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Gedanken zum Muttertag

Lübeck: Archiv - 08.05.2021, 09.00 Uhr: Pastorin i.R. Ellen Naß stellt den Muttertag in den Mittelpunkt ihrer Gedanken zum Wochenende. Sie erinnert daran, dass es die Verehrung der Mutter auch schon früh in Religionen gab.

Am Sonntag feiern wir den Muttertag. Als meine Kinder klein waren, hatte ich mit diesem Tag große Schwierigkeiten. Ich fand, dass man sich jeden Tag freuen sollte über all die Arbeit, Fürsorge und Liebe, die Mütter leisten, nicht nur an diesem einen Tag. Auf selbstgemalte Bilder und Blumen konnte ich gut verzichten, und Frühstück macht mir Mann tatsächlich 365 Tage im Jahr. Ich bin ein Morgenmuffel und er ist hellwach, da hat es sich so ergeben.

Ich fand und finde es sinnvoller, Mütter im täglichen Leben, bei der Arbeitssuche, bei Scheidungen, bei der Aufteilung der Hausarbeit, bei der Rente und und und nicht so viel zu benachteiligen.

Ich weiß nicht, ob viele Mütter so denken, und natürlich ist es schön, einmal im Jahr so im Mittelpunkt zu stehen, zusätzlich Geschenke zu bekommen. Der „Vatertag“ wird dagegen völlig anders begangen, eigentlich ist es ja auch der Himmelfahrtstag. An diesem Tag ziehen Männer – vorzugsweise junge Männer, die bestimmt noch keine Väter sind, mit einem Bollerwagen voller Alkohol umher, grillen und betrinken sich.

Dabei wissen wir alle, dass nicht jede Mutter und jeder Vater gut zu ihren Kindern sind. Missbrauchsskandale hat es in den letzten Jahren immer wieder gegeben, und manchmal waren auch Mütter beteiligt. Es gibt Mütter, die ihre Kinder misshandeln oder vernachlässigen. Es gibt eine psychische Krankheit, bei der Mütter ihre Kinder krank machen, um dafür bewundert zu werden, wie hingebungsvoll sie sie pflegen. Insofern fand ich es problematisch, pauschal einen Muttertag zu feiern.

Der Muttertag ist erst im 20. Jahrhundert entstanden, soll aber auf eine uralte Tradition zurückgehen. In vielen Religionen wurden Mütter verehrt, es gab zahlreiche Muttergottheiten, die Fruchtbarkeit und Wärme spendeten. Bei den Katholiken hat Maria, die Mutter Jesu, teilweise diese Rolle angenommen. Natürlich ist sie keine Göttin, aber als Gottesmutter genoss und genießt sie große Verehrung.

Dass Maria so verehrt wurde und wird, zeigt, wie groß die Sehnsucht nach einer göttlichen Mutter ist, vielleicht auch, um Enttäuschungen mit der eigenen Mutter auszugleichen. Jesus hat uns ein Gebet gelehrt, die Anrede dabei ist „Vater unser“. Die meisten stellen sich unseren Gott als Mann vor, im schlimmsten Fall als alten Mann mit langem Bart.

Dabei gibt es in der Bibel durchaus andere Beschreibungen unseres Gottes. Im alten Testament sagt der Prophet Jesaja: Gott spricht: „Ich will euch trösten wie einen eine Mutter tröstet.“ Gott erkennt die Leistungen der Mütter an, handelt an uns, wie Mütter an ihren Kindern handeln. Gott ist eben nicht nur männlich, sondern er hat Mann und Frau und nicht nur den Mann nach Seinem Ebenbild geschaffen.

Noch tröstlicher finde ich ein Wort Jesu, in dem er Gott mit einer Henne vergleicht, die ihre Küken unter sich in ihrem Nest hält und beschützt. Es ist für mich eine der Beschreibungen Gottes, die mich am meisten berührt, so fürsorglich, so aufopfernd, so liebevoll. So wünscht man sich als Kind seine Eltern, seine Mutter. Deshalb feiern wir den Muttertag, weil wir uns unsere Mutter so wünschen.

Wir alle sind geborgen in Gott, der uns behütet, beschützt und umsorgt. Auch wenn wir mit unseren eigenen Eltern nicht zufrieden sind, wenn wir wenig Anlass haben, Muttertag zu feiern – Gottes Mutterliebe umhegt uns, bewahrt uns. Dafür können wir Ihm dankbar sein, auch und gerade am Muttertag.

Und wenn wir eine gute Mutter haben, dann haben wir guten Grund, ihr dankbar zu sein – und Gott dankbar zu sein, der uns sie geschenkt hat. Wir können uns dafür einsetzen, dass Mütter generell besser behandelt und nicht benachteiligt werde. Dann können wir gemeinsam dankbar den Muttertag feiern, den Eltern dankbar und Gott dankbar.

Pastorin i.R. Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende auf den Muttertag ein.

Pastorin i.R. Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende auf den Muttertag ein.


Text-Nummer: 144798   Autor: red.   vom 08.05.2021 um 09.00 Uhr

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