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All das Schöne im Combinale: Rasanter Ritt durch ein Leben

Lübeck: Archiv - 14.05.2022, 14.15 Uhr: Was haben wir denn da gesehen? Und um was ging es in diesem 80-minütigen Parforceritt? Depressionen!? Was das kleine Theater in der Hüxstraße auf die eigens eingerichtete Arenabühne des Hauses gebracht hat, begeisterte das Publikum uneingeschränkt.

Der Potsdamer Regisseur Sebastian Wirnitzer hat zusammen mit seinem Darsteller Knut Peters ein ganzes Menschenleben in komprimierten Anderthalbstunden auf die Bühne gebracht und uns gefangen genommen, ohne uns auch nur einmal abschweifen zu lassen.

Dabei bedient sich bereits die Stückvorlage des Briten Duncan Macmillan eines raffinierten Kniffs, indem die Zuschauer mit in die Pflicht genommen werden, nummerierte Listeneinträge vorzulesen, sobald deren Nummern vom Hauptdarsteller genannt werden. Man bleibt gespannt dran, auch um bloß den eigenen Einsatz nicht zu verpassen. Die zentrale Ausrichtung der dreiseitigen Bestuhlung auf die sonst karge Arenabühne unterstützt diese Konzentration auf den „Monolog mit dem Publikum“.

Es handelt sich bei diesen Listeneinträge um Dinge, für die es sich zu leben lohnt; alles, was an der Welt schön ist. Die Hauptfigur hat diese Liste als Siebenjähriger als Überlebensstrategie für seine depressive Mutter angefangen und sich dann sein eigenes Leben lang von ihr begleiten lassen.

Wie Knut Peters die Entwicklung vom naiven und unbedarften Siebenjährigen über den wütenden und nicht immer einfühlsamen Teenager hin zum verliebten Twen und desillusionierten Erwachsenen nimmt, ist sehenswert und ein Parforceritt der Gefühle: Ausgelassenheit, Liebe, Spaß und Überdrehtheit, aber auch Verzweiflung, Angst und Wut ziehen sich als Begleiter durch das Leben des Mannes, der die Depressionen der eigenen Mutter bekämpfen will und dabei die eigene Bedrohung nicht unbedingt immer erkennt.

Peters gelingt es, sein Publikum durch die Höhen und Tiefen mitzunehmen, ohne es der Schwere und Bedrückung des Themas Depression ungeschützt auszusetzen. Virtuos haben Wirnitzer und sein Darsteller Knut Peters, der nach einigen Jahren der Bühnenabstinenz hier ein furioses Comeback feiert, geschafft, den dunklen Momenten immer wieder helle, fröhliche und Mut machende Aspekte des Lebens entgegenzusetzen. Der Abend ist durchzogen von einer atemlosen Rhythmisierung von Schönem und Bedrückendem, von hell und dunkel, von schnell und langsam, von Abgründen und Untiefen: emotionale Achterbahnfahrt.

Die Auseinandersetzung mit einem vermeintlich tabuisierten und schweren Thema wie „Depressionen“ gelingt hier ausnehmend leicht und unterhaltsam. Selten waren Depressionen auf einer Theaterbühne derart sehenswert und „schön“ und vom beeindruckten Premierenpublikum ausgelassen bejubelt.

„All das Schöne“ läuft im Theater Combinale noch bis zum 12. Juni 2022. Mehr unter www.combinale.de

Knut Peters zeigt eindrucksvoll die Entwicklung vom Siebenjährigen bis zum Erwachsenen. Foto: Migo Eichholz

Knut Peters zeigt eindrucksvoll die Entwicklung vom Siebenjährigen bis zum Erwachsenen. Foto: Migo Eichholz


Text-Nummer: 151676   Autor: Friedo Jany   vom 14.05.2022 um 14.15 Uhr

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