augen und blonden Haaren erblickt. Das entspricht seinen Jugendlieben, die er völlig vergessen hatte. Scham kommt auf, bevor mit der Stimme des alt gewordenen Thomas Mann Auszüge aus dem Reisebericht an die Freundin Lisaweta gelesen werden.

Sprachlich und darstellerisch leisten Jan Byl und Will Workman Erstaunliches. Alle Achtung auch für die Ausstattung von Nicole Zielke und die Regieleistung von Catrin Mosler. Großer, langer Applaus für alle Beteiligten. Die nächsten Vorstellungen sind für den 7. September (20 Uhr) und den 29. September (18.30 Uhr) geplant. Da das Studio nur knapp unter hundert Plätze hat, ist rechtzeitiger Kartenkauf anzuraten.

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall. Fotos: Marlène Meyer-Dunker

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall. Fotos: Marlène Meyer-Dunker


Text-Nummer: 132590   Autor: Artur Erdmann   vom 31.08.2019 16.23

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