Gewänder aus einer anderen Zeit

Lübeck - Innenstadt: Archiv - 07.12.2023, 14.41 Uhr: Es ist schon eine faszinierende Vorstellung, dass vor mehr als 600 Jahren ein Mensch die Gewänder mühsam gefertigt, in Händen gehalten und getragen hat, die jetzt im Lübecker St. Annen Museum zu sehen sind. Es sind textile Kostbarkeiten aus einer anderen Welt. Dass sie bis heute erhalten geblieben sind, ist einem Zufall und viel Engagement der Danziger Bürger zu verdanken, die sie bis nach dem zweiten Weltkrieg immer wieder schützten.

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Im 14. und 15. Jahrhundert stifteten Danziger Bürger ihrer Marienkirche die kostbaren Gewänder mit feinsten Stickereien. Sie wurden für den Gottesdienst verwendet. Echtes Gold ist in die Stoffe eingearbeitet ebenso wie italienische Seide. Die textilen Kostbarkeiten wurden in der Kirche versteckt und überdauerten so die Jahrhunderte mit Reformation und Kriegen. Erst im 19. Jahrhundert hat man sie zufällig bei Bauarbeiten wiederentdeckt. In bestem Zustand, da sie in all der Zeit weder Menschenhand noch Licht ausgesetzt waren.

Doch die Geschichte barg noch mehr Gefahren für die kostbaren Stücke. So wurden ein Teil davon am Ende des Zweiten Weltkriegs von Danziger Bürgern gemeinsam mit dem dortigen Pfarrer Gerhard Gülzow auf ihrer Flucht nach Lübeck mitgenommen und damit gerettet. 183 weitere Stücke landeten in Thüringen und wurden nach dem Krieg nach Danzig zurückgeführt.

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Die in Lübeck befindlichen Gewänder sind im Besitz der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), Hannover. Das St. Annen-Museum bewahrt diesen besonderen Schatz, bekannt als „Danziger Paramente“, als Dauerleihgabe. Da die textilen Objekte strengen konservatorischen Bedingungen unterliegen und nach einer gewissen Zeit wieder ins Dunkle müssen, sind nie alle zusammen zu sehen. Die wertvollen Stücke werden in regelmäßigem Wechsel präsentiert. Ab Donnerstag, 7. Dezember 2023, zeigt das St. Annen-Museum wieder frisch gewechselte Gewänder aus diesem besonderen Konvolut von insgesamt 103 Stücken

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Bei der Präsentation wird erneut großer Wert auf das Miteinander der Künste im Mittelalter gelegt. So zeigen die Gewänder gemeinsam mit Architektur, Glasmalerei, Malerei und Skulptur des 15. Jahrhunderts ein schönes und stimmiges Gesamtbild. Sie alle dienten dazu, den Gottesdienst als großes Fest für die Christen zu Ehren Gottes zu gestalten.

Gewänder sollen in ihre Kirche nach Danzig zurückkehren
Im Dezember 2022 hat die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) in einem gemeinsamen Letter of Intent mit der Danziger Marienkirche die Absicht formuliert, dass auch die Objekte aus Lübeck nach Danzig zurückkehren sollen, wenn die geeigneten Bedingungen dafür geschaffen wurden. Um die Rückkehr professionell und sorgfältig vorzubereiten, wurde ein Fachbeirat mit polnischen und deutschen Experten ins Leben. Dieser Fachbeirat findet am 07. und 08. Dezember 2023 in Lübeck zusammen. Am 08. Dezember um 16:30 Uhr wird die UEK im Haus Danzig in der Engelsgrube 66 das Vorhaben der Öffentlichkeit vorstellen und die Gelegenheit zum Austausch bieten.

www.st-annen-museum.de

Überwiegend im 14. und 15. Jahrhundert wurden die Gewänder für den Gottesdienst gefertigt. Sie sind trotz aller Wirren der Geschichte bis heute in sehr gutem Zustand erhalten. Fotos: JW

Überwiegend im 14. und 15. Jahrhundert wurden die Gewänder für den Gottesdienst gefertigt. Sie sind trotz aller Wirren der Geschichte bis heute in sehr gutem Zustand erhalten. Fotos: JW


Text-Nummer: 162994   Autor: Museen/red.   vom 07.12.2023 um 14.41 Uhr

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