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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 22. Oktober 2019






Lübeck:

Zurück in den Arbeitsalltag: Jahrestagung der BAG RPK

Am Donnerstag, dem 19. September, findet die Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft psychisch kranker Menschen (BAG RPK) statt. Mehr als 100 Experten aus ganz Deutschland werden bei der Tagung in der Handwerkskammer erwartet. Die Bundesarbeitsgemeinschaft ist die Interessenvertretung der bundesweit 57 Rehabilitationseinrichtungen, deren Ziel es ist, psychisch Erkrankte für den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Mehr als 100 Fachkollegen werden am Donnerstag bei der Brücke Lübeck zu Gast. Auf der Jahrestagung werden sich Psychologen, Ärzte, Ergotherapeuten und Sozialpädagogen über "Ressourcenorientierung in der Praxis" austauschen.

"Seit ich 15 bin, wollte ich Altenpflegerin werden, aber ich hab es nicht hinbekommen", sagt Katrin Frank (Name geändert), die 2018 eine Rehabilitation bei der Brücke begann. Da hatte sie bereits einen mehrjährigen Leidens- und Behandlungsweg mit mehreren Klinikaufenthalten hinter sich. "Am Anfang einer Rehabilitation hören wir ganz oft: "Ich habe gar keine Stärken", sagt Matthias Schröter, Leiter der Brücke-Einrichtung Rehabilitation psychisch kranker Menschen (RPK) und Organisator der Jahrestagung.

Ressourcenorientierung in der Behandlung, das ist das Thema der diesjährigen Jahrestagung der BAG RPK. Konkret bedeutet das, dass die Teilnehmer in vielen Gesprächen danach suchen, was ihnen einmal Freude bereitet hat: Hobbys, Berufserfahrungen, Freundschaften, Haustiere. Und sie erleben zum Beispiel in der Lübecker RPK, dass sie sich trotz Erkrankung etwas zutrauen können – zum Beispiel mit Holz zu arbeiten.

"Ich hab sowas noch nie gemacht: Sägen, Bohren, Schleifen, Anmalen.", erzählt Katrin Frank. "Das war ein besonderer Moment, als mein Hampelmann-Frosch dann fertig in der Werkstatt hing", lacht sie heute. Vor eineinhalb Jahren war ihr dagegen oft nach Weinen, Streit und Aufgeben zu Mute. Mit der Unterstützung des RPK-Teams hat sie diese Krisen durchgestanden.

Bei der Brücke wechseln die Teilnehmer nach einem halben Jahr von der medizinischen in die berufliche Reha: drei Praktika sollen gesucht und absolviert werden. Der RPK-Leiter Matthias Schröter meint: "Das Verständnis für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ist gestiegen. Arbeitgeber sind heute viel eher bereit als früher zu prüfen: Welche Stärken haben dieser Menschen?" Katrin Frank zum Beispiel beginnt nach Absolvierung der RPK in diesem Herbst eine Ausbildung als Altenpflegerin.

Innerhalb der BAG RPK gibt es viele therapeutische Ansätze und Wege, Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Was alle Einrichtungen eint, ist die Ressourcenorientierung als wesentlicher Behandlungsansatz: In der Reha suchen multiprofessionelle Teams zusammen mit den Rehabilitand nach deren Stärken. Die Brücke Lübeck hat zu einem regen Austausch über best-practise-Ansätze bei der Ressourcenorientierung eingeladen. Zum Beispiel wie Bewerbungsgespräche trainiert werden können oder welche Anforderungen junge Erwachsene an die Reha stellen, die noch keine Berufserfahrungen gesammelt haben.

"Um nach einer schweren psychischen Krise tatsächlich langfristig auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen und selbst für die eigene Rente sorgen zu können, bedarf es einer intensiven Vorbereitung", sagt Frank Nüsse, Geschäftsführer der Brücke Lübeck gGmbH. "Die medizinische und berufliche Reha-Maßnahme trägt maßgeblich dazu bei, dass die Teilnehmer den alltäglichen Belastungen auf dem ersten Arbeitsmarkt dauerhaft standhalten können."

Redner auf der Tagung:

Grußwort: Sven Schindler, Senator für Soziales und Wirtschaft der Hansestadt Lübeck

Dr. Cornelia Schäfer, leitende Ärztin der Deutschen Rentenversicherung Nord in Lübeck,
Dr. Giovanna Eilers, Fachärztin für Innere Medizin und Diabetologie, Trainerin des Zürcher Ressourcen Modells
Dr. Dietmar Steege, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Fachleitung Behandlung und Rehabilitation, Die Brücke Lübeck.

Sozialpädagogin Anna-Liza Koop führt regelmäßig Gespräche mit den Rehabilitanden. Foto: Die Brücke gGmbH

Sozialpädagogin Anna-Liza Koop führt regelmäßig Gespräche mit den Rehabilitanden. Foto: Die Brücke gGmbH


Text-Nummer: 132980   Autor: Die BRÜCKE gGmbH   vom 18.09.2019 12.13

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