Possehl-Stiftung Lübeck
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SHMF: Beeindruckender Brahms im Dom

Lübeck: Archiv - 14.08.2022, 12.13 Uhr: Das diesjährige SHMF-Konzert im Dom stand am Sonnabend im Zeichen des Porträt-Komponisten Johannes Brahms. Für dessen „Schicksalslied“, Alt-Rhapsodie und „Nänie“ war Matthias Janz mit seinem Flensburger Domchor und dem Sinfonischen Chor Hamburg sowie dem Elbipolis Barockorchester Hamburg gekommen – und bot wahrlich ergreifende Interpretationen.

Matthias Janz, ein Meister der Ruhe ebenso wie der Dynamik, vertraut den Ausführenden. Er braucht wenige Gesten, um mächtige Aufschwünge zu erzielen wie in der dritten Hölderlin-Strophe in Brahms' „Schicksalslied“ op. 54: Der Furor von „Doch uns ist gegeben“ das 150köpfigen Chors schien fast das Kirchenschiff zu sprengen, um „ins Ungewisse hinab“ und hoffende Harmonien zu fallen.

Ungemein beeindruckend und zum Höhepunkt des Abends wurde die Rhapsodie für Alt und Männerchor op. 53 (auf Strophen aus Goethes „Harzreise im Winter“). Mit Gerhild Romberger war eine Sängerin gekommen, deren Volumen und Wärme ebenso ansprach wie die Kraft im verzweifelten Aufschrei – und die durch die Tiefen des „Das Grab steht wieder auf“ geht, um mit „Öffne den bewölkten Blick“ die feine Dramatik im Hoffen aufzuspüren – dabei behutsam assistiert vom Männerchor. Das war eine zu Herzen gehende, ausnehmend gute Interpretation.

Mit einer Elastizität, die jeder Stimme im Chor und Orchester ein Vorbild war, führte der 75-jährige Janz auch durch „Nänie“ auf Schiller-Verse. Vom hauchzarten Pianissmo bis zum Forte-Aufschrei ging es durch klassische Bildung: „Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle, daß das Schöne vergeht“ – Brahms als klingender Schutzschild gegen alles Gemeine wurde hier Klang mit höchster Konsonanz.

Da diese drei Kompositionen nicht abendfüllend sind, wurden sie um zwei andere ergänzt. Petteris Vask (*1946) legt in seinem „Pater Noster“ für Chor und Streichorchester das Schicksal vertrauensvoll in Gottes Hand – auf Linie und mit Inbrunst gespielt und gesungen. Nach der Pause war das Requiem von Gabriel Fauré (1845-1924) ein Fremdkörper im Programm. Gegenüber Brahms fiel dieses Werk ab, so gut die Ausführenden sich auch einbrachten. Den größten Eindruck hinterließ Iwona Sobotka mit ihrem hellen, starken Sopran (in „Pie Jesu“ und „In paradisum“), während der Tenor Benjamin Appl lediglich seine baritonalen Stärken (zumal im „Libera me“) zeigen konnte. Für Fabian Luchterhand war es nicht immer leicht, den Orgelpart zurückzunehmen. Für Janz und Chor bot diese erbauliche Spätromantik keine Probleme. Das große Publikum appplaudierte allen Künstlern heftig.

Matthias Janz bot ergreifende Interpretationen beim Konzert im Lübecker Dom. Foto: Remmer

Matthias Janz bot ergreifende Interpretationen beim Konzert im Lübecker Dom. Foto: Remmer


Text-Nummer: 153312   Autor: Güz.   vom 14.08.2022 um 12.13 Uhr

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