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Zoll informiert: Steuerfreigrenze von 22 Euro entfällt

Schleswig-Holstein: Zur Jahresmitte treten im Rahmen des sogenannten Mehrwertsteuer-Digitalpakets umfangreiche Änderungen für den grenzüberschreitenden Onlinehandel in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt sind alle Sendungen aus Ländern außerhalb der EU umsatzsteuerpflichtig. Die derzeitige Regelung, bei der Kleinsendungen bis zu einem Wert von 22 Euro steuerfrei importiert werden können, wird damit entfallen.

Nur Einfuhrabgaben von weniger als einem Euro werden nicht erhoben. Darüber hinaus müssen künftig alle kommerziellen Post- und Kuriersendungen aus Nicht-EU-Staaten in elektronischer Form beim Zoll angemeldet werden. Durch die Abschaffung der Wertgrenze werden Wettbewerbsnachteile für heimische Unternehmen beseitigt. Während inländische Händler unabhängig vom Wert der verkauften Waren die Mehrwertsteuer in Rechnung stellen müssen, können Unternehmen von außerhalb der EU bislang von der Freigrenze profitieren und so Versandprodukte kostengünstiger in der EU vertreiben.

"Gleichzeitig wird mit dieser Rechtsänderung dem Umsatzsteuerbetrug im Onlinehandel strukturell entgegenwirkt", so Pressesprecherin Sandra Preising vom Hauptzollamt Hamburg. "Denn Sendungen werden oftmals vorsätzlich unterfakturiert und so die Wertgrenze missbräuchlich ausgenutzt."

Die neuen Bestimmungen bedeuten für die meisten Online-Besteller aber keinen zusätzlichen Aufwand. Wie auch bisher üblich, übernimmt in der Regel der beauftragte Beförderer (Post-, Kurier- und Expressdienstleister) die Zollabwicklung und tritt für die fälligen Einfuhrabgaben in Vorleistung. Die Sendungsempfänger zahlen die verauslagten Einfuhrabgaben dann bei der Auslieferung an den Zusteller zurück.

Online-Besteller sollten hierbei beachten, dass die Beförderungsunternehmen grundsätzlich eine gesonderte Servicepauschale für die Anmeldung beim Zoll und Zahlung der Einfuhrabgaben erheben. Informationen hierzu sollten in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Beförderers oder Verkäufers enthalten sein. Die Servicepauschale ist keine Einfuhrabgabe des Zolls.

Zugleich besteht ab 1. Juli 2021 bei Sendungen bis zu einem Wert von 150 Euro die Möglichkeit, dass der Online-Händler die Umsatzsteuer unmittelbar an die zuständigen Steuerbehörden in der EU zahlt. Bedingung hierfür ist, dass sich der Händler im Mehrwertsteuersystem der EU registriert hat und für die Steuerabwicklung den sogenannten Import-One-Stop-Shop (IOSS) nutzt. In diesen Fällen sind die Einfuhrabgaben in der Regel, wie die Umsatzsteuer beim Inlandskauf, bereits im Rechnungsendbetrag des Online-Händlers enthalten. An den Post- oder Kurierdienstleister muss der Sendungsempfänger dann keine Einfuhrabgaben bei der Zustellung bezahlen. Die Wertgrenze für die Erhebung von warenabhängigen Zollabgaben auf Online-Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern ist von den Neuerungen zum 1. Juli 2021 nicht betroffen. Hier bleibt der Freibetrag von 150 Euro weiterhin bestehen.

Ausführliche Informationen zu den Rechtsänderungen sind unter www.zoll.de sowie
über den dort zur Verfügung gestellten Chatbot "TinA" abrufbar. Darüber hinaus
beantwortet die Zentrale Auskunft der Zollverwaltung in gewohnter Weise
telefonisch oder per E-Mail gestellte allgemeine Anfragen zum Thema eCommerce.

Die neuen Bestimmungen sollen für die meisten Online-Besteller keinen  zusätzlichen Aufwand erfordern. Symbolbild: Zoll

Die neuen Bestimmungen sollen für die meisten Online-Besteller keinen zusätzlichen Aufwand erfordern. Symbolbild: Zoll


Text-Nummer: 145395   Autor: HZA Hamburg/Red.   vom 08.06.2021 um 10.53 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Rigel

(eMail: uwe@seipolt.de) schrieb am 08.06.2021 um 12.07 Uhr:
Kein Mehraufwand ist etwas verkürzt dargestellt. Nach der neuen Regelung heißt das z.B.:

Wahrenwert - 10,00 €
Einfuhrumsatsteuer 19% - 1,90 €
Zoll entfällt
DHL Servicepauschale (fix) - 28,50 €
total - 40,40 €

Das wird sich für ein 10-Euro Chinaprodukt meistens nicht rechnen. Dessenungeachtet ist eine Änderung der heutigen Situation, die heimische Verkäufer massiv benachteiligt unbedingt notwendig.

Rigel

schrieb am 08.06.2021 um 12.43 Uhr:
Ich muss mich korrigieren:

Die aktuelle Servicepauschale für die Verauslagung von Zoll und Umsatzsteuer liegt bei DHL jetzt bei 6,00 Euro.

Entschuldigung für die Fehlinformation!

Frank

schrieb am 09.06.2021 um 07.15 Uhr:
Profiteur@Rigel Zitat: "Dessen ungeachtet ist eine Änderung der heutigen Situation, die heimische Verkäufer massiv benachteiligt, unbedingt notwendig."
Ein sehr unüberlegter Kommentar.
Mal wieder wird den ärmsten der Armen die Möglichkeit genommen, günstig an Produkte zu kommen. Und meinen Sie wirklich, dass heimische Verkäufer dadurch mehr Umsatz oder Gewinne machen?
Der Profiteur wird Amazon sein, der in Deutschland keinen Cent Steuern zahlt!
Es geht hier mal wieder nur darum, dem Deutschen Michel die Tasche zu fassen.