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Experten besorgt: Deutlich weniger Klinikaufenthalte bei Kindern

Schleswig-Holstein: Die Pandemie hat in Schleswig-Holstein massive Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung von Minderjährigen. Während des ersten Lockdowns im März und April 2020 gab es 40 Prozent weniger Krankenhausbehandlungen und 42 Prozent weniger Operationen bei Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren. Bis Ende Juni folgte zwar ein Anstieg auf "Normalniveau", einen Anstieg zum Nachholen der Behandlungen war nicht zu verzeichnen.

Besonders fiel der Rückgang bei psychischen Erkrankungen auf. Hier war ein Minus von 16 Prozent zu verzeichnen. Das ist das Ergebnis des Kinder- und Jugendreport Schleswig-Holstein, für den die Universität Bielefeld im Auftrag der DAK-Gesundheit die Daten von mehr als 40.000 Kindern und Jugendlichen auswertete. DAK-Landeschef Cord-Eric Lubinski und der Landesverbandsvorsitzende der Kinder und Jugendärzte, Dr. Ralf van Heek zeigen sich über die möglichen Auswirkungen besorgt.

Im Rahmen der DAK-Sonderanalyse untersuchte die Universität Bielefeld die anonymisierten Krankenhausdaten der ersten Halbjahre 2019 und 2020. Die gute Nachricht: Es gab keine Verschiebungen der Krankenhausaufenthalte bei bestimmten schweren Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs. Als nachvollziehbar und als logische Konsequenz der Kontaktbeschränkungen kann der Rückgang der Behandlungen wegen dem allgemeinen Infektionsgeschehen und sogenannter bewegungsassoziierter Stürze und Verletzungen angesehen werden.

"Der Rückgang bei Klinikaufenthalten aufgrund von Diabetes Erkrankungen des Typs 1 ist da schon auffälliger", sagt Cord-Eric Lubinski, Leiter der DAK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. "Auch das Minus bei psychischen Erkrankungen lässt aufhorchen. Dies sind meist keine geplanten Behandlungen, die einfach so verschoben werden." Bei den Einzeldiagnosen war ein Rückgang von 53 Prozent beim Alkoholmissbrauch festgestellt worden – 48 Prozent waren es bei depressiven Episoden. "Sehr auffällig und beunruhigend ist ein dramatischer Rückgang bei der stationären Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit depressiven Episoden. Die Hospitalisierungsrate ging um circa 40 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum zurück. Inzwischen vorliegende Studien zeigen, dass die psychischen, sozialen und emotionalen Beeinträchtigungen im aktuell 2. Lockdown noch erheblich gegenüber dem 1. Lockdown zugenommen haben", kommentiert Dr. Ralf van Heek, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e.V.) die Ergebnisse des DAK-Reports.

"Innerfamiliäre Konflikte bis hin zur häuslichen Gewalt scheinen zuzunehmen. Dies deckt sich mit den Erfahrungen, die Kinder- und Jugendärzte und -ärztinnen in diesen Tagen in ihren Praxen machen müssen. All dies lässt befürchten, dass die Pandemiefolgen für unsere Kinder insbesondere im psycho-sozio-emotionalen Bereich noch wesentlich gravierender sein werden als im 1. Lockdown 2020."

"Die Corona-Delle bei der Anzahl der klinischen Behandlungen ist ein deutliches Warnsignal", betont Cord-Eric Lubinski. "Wir müssen das Vertrauen in unser Gesundheitssystem stärken, damit die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nicht leidet. Es darf nicht sein, dass notwendige Behandlungen aus Angst vor Ansteckungen verschoben werden. In der aktuellen Corona-Diskussion spielt die Kinder- und Jugendgesundheit eine zu geringe Rolle."

Die Pandemie hat in Schleswig-Holstein massive Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung von Minderjährigen. Symbolbild: JW

Die Pandemie hat in Schleswig-Holstein massive Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung von Minderjährigen. Symbolbild: JW


Text-Nummer: 143283   Autor: DAK SH/Red.   vom 15.02.2021 um 10.51 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Sandra

schrieb am 15.02.2021 um 12.08 Uhr:
Das liegt definitiv auch an den Kliniken. Meine Tochter ist chronisch krank und soll eigentlich halbjährlich zur Kontrolle. Wir waren letztes Jahr im Mai zum letzten Mal in der Uni. Danach wurden die Kontrolltermine immer seitens der Uni verschoben bzw. abgesagt. Ich habe lediglich im Januar ein Telefonat mit der Ärztin gehabt. Das kann eine Untersuchung und ein EEG aber auf keinen Fall ersetzen und das ist schon etwas beunruhigend.