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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Montag,
der 25. Mai 2020






Lübeck:

Lebhafte Diskussion um Organspende

Die Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Claudia Schmidtke sucht die Diskussion. In einer Woche findet im Deutschen Bundestag eine Abstimmung statt, die von zahllosen Patienten in Deutschland dringend erwartet wird. Dazu hatte sie jetzt in die Media Docks zu einer Diskussion mit den Lübeckern eingeladen. Das Interesse war überwältigend. Der Saal war überfüllt.



Claudia Schmidtke wurde aufgrund ihrer hohen medizinischen Qualifikation bereits als Patientenbeauftragte der Bundesregierung berufen. In dieser Eigenschaft wurde sie mit vielen Einzelschicksalen konfrontiert, von denen sie eingangs der Diskussion einige vorstellte. Es handelte sich um Patienten, die dringend auf ein Spenderorgan warten, einige bereits mehrere Jahre lang. Das Problem: in Deutschland gibt es laut Umfragen eine hohe Spendenbereitschaft, zu wenige tragen allerdings einen Organspende-Ausweis bei sich. Seit einigen Jahren sucht man daher nach Lösungen, die Spendenbereitschaft zu erhöhen.

Bisher musste man eigene Schritte unternehmen und aktiv werden, um potenzieller Organspender zu werden. Im Deutschen Bundestag liegt nun ein Antrag vor, diese Willenserklärung umzukehren. Nach den Vorstellungen der Antragsteller soll zukünftig die sogenannte Widerspruchslösung Anwendung finden. Dazu soll grundsätzlich jeder entscheidungsfähige Bundesbürger ab dem 16. Lebensjahr potenzieller Organspender werden, es sein denn er widerspricht dieser Einordnung ausdrücklich. Wer also nicht potenzieller Organspender werden möchte, kann das erklären und wird in ein Register eingetragen.

Hier hören Sie die Position von Claudia Schmidkte:

Claudia Schmidtke ist überzeugte Anhängerin dieser 'Widerspruchsregelung', genau wie viele ihrer Medizinerkollegen, die täglich mit den Schicksalen verzweifelter Menschen konfrontiert sind, die dringend auf ein Spenderorgan warten. Das Podium ihrer Diskussionsveranstaltung war daher auch prominent besetzt. Vom UKSH-Campus Lübeck waren vertreten der Direktor der Klinik für Herz- und thoraxale Gefäßchirurgie UKSH, Stephan Emninger und Privatdozent Martin Nitschke, Stellvertretender Klinikdirektor und Bereichsleiter Nephrologie an der Klinik 1. Weiterhin Lutz Hennings, Vorstand des Verbandes der Dialysepatienten und Transplantierten in Lübeck e.V und praktizierender Arzt. Ebenfalls vertreten war Pröpstin Petra Kallies vom Ev.-Luth Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg.


Claudia Schmidtke, Stephan Ensminger, Petra Kallies, Lutz Hennings und Martin Nitschke bei der Diskussion.

Kurz gesagt: alle Mediziner konnten eindrucksvolle Beispiele dafür anbringen, wie dringend eine Widerspruchsregelung von ihren Patienten erwartet wird. Für einen Nierenpatienten beispielsweise, der sich einer Dialyse unterziehen muss, bedeutet dieses Verfahren jahrelangen entbehrungsreichen Verzicht auf Lebensqualität. Lutz Hennings machte das bei seiner Vorstellung deutlich. Die ihm überreichte Weinflasche entspricht in etwa der maximalen täglich zugelassenen Trinkmenge eines Dialysepatienten. Essen kann er nur mit begleitenden Medikamenten.

Auch Pröpstin Petra Kallies sprach angesichts von Organspenden von einem 'Akt der Nächstenliebe' stellte aber unmissverständlich klar, dass die beiden großen Kirchen die beantragte Widerspruchslösung eindeutig ablehnen und das vor allem mit dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit begründen. Kurzer Beifall im Saal, denn es sollte sich im Verlauf der Diskussion herausstellen, dass zahlreiche Anhänger, aber eben auch Gegner der Widerspruchsregelung anwesend waren. Den Gegnern war die ganze Prozedur nicht geheuer. Für alle Mediziner war klar, dass ein Mensch, dessen Hirntod von zwei unabhängigen Ärzten festgestellt wurde, definitiv tot ist. Das entspricht der gesetzlichen Regelung, wurde aber von etlichen Teilnehmern anders gesehen. Dieser Gegensatz konnte auch bis zum Ende der Diskussion nicht aufgelöst werden.



Andere, wie der ehemalige Lübecker Landgerichtspräsident Hans-Ernst Böttcher, beriefen sich auf die einschlägigen fundamentalen Artikel des Grundgesetzes und sagten der Widerspruchslösung eine krachende Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht voraus. Claudia Schmidtke berichtete, dass im Vorfeld bereits Verfassungsexperten hinzugezogen wurden, die keinerlei Bedenken gegen die angepeilte Regelung hatten.

Hier hören Sie die Position von Hans-Ernst Böttcher:

Tief nachgedacht über alles hatte auch Privatdozent Martin Nitschke und sich dann doch auf die Seite der Befürworter der Widerspruchsregelung geschlagen. "Wir werden nicht von heute auf morgen ausreichend Spenderorgane zur Verfügung haben", resümierte er, "aber es wird in der Bevölkerung langfristig ein Bewusstseinswandel eintreten, der zu einer verbesserten Situation führen wird."

Als das Für und Wider kein Ende nehmen wollte, rollte ein Teilnehmer mit den Augen und sagte: "Widersprecht doch einfach, dann kann Euch gar nichts passieren."

Die Debatte mit der anschließenden entscheidenden Abstimmung findet am 16. Januar morgens von 9 Uhr bis 11 Uhr statt, und kann sicherlich von Interessierten auf Phönix verfolgt werden. Abgestimmt wird über drei Vorschläge. Die Widerspruchslösung (11 Redner), die Entscheidungslösung (10 Redner) und die Vertrauenslösung (3 Redner). Entscheidend sind die abgegebenen Stimmen. Die Mehrheit der abgegebenen Stimmen muss erreicht werden, um überhaupt eine Veränderung zu erwirken. Kann nämlich keiner der 3 Anträge mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen, bleibt alles so, wie es im Moment ohnehin schon ist.

Die Lübecker Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Claudia Schmidtke hatte zu der Diskussion eingeladen. Fotos, O-Töne: Harald Denckmann

Die Lübecker Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Claudia Schmidtke hatte zu der Diskussion eingeladen. Fotos, O-Töne: Harald Denckmann



Hier hören Sie den Originalton:  

Text-Nummer: 135486   Autor: Harald Denckmann   vom 08.01.2020 23.32

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