Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.
Gemeinnützige Lübeck

Zeit des Erinnerns: Eindrucksvolle Kammermusik

Lübeck: Es hat sich herumgesprochen, dass unter den Lübecker Philharmonikern exzellente Kammermusiker sind und Leitender Musikdramaturg Christian Münch-Cordellier präzise Werkeinführungen gibt. Der Erfolg: Das 2. Konzert der Saison in den Kammerspielen war so gut besucht wie nie zuvor – vor allem auch ein jüngeres Auditorium war neugierig auf "Zeit des Erinnerns".

Sieben, teils sehr kurze Werke von, teils unbekannten jüdischen Komponisten des 20. Jahrhunderts vermittelten Gedanken und Gefühle, boten Harmonien und Dissonanzen, waren auch Glaubensbekenntnisse. Mit Carlos Johnson (Violine), Joo-Hyun Kang (wechselnd zwischen Viola und Violine), Hans-Christian Schwarz (Cello), Andreas Lipp (Klarinette) und Stefan Vescovic (Klavier) hatten sie engagierte Interpreten: Technisch ohne Tadel, präzise im Ton, souverän im Zusammenspiel.

Im ersten Teil wechselten die Stimmungen. In Darius Milhauds Sonate für Violine, Klarinette und Klavier (1936) dominierten die Läufe und Synkopen, bei der Farbe der Klarinette lag immer Klezmer in der Nähe. Dagegen Hans Krásas „Tanz“ für Streichtrio: 1943, ein Jahr vor seiner Ermordung entstanden, ist dieses ein gehetzter Furiant, waghalsige Virtuosität und Angst vor dem Absturz. Benjamin Frankels minimale „Pezzi pianissimi“ für Klarinette, Cello und Klavier (1964) besagten: Klage, Frage, Elegie – nehmen wir es hin. Ganz anders das „Credo“ (2007) des heute 94-jährigen Tzvi Avni, der aus Tel Aviv grüßen ließ mit seinem Streichtrio, das sich wie ein Gesang der Hoffnung und Versöhnung ausbreitete.

Die Ereignisse kamen nach der Pause. Erst das Trio für Klarinette, Viola und Klavier (1938) des nahezu unbekannten, 1943 ermordeten Holländers Leo Smit: Chromatik der Verzweiflung mit großen Ausbrüchen der Klarinette, das finale Allegro vivace wie eine gemeinsame Flucht. Und dann der Rückgriff auf den Klavierquartett-Satz (1876) des 16-jährigen Gustav Mahler: Dieser hochromantisch stürmische Beginn voller Vertrauen in die Kraft der Musik geht unter die Haut – ebenso wie der Kontrast, mit dem Alfred Schnittke aus Mahlers hinterlassenen Fragmenten 1988 einen Endzeit-Satz polystilisierte, der im Ungewissen verklingt. (3. Kammerkonzert am 14. Dezember: Klavierquintette von Alexander Borodin und Antonin Dvorak)

Das Konzert war gut besucht. Foto: Olaf Malzahn

Das Konzert war gut besucht. Foto: Olaf Malzahn


Text-Nummer: 148570   Autor: Güz   vom 23.11.2021 um 13.39 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.

Text kommentieren.