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Originaldokumente entziffern: Hanse-Detektive gesucht

Lübeck: Nach dem großen Erfolg von "Hanse.Quellen.Lesen." im Frühjahr dieses Jahres gibt es jetzt die Fortsetzung: In Kooperation von der Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FGHO) und dem Archiv der Hansestadt Lübeck (AHL) wurden neue und weitgehend unbearbeitete Originaldokumente zur Geschichte der Hanse aufbereitet. Bereits seit dem 15. November 2020 können Interessierte erneut bei der Entzifferung der alten Handschriften mithelfen.

Ganz bequem vom heimischen Computer aus. Teilnehmen können alle, die sich für die Geschichte der Hanse im 16. Jahrhundert interessieren. Da schlummern sie noch im Archiv der Stadt Lübeck, neun Dokumente zur Spätzeit der Hanse. Auf mehr als 1.300 Seiten berichten sie uns von den Hansetagen und Versammlungen der wendischen Städte zwischen 1542 und 1584. Diese sogenannten Hanserezesse, Aufzeichnungen über die Tagfahrten der Hansestädte, warten noch darauf, aufbereitet zu werden. Bis jetzt. Denn unter dem Titel "Hanse.Quellen.Lesen. 2.0" geht das Citizen-Science Projekt – eine Kooperation der Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FGHO) am Europäischen Hansemuseum und des Archivs der Hansestadt Lübeck – nun in die nächste Runde.

Bereits seit letztem Sonntag, dem 15. November 2020, können Interessierte wieder mithelfen, alte Handschriften virtuell zu entschlüsseln, und so aus erster Hand Einblicke in die spannende Spätzeit der Hanse gewinnen. Die Teilnahme erfordert keine speziellen Kenntnisse; mitmachen kann jeder mit Zugang zu einem Computer. Die Texte reichen von anfängerfreundlichen Reinschriften zu anspruchsvolleren Texten, die etwas mehr Tüftelei erfordern und eine besondere Herausforderung für erfahrenere Teilnehmer darstellen.

Was ein wenig wie der Traum so mancher Hobbyhistoriker klingt, wurde bereits im Frühjahr ganz real erprobt. In einem Zeitraum von nur drei Monaten wurden insgesamt vier Rezesse und weiteres hansisches Schriftgut des 17. Jahrhunderts von interessierten Bürger vollständig transkribiert. Dieses große Engagement spiegelt sich auch in der hohen Qualität der Transkriptionen wider, die derzeit für eine digitale Publikation vorbereitet werden.

Auch dieses Mal setzt die FGHO wieder auf das Programm Transkribus. Die Online-Plattform mit dem demonstrativen Namen erlaubt es Bürger ganz einfach über den Browser, Originaldokumente vom eigenen Computer aus zu transkribieren und in die heutige Schrift zu übertragen. Doch Transkribus kann noch mehr: Das Programm wurde für die automatisierte Handschriftenerkennung historischer Dokumente entwickelt. Die bei "Hanse.Quellen.Lesen." erstellten Transkriptionen helfen der FGHO dabei, ein Modell zur automatischen Erkennung von Handschriften des 16. und 17. Jahrhunderts zu trainieren, um zukünftig Quellen noch schneller erfassen und aufbereiten zu können.

"Hanse.Quellen.Lesen." ist auch ein Beitrag, die immer noch vergleichsweise wenig bekannte Spätzeit der Hanse zu erschließen. Im Gegensatz zu den mittelalterlichen Hanserezessen sind die Versammlungsprotokolle des 16. und 17. Jahrhunderts nur zu geringen Teilen publiziert. Dies hängt nicht zuletzt mit dem schieren Umfang des erhaltenen Materials zusammen. Die Bearbeitenden der Hanserezesse haben sich für ihr gewaltiges Editionsvorhaben als Schlusspunkt die 1530er Jahre gesetzt. Sich auch noch den Überlieferungen des 16. und 17. Jahrhunderts anzunehmen, erschien ihnen schlicht zu umfangreich. Hier setzt das Gemeinschaftsprojekt aus interessierter Öffentlichkeit und Forschung an.

Der erste Teil von "Hanse.Quellen.Lesen." hat bereits einige Archiv-Schätze aus dem 17. Jahrhundert gehoben. Im zweiten Teil steht nun das 16. Jahrhundert im Zentrum. Alle Informationen, wie man mitmachen kann, finden sich auf der Webseite der FGHO: www.fgho.eu/de/hanse-quellen-lesen.

Interessierte könnte wieder mithelfen, alte Handschriften virtuell zu entschlüsseln. Foto: Archiv der Hansestadt Lübeck

Interessierte könnte wieder mithelfen, alte Handschriften virtuell zu entschlüsseln. Foto: Archiv der Hansestadt Lübeck


Text-Nummer: 141760   Autor: EHM   vom 18.11.2020 um 11.22 Uhr

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