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HL historisch: Nicht die erste Pandemie in Lübeck

Lübeck: Die Pandemie beherrscht seit Monaten das Nachrichtengeschehen nicht nur in Deutschland. Experten sind sich einig: Wir werden mit der schrecklichen Krankheit noch lange zu tun haben. Allerdings ist die Pandemie nicht die erste Seuche, unter der auch Lübeck zu leiden hat. Zumindest zwei frühe Pandemien haben sichtbare Zeichen in der Stadt hinterlassen.

Unter dem „schwarzen Tod“, der Pest, litt Lübeck (und natürlich viele andere Städte) um das Jahr 1350. Vermutlich wurde die Seuche damals aus Asien eingeschleppt, gelangte auf der so genannten Seidenstraße nach Europa. Es gibt Berichte, wonach die Krankheit über Häfen in Italien und Frankreich, über Skandinavien nach Lübeck gekommen sein soll, damals übertragen durch Flöhe.

Lübeck war seit 1225 das Zentrum des Bettelordens der Franziskaner im Ostseeraum. An der Ecke Königstraße/Glockengießerstraße hatten sie ein bescheidenes Kloster errichtet. Erst Anfang des 14. Jahrhundert wurde eine größere Kirche begonnen. Der Bau kam nicht so recht voran. Das änderte sich durch die Seuche.

Der Lesemeister des Franziskanerklosters, Detmar, schreibt in seinem Bericht über die Pest, über „dat grote sterven“, es sei am 16. Mai 1350 ausgebrochen: „Die Leute starben nur so dahin...“ Die Menschen waren der Pest hilflos ausgeliefert. Aus Furcht vor dem eigenen Tod oder mit der Bitte, für die Seelen verstorbener Angehöriger zu beten, wurde Geldbeträge über die Mauer in den Hof des Kloster geworfen. Angeblich konnte mit diesen „Spenden“ die Klosterkirche St. Katharinen vollendet werden.

Eine weitere Pestepidemie vom Ende des 16. Jahrhunderts hat in Lübeck ein sichtbares Zeichen hinterlassen, das so genannte Pestkreuz neben dem Eingang der St. Lorenzkirche hinter dem Hauptbahnhof. Damals, also 1596/97, sollen an der Pest in Lübeck 7.000 bis 8.000 Menschen gestorben sein; das wäre rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung.

Für die Toten wurde ein Pestfriedhof angelegt, vor den Toren, hinter dem heutigen Bahnhofsgelände. In aller Eile wurde ein „Pestilenzienhaus“ errichtet. Erst viel später entstand auf dem Gelände eine Kirche zur Versorgung der gestiegenen Bevölkerungszahl vor den Toren, für die vorher St. Petri zuständig war.

Waren es zu Beginn nur die Pestopfer, die auf dem neuen Friedhof ihre letzte Ruhestätte fanden, so wurde es später Sitte, dass wohlhabende Bürger dort Parzellen erwarben. Mehrere kleine Mausoleen zeugen bis heute davon.

Das Pestkreuz wurde 1597 errichtet, eine der ältesten frei stehenden Plastiken in Lübeck. Es wurde am 10. August 1597 eingeweiht. Der 10. August ist der Gedenktag des heiligen Laurentius oder Lorenz, der im Jahre 58 in Rom auf grausame Weise umgebracht worden war.

Laurentius war als Diakon der ersten Christen in Rom für die Versorgung der Bedürftigen zuständig und ins Visier kaiserlicher Beamter geraten. Ihnen sollte er die Schätze der Kirche bringen. Laurentius erschien mit einer Gruppe von Armen, Alten, Kranken und sagte: „Das sind die Schätze der Kirche!“ Er wurde auf einem glühenden Rost zu Tode gebracht. Manche Lorenz- oder Laurentiuskirche hat in einem Fester einen rot glühenden Rost.

Das Pestkreuz am Steinrader Weg erinnert an die Pandemie 1596 und 1597. Damals starb ein Drittel der Lübecker Bevölkerung Foto: TD

Das Pestkreuz am Steinrader Weg erinnert an die Pandemie 1596 und 1597. Damals starb ein Drittel der Lübecker Bevölkerung Foto: TD


Text-Nummer: 143400   Autor: TD   vom 21.02.2021 um 12.40 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Lübecker Deern

schrieb am 22.02.2021 um 18.03 Uhr:
Ich bin erstaunt und erfreut zu lesen, dass endlich einmal jemand diesen historischen Lübecker Ort zur Kenntnis nimmt! Er erzählt nämlich viele Geschichten, die es Wert sind, entdeckt zu werden, so u.a. das Pestkreuz aus dem 16. Jhrh., aber noch viele andere. Man kann sie entdecken, wenn man sich die Mühe macht, manche Grabsteine in Ruhe zu studieren.......Der St. lorenz-Friedhof gehört übrigens inzwischen zum UNESCO - Weltkulturerbe, wie alle deutschen Friedhöfe. Außerdem hat er eine wichtige Funktion für unseren Stadtteil St. lorenz: er ist ein wunderbarer Park, Schutzraum für viele Tiere, Zuflucht vor den vielen Autokolonnen, Begegnungsort......und wird liebevoll von den Mitarbeiter*innen der Kirchengemeinde gepflegt. Allerdings habe ich meine Zweifel, ob das die Bürger im Stadtteil eigentlich zu schätzen wissen: da werden Einweg-Geschirr und Masken über den Zaun geworfen, Hunde laufen frei herum und verrichten ihr Geschäft,es werden von den Anwohner*innen die gelben Säcke am Zaun abgelagert oder sogar an den Zaun gehängt (!!)....Macht sich wohl mal jemand Gedanken darüber, dass es für die Angehörigen kein schöner Anblick ist, wenn sie zur Beerdigung eines lieben Menschen gehen (auch noch zu den schrecklichen Corona-Bedingungen) und dann diese lieblose Umgebung sehen müssen??? Schon lange versuche ich, Müll u.a. wegzuräumen, aber es ist eine Sisyphus-Arbeit...Bitte, liebe Lübecker*innen und Gäste: mehr Respekt vor unserer Kultur und den Bedürfnissen der Menschen um euch herum!! Und danke für diesen informativen Artikel.