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Judas ein besonders böser oder guter Mensch?

Lübeck: Archiv - 20.02.2021, 10.55 Uhr: In seinen Gedanken zum Wochenende greift HL-live.de Pastor Heinz Rußmann den Predigttext in den evangelischen Kirchen von diesem Wochenende auf. Es geht um die Rolle von Judas. Heinz Rußmann fragt, ob er wirklich ein schlechter Mensch war.

Judas bereitet den Verrat an Jesus vor. Darum geht es im Predigttext an diesem Sonntag (Joh 13,21 f). Judas selbst führt nach dem Abschiedsmahl der Jünger die Feinde Jesu, die römischen und jüdischen Bewaffneten nach Gethsemane, damit sie Jesus gefangen nehmen und später grausam am Kreuz töten konnten. Der Teufel hatte es Judas so eingegeben. Wer den lieben einzigen Sohn Gottes, die Lichtgestalt unter uns Menschen und den Bruderkuss-Freund von Judas so auf dem Gewissen hat, ist nach alter Tradition der Kirchengeschichte und Luther der bösartigste Verbrecher der ganzen Weltgeschichte. Ein Teufel, der für sein Verbrechen auch noch Geld kassiert hatte. In dieser Tradition bin ich selbst auch vom Kindergottesdienst an großgeworden.

Durch einige moderne Theologen, durch den Schriftsteller Amos Oz und langes Nachdenken können sich heute ganz andere Perspektiven und Erklärungen und Vermutungen ergeben:

Ohne den Judas–Verrat gäbe es vermutlich keine christliche Heilsgeschichte mit der Kreuzigung Jesu für die Sünden der Menschen und keine für uns hoffnungsvolle Auferstehung vom Tode. Nur dadurch den Verrat, dann durch Karfreitag, Ostern und Pfingsten konnte sich Gottes Reich durch Jesus bis heute zur größten Religion auf unserem Erdball ausbreiten.

Besonders in der Neuzeit haben Theologen wie Karl Barth den Judas verständnisvoller angesehen. Am weitesten mit seinem Verständnis und seinem Verzeihen geht heute der bekannte moderne Theologe und Psychologe Eugen Drewermann im zweiten Band seines Kommentars zum Johannes-Evangelium: Judas wollte voll Liebe seinen Freund Jesus vor der Kreuzigung retten. Er war überzeugt, dass der jüdische Hohepriester Kaiphas als Richter „unweigerlich erkennen würde, dass er mit Jesus keinen Schuldigen, sondern einen Gottesmann vor sich habe.“ Die Hoffnung des Judas war, „durch die Auslieferung Jesu an den Hohen Rat, Jesus retten zu können“ und an seine eigentliche Aufgabe als Messias des Heils zu erinnern (S.116 f).

Gut, dass wir nicht über Judas urteilen müssen, ob er ein böser Verbrecher war. Oder war er ein sehr lieber, gläubiger und frommer Jesus-Verehrer, der den gutmütigen Jesus nur in eine Enge treiben wollte, damit Jesus sich endlich machtvoll als Messias und Retter der Welt zeigte?

Wir sollten uns doch ein persönliches, verständnisvolles Bild von Judas machen. Auch für uns Christen gibt es Situationen, in denen wir als Notfall Gebote übertreten müssen. Im intensiven Seelsorgegespräch mit Paaren als Gemeindepastor vertraute mir einer der Partner unter Eid etwas Schlimmes an. Wenn der andere Partner danach fragen sollte, musste ich meine Information leugnen. Ähnliche Fälle gibt es auch für uns christliche Gutmenschen im Alltag. Es gibt tragische Entscheidungen, bei denen wir uns bei beiden Lösungen mehr oder weniger schuldig machen.

Wie gut, dass Jesus einen seiner Lieblingsjünger Judas und uns versteht und wir nicht unter dem endgültigen Urteil Gottes über unser Leben leiden müssen. Am Ende des Kapitels 13 sagt Jesus zu seinen Jüngern: Wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid!

Durch Jesus verbunden wünsche ich Euch eine gesegnete und nachdenkliche Passionswoche.

Euer HL-live.de Pastor und Mitchrist
Heinz Rußmann

Fragen und Kommentare und christliche Grüße bitte an e-mail: heinzrussmann@yahoo.de

Heinz Rußmann beschäftigt sich mit der Rolle Judas.

Heinz Rußmann beschäftigt sich mit der Rolle Judas.


Text-Nummer: 143386   Autor: red.   vom 20.02.2021 um 10.55 Uhr

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