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Restaurierung des Triumphkreuzes beendet

Lübeck: Als Besucher des Lübecker Doms ist es mit das Erste, was einem ins Auge fällt: das Triumphkreuz. Der Lübecker Bernd Notke schuf es einst, im Jahr 1477 wurde es im Dom aufgerichtet. Damit es weiter bewundert werden kann, wird das Triumphkreuz regelmäßig generalüberholt. Zuletzt vor etwa zehn Jahren, nun reinigte und restaurierte Maire Müller-Andrae und das Team der Firma "Butt Restaurierungen" es erneut.

Die Restauratorin ist spezialisiert auf die Restaurierung von Leinwandgemälden und bemalten Kunstwerken aus Holz wie Altären. "Kunstwerke stellen Fragen", sagt die 52-Jährige und erzählt mehr von ihrer Arbeit. Es gebe keine Standardvorgehensweisen und jede Aufgabenstellung bringe immer neue Aspekte mit sich. "Ausgangspunkte sind die Beschaffenheit des Kunstwerkes und die Schadensbilder: Wann ist es entstanden, welche Materialien und Techniken hat der Künstler verwendet? Welche Verschmutzungen gibt es? Ist die Substanz gefährdet, hat sich etwas gelöst? Was sind die Ursachen? Dann müssen Entscheidungen getroffen werden, was man am besten tut, um ein Kunstwerk zu erhalten". Denn was heute als richtig gelte, unterscheide sich manchmal von dem, was man früher für richtig hielt. "Dabei spielte der Zeitgeschmack immer eine Rolle. Heute ist es das oberste Ziel, das Original zu erhalten in größtmöglicher Authentizität und nichts zu verändern." So werde die Geschichte ernst genommen – die Brandschäden aus der Palmarumnacht 1942 sind immer noch am Triumphkreuz erkennbar.

Bild ergänzt TextMaire Müller-Andrae arbeitet hoch konzentriert an der Restauration des Triumphkreuzes.

Ist es nicht anstrengend, diese Kunstwerke wieder und wieder zu restaurieren? "Irgendwas ist ja immer. Und nichts ist für die Ewigkeit", schmunzelt Maire Müller-Andrae. "Ich bin richtig in dem Job – und ich finde es extrem luxuriös, diese Arbeit machen zu können. Ich komme den Kunstwerken so nahe wie sonst kaum jemand und habe so viel Zeit für jedes Objekt." Weiter erzählt sie, wie sie morgens vor allen anderen da ist, die Tageslichtlampe hochfährt und einfach nur schaut. Wie schön es ist, Auge in Auge mit den Figuren zu arbeiten und die alten Schätze anfassen und auf diese Weise "begreifen" zu dürfen, ihre Geschichte zu erspüren. Detail zu entdecken, die sonst niemand sehen kann – wie die kleinen Figürchen auf dem Gewand von Bischof Krummediek unter dem Kreuz. Und von der Freude, mit der eigenen Arbeit etwas zu erhalten. Nicht für die Ewigkeit, aber bestimmt für die nächsten 50 Jahre. Sie erzählt von ihren "Schätzchen" in den Lübecker Kirchen, die sie im Laufe der Zeit "adoptiert" hat. "Ich kann mich in Details verlieben."

Anlässlich der im September abgeschlossenen Restaurierung des Triumphkreuzes von Bernt Notke von 1477 im Lübecker Dom bietet Restauratorin Maire Müller-Andrae am Europäischen Tag der Restaurierung am Sonntag, 16. Oktober 2022, eine Führung um 15 Uhr an. Sie berichtet von der Konservierung und erzählt von den Gründen, die diese erforderlich machten. Im Fokus stehen die Auswirkungen des Raumklimas auf die historischen Kunstwerke und der Konflikt zwischen den Anforderungen für die Aufbewahrung von Kunstgut und der Nutzung der Kirche für Gottesdienste und Konzerte und als hoch frequentierte Touristenattraktion.

Bei den Konservierungsarbeiten ging es auch hoch hinaus – das Triumphkreuz hat eine Höhe von 17 Metern. Fotos: Martin Klatt.

Bei den Konservierungsarbeiten ging es auch hoch hinaus – das Triumphkreuz hat eine Höhe von 17 Metern. Fotos: Martin Klatt.


Text-Nummer: 153980   Autor: S. Niemann/M. Klatt   vom 20.09.2022 um 10.28 Uhr

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