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IHK: Wirtschaftliche Erholung wird kein Selbstgänger

Lübeck: Umsatzrückgänge und ungewisse Zukunftsaussichten: Die Corona-Krise hält die Wirtschaft im HanseBelt seit fast einem Jahr in Atem und wird das auch in den kommenden Monaten tun. „Eine Rückkehr zur Normalität wird es nicht geben, die durch die Pandemie hervorgerufenen Veränderungen sind zu groß und zu beherrschend“, sagte Friederike C. Kühn, Präses der IHK zu Lübeck, in der virtuellen IHK-Jahrespressekonferenz am Dienstag.

Viele Branchen würden lange brauchen, um wieder Fahrt aufzunehmen. Es gebe aber auch Zeichen einer Entspannung, die vor allem aus dem verarbeitenden Gewerbe kommen. Kühn: „Um diesen Schwung zu verstärken und andere mitzunehmen, ist die Wirtschaft mehr denn je auf optimale Rahmenbedingungen angewiesen. Der Neustart darf daher kein ‚Weiter-So‘ sein, wenn wir im internationalen Wettbewerb bestehen und weiter nach vorn kommen wollen.“

War die Wirtschaft noch mit Optimismus ins Jahr 2020 gestartet, trübten die Auswirkungen der Lockdowns die Stimmung in den Unternehmen stärker ein als in der Finanzkrise 2009/10. „Auf so eine Situation über einen so langen Zeitraum waren wir nicht vorbereitet. Darüber steht auch nichts in den Lehrbüchern“, sagte die Präses. Der Stillstand in vielen Branchen führte zu Angst und Unsicherheit über die Zukunft. „Das haben wir von tausenden Anrufern und in unseren fünf Corona-Blitzumfragen erfahren.“ Vor allem Einzelhändler, Reisebüros, Gastronomie und Hotellerie waren betroffen: „Eine Katastrophe für ein Tourismusland“, so Kühn. Auch Teile des Einzelhandels hätten schwere Zeiten erlebt und die Umsatzrückgänge auch im Weihnachtsgeschäft nicht ausgleichen können.

Nach dem Überwinden der Krise sei eine weitere Kraftanstrengung erforderlich, um zügig wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs einzuschwenken. „Das wird kein Selbstgänger, zumal gerade die exportorientierte deutsche Wirtschaft ihre Marktanteile zurückgewinnen muss. Da sich die chinesische Wirtschaft bereits erholt hat, sind wir mit einem dynamischen internationalen Wettbewerb konfrontiert“, betonte Kühn.

Bei der Ankurbelung der Binnenwirtschaft komme es vor allem auf Bund, Länder und Kommunen an. „Die Politik hat in der Krise bewiesen, dass sie zügig handeln und helfen kann. Oberstes Gebot war es, die Unternehmen mit Überbrückungshilfen zu unterstützen“, so Kühn. „Es wird Zeit, darüber nachzudenken, diese Hilfe anzupassen und gerechter zu verteilen“, ergänzte sie und verwies auf aktuelle Ideen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zur effizienteren Verteilung der Mittel. „Zudem benötigen wir gezielte Innovationsförderung und Programme, die helfen, den Strukturwandel erfolgreich zu managen, denn der Zeitpunkt ist gekommen, in innovative Technologien zu investieren und Anreize für Unternehmen zu schaffen, neue Wege zu gehen“, forderte Kühn.

Eine Verlängerung des Lockdowns sieht die IHK mit Sorge für die regionale Wirtschaft. „Der Schutz der Gesundheit ist uns sehr wichtig. Aber Einzelhandel, Gastronomie und Tourismuswirtschaft inklusive des Veranstaltungsbereiches sind übermäßig stark von den Einschränkungen betroffen, obwohl sie offenbar nicht für die massenhafte Weiterverbreitung des Virus verantwortlich sind. Daher sollte das Land diesen Branchen ermöglichen zu öffnen, sofern sie die Hygienebedingungen erfüllen und die Inzidenzwerte dies wieder erlauben“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning. Häufig haben diese Unternehmen sehr viel Zeit und Geld in schlüssige Hygienekonzepte investiert und mussten schließen, obwohl nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kein erhöhtes Infektionspotenzial von ihnen ausgeht.

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Schöning: „Klar ist: Ein Lockdown ist nur in den Wirtschaftsbereichen gerechtfertigt, in denen objektiv nachweisbar ist, dass sie eine Ausbreitung des Virus begünstigen. Von der Politik wünschen wir uns deshalb mehr Flexibilität und Rücksicht auf regionale Pandemieverläufe und haben diese Position bereits im Herbst gemeinsam mit allen IHKs im Land eingebracht. Angesichts der Härte dieser Krisenbewältigungsmaßnahmen ist es aus Sicht der Wirtschaft jetzt unerlässlich, die bisher ergriffenen Schritte permanent zu hinterfragen, nachzuschärfen und zu beenden, sobald die Infektionsdynamik gebrochen ist.“ Nur so ließe sich dauerhafter Schaden von der schleswig-holsteinischen Wirtschaft abwenden.

Für die Phase des Wiederaufbaus brauchen die Unternehmen daher vor allem Planungssicherheit und keine Hemmnisse. „Erhöhungen von Steuern und Abgaben wären kontraproduktiv. Auch von Bürokratie müssen wir die Betriebe entbinden“, sagte Schöning. Der Staat sollte jetzt Reformen einleiten, die die Qualität und die Attraktivität unseres Standorts erhöhen.“

Auch die Liquidität der Unternehmen müsse der Staat durch unterstützende Rahmenbedingungen stärken. „Unsere fünfte Blitz-Umfrage ist in Bezug auf die Umsatzeinbußen ebenso alarmierend wie beim Thema Eigenkapital. Vielen Betrieben geht das Geld aus oder sie gehen an die Reserven, die sie für Investitionen in der Phase der wirtschaftlichen Erholung benötigen“, betonte Schöning. Deshalb brauche es auch steuerliche Erleichterungen wie die Ausweitung des Verlustrücktrags, das Eigenkapital stärkende Maßnahmen sowie mehr Flexibilität bei der Erbschaftsteuer an die Corona-Bedingungen: „Unter diesen Umständen können nicht alle Erben die hohen Auflagen etwa bei der Beschäftigung erfüllen.“

Zum Jahreswechsel endet die sechsjährige Wahlperiode der aktuellen Vollversammlung. Vom 8. November bis 7. Dezember 2021 sind die rund 65.000 IHK-Mitglieder aufgerufen, ihr höchstes Gremium zu wählen. „Wir suchen engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer, die die Zukunft ihrer Region aktiv gestalten und Verantwortung übernehmen wollen“, so Kühn. Aufgabe der Vollversammlung ist es, die Leitlinien der IHK-Arbeit zu bestimmen sowie das Budget und die Höhe des Beitrages festzulegen. Im vergangenen Dezember hat das höchste Gremium entschieden, den IHK-Beitrag für das Jahr 2021 um zehn Prozent zu mindern. „Das ist die vierte Beitragsminderung in Folge, mit der wir unsere Mitglieder finanziell entlasten“, sagte die Präses.

Im Original-Ton hören Sie Ausschnitte von der Pressekonferenz mit Friederike C. Kühn, Präses der IHK zu Lübeck, IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning und Rüdiger Schacht, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck.

IHK-Präses Friederike C. Kühn äußerte sich in der virtuellen Pressekonferenz zur Stimmung und den Aussichten in der Wirtschaft. Screenshots, O-Ton: Harald Denckmann

IHK-Präses Friederike C. Kühn äußerte sich in der virtuellen Pressekonferenz zur Stimmung und den Aussichten in der Wirtschaft. Screenshots, O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 142569   Autor: IHK/red.   vom 05.01.2021 um 14.38 Uhr

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