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Gedenktag: 50 Prozent mehr Drogentote in Lübeck

Lübeck: Alljährlich finden am 21. Juli anlässlich des internationalen Gedenktages für verstorbene Drogengebraucher verschiedene Aktionen in vielen Städten Deutschlands statt. Auch in Lübeck machen die Betroffenen zusammen mit der AWO DrogenHilfe und der Lübecker AIDS-Hilfe auf die hohen gesundheitlichen Risiken und die momentane Situation von drogenkonsumierenden Menschen aufmerksam.

Anlässlich des Tages findet am Mittwoch, dem 21. Juli, um 10 Uhr eine gemeinsame Gedenkfeier am Dükerplatz in Lübeck statt.

1.581 Verstorbene im Jahr 2020 in Deutschland: Diese erschreckende Zahl bedeutet einen erneuten traurigen Höchststand der in einem Jahr verstorbenen Konsument seit den frühen 2000er Jahren. Auch in Schleswig-Holstein lässt sich diese besorgniserregende Entwicklung beobachten: Im nördlichsten Bundesland verstarben im vergangenen Jahr 63 Menschen im Zusammenhang mit ihrem Konsum, so viele wie seit über 10 Jahren nicht mehr und circa 20 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Stadt Lübeck verstarben im vergangenen Jahr insgesamt 14 Klienten, was ebenfalls einer Steigerung von etwa 50 Prozent zum Vorjahr gleichkommt.

Die AWO Schleswig-Holstein fordert insgesamt ein Umdenken in der Drogenpolitik. Die Kriminalisierung der Konsumenten verhindert nicht den Konsum illegaler Drogen, die nach wie vor weit verbreitet sind. Dafür erschwert sie in besonderer Weise den Zugang zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten für Konsumenten. Bundesweite Organisationen wie die Deutsche Aidshilfe e.V. und der JES Bundesverband e.V. (Junkies, Ehemalige, Substituierte) fordern ebenfalls schon seit Jahren, bessere Unterstützungsangebote für Konsumenten illegaler Drogen. So würden Maßnahmen wie das Drug Checking (niedrigschwellige und straffreie Untersuchung von Substanzen auf Wirkstoffgehalt und Verunreinigungen) oder eine erleichterte Verschreibung von Naloxon (ein Opioidantagonist, der Überdosierungen verhindert) helfen, das Leben von Menschen, die illegale Drogen konsumieren, zu retten.

Darüber hinaus bedürfe es des Ausbaus der Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit: So würde sich durch die niedrigschwellige Substitutionsbehandlung in Kombination mit Angeboten der Suchthilfe, durch die Möglichkeit der Substitution für Menschen ohne Krankenversicherung, durch eine stärkere Einbeziehung von Patient in den Behandlungsverlauf und durch die rechtliche Gleichstellung von Diamorphin als Substitutionsmittel die nach wie vor oft unzureichende medizinische Versorgung von Konsument illegaler Drogen nachhaltig verbessern lassen.

"Die anhaltende Corona-Pandemie hat die Versorgungssituation von Konsument erschwert. Wir brauchen nachhaltige Lösungen, wie die Einrichtung einer Begegnungsstätte mit Substitutionsambulanz und täglichen Öffnungszeiten, um drogenkonsumierende Menschen zu unterstützen um Tode im Zusammenhang mit Drogenkonsum zu verhindern", sagt die Einrichtungsleiterin der AWO DrogenHilfe Karin Mechnich abschließend.

Viele Experten halten die deutsche Drogenpolitik für gescheitert. Symbolbild: Archiv

Viele Experten halten die deutsche Drogenpolitik für gescheitert. Symbolbild: Archiv


Text-Nummer: 146094   Autor: AWO SH   vom 14.07.2021 um 10.22 Uhr

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