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Autonomes Frauenhaus: Stoppt Femizide!

Lübeck: Archiv - 23.10.2022, 12.17 Uhr: Am 14. Oktober kam es in Bad Schwartau zu einem Tötungsdelikt. Das Autonome Frauenhaus in Lübeck macht auch tradierte Rollenvorstellungen für solche Taten verantwortlich und weist auf Hilfsangebote für betroffene Frauen hin.

Wir veröffentlichen die Mitteilung des Autonomen Frauenhauses im Wortlaut:

(")Am 14. Oktober 2022 wurde in Bad Schwartau eine Frau mutmaßlich von ihrem Mann umgebracht. HL-live bezeichnet dies in den folgenden Tagen als „Beziehungsdrama“, als Hintergründe werden „Eheprobleme“ angeführt. Diese Tat ist dramatisch und sie fand im Rahmen einer Beziehung statt, doch mit diesen Bezeichnungen wird die strukturelle Einbettung der Tat verschleiert. Die Tötung von Frauen qua ihres Geschlechts wird als Femizid bezeichnet.

Jede Woche werden in Deutschland etwa 3 Frauen von aktuellen oder ehemaligen Partnern getötet.

Häufig werden Femizide in Folge eines angeblichen Verstoßes gegen tradierte Rollenvorstellungen, wie beispielsweise einer aktiven und selbstbestimmten Gestaltung ihres Lebens und ihrer Sexualität, verübt. Die Täter sind mehrheitlich Männer. Die Täter verüben diese Taten, doch sie „können“ dies nur tun, weil Ungleichbehandlung und Abwertung von Frauen immer noch gesellschaftlich wirksam sind. Sie tun dies, weil gesellschaftliche Bilder, wie ein Mann zu sein hat, immer noch einseitig sind. Gefühle wie Trauer, Verzweiflung, Enttäuschung „dürfen“ Männer nicht öffentlich zeigen, sie sollen stark und mutig sein. Das lernen sie schon im Kinderalter. Der Rückgriff auf Gewalt als Kompensation liegt dann nahe. Auch dieser Tat scheinen weitere Gewalttaten des Mannes seiner Frau gegenüber vorangegangen zu sein.

Im Kleinen liegt es an uns allen, diese Geschlechterbilder aufzubrechen und Kindern eine Vielfalt an Handlungsoptionen zu zeigen und Gewaltverzicht zu praktizieren und zu proklamieren, sodass sie im erwachsenen Alter nicht zu Tätern werden.

Gleichzeitig ist es gesellschaftlich notwendig, Gewalt nicht als Tabuthema zu behandeln. Wir müssen offen über Gewalt, ihre Ursachen und Folgen sprechen und somit die Möglichkeit eröffnen gewaltvolle Beziehungen früher zu erkennen. Wir müssen alle hingucken, Anzeichen für Gewalt erkennen und lernen, wie wir reagieren.

Und vor allem geht ein Appell an die Politik: Sorgt dafür, dass die Istanbul-Konvention umgesetzt wird. Sorgt für ausreichend finanzielle Mittel, damit Präventionsprojekte realisiert werden können, Beratungs- und Schutzeinrichtungen flächendeckend und mit ausreichender Platzzahl verfügbar sind.

Wir sind im tiefen Mitgefühl bei den Kindern und Angehörigen der getöteten Frau. Wir wünschen ihnen, dass sie das Erlebte bewältigen werden.

Gleichzeitig sind wir wütend! Wütend, dass wieder eine Frau getötet wurde und sich strukturell nichts verändert. Stoppt Femizide!

Wenn du/Sie selber betroffen sind, Schutz und/oder Beratung suchen oder Sie Gewaltstrukturen in Ihrem Umfeld bemerken und nicht wissen, wie Sie reagieren sollen, bekommen Sie hier Hilfe und Unterstützung:

Autonomes Frauenhaus Lübeck: 0451/66033
AWO Frauenhaus Lübeck: 0451/705185
Frauen*notruf: 0451/704640
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 0800/0116016(")

Nach dem Tötungsdelikt fordert das Autonome Frauenhaus Lübeck Konsequenzen. Foto: STE/Archiv

Nach dem Tötungsdelikt fordert das Autonome Frauenhaus Lübeck Konsequenzen. Foto: STE/Archiv


Text-Nummer: 154571   Autor: Autonomes Frauenhaus/red   vom 23.10.2022 um 12.17 Uhr

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