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HGH-Schließung: Fraktion21 kritisiert Lindenau scharf

Lübeck: Das städtische Seniorenheim im Heiligen-Geist-Hospital steht vor dem Aus (wir berichteten). Die Entscheidung, den Betrieb aus Kostengründen einzustellen, stößt bei vielen Lübeckern auf Unverständnis. Auch in der Politik mehren sich die kritischen Stimmen. Wenig Verständnis für die Entscheidung hat auch die Fraktion "Fraktion21", die das Vorgehen und die "Art und Weise" kritisiert.

Hierzu erklärt der pflegepolitische Sprecher der Fraktion21 und gelernte Altenpfleger Marco Sander, der auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Köln tätig ist:

(")Der Protest der Angehörigeninitiative "Rettet das HGH" ist berechtigt und ihre Bestürzung über das Vorhaben verständlich. Es ist herzlos Menschen, die schon in ihrer Kindheit und Jugend mit Flucht und Erfahrung gemacht haben, nunmehr erneut das Gefühl von Angst, Verunsicherung und Ausgeliefertseins zu vermitteln. Zu Recht beklagt die Angehörigeninitiative, dass Menschen durch die Schließung der Einrichtung zwangsweise ihr Zuhause verlieren.

Es liegt auf der Hand, dass die Umverteilung in unbekannte Wohneinrichtungen außerhalb der Innenstadt, der Verlust der sozialen Kontakte und der bisherigen Bezugspersonen in der Pflege sowie der Therapie eine erhebliche Belastung und Gefährdung für die Heimbewohner darstellen. Auch vor diesem Hintergrund ist es unverantwortlich, den für die Bewohner äußert vorteilhaften Standort am Koberg aufzugeben und die Bewohner in innerstadtfernere Einrichtungen zu verteilen. Mit der Aufgabe dieses Standortes wird zudem eine für Lübeck einmalige Tradition in der Betreuung alter Menschen aufgegeben.

Das HGH wurde im Jahre 1286 am Koberg errichtet und ist eine der ältesten bestehenden Sozialeinrichtungen der Welt. Sie stellt die bedeutendste nordeuropäische Stiftung mittelalterlicher Wohlfahrtspflege dar. Gerade in der heutigen Zeit hätte es eine hohe Symbolkraft und wäre das falsche Signal, wenn die Hansestadt Lübeck sich mit der Aufgabe dieser Einrichtung ausgerechnet von diesem Teil ihrer bedeutsamen Geschichte verabschieden würde. Den Bewohnern und dem Pflegepersonal muss es angesichts der drohenden Schließung ihrer Einrichtung wie ein Hohn vorkommen, wenn die Senioreneinrichtungen in ihrem Leitbild betonen, dass "die Fürsorge für ältere Menschen" in der Hansestadt Lübeck "seit jeher einen besonderen Stellenwert" hat, und sie sich an dieser "seit Jahrhunderten ununterbrochenen Tradition nach wie vor verpflichtet" fühlen.(")

Der Vorsitzende der Fraktion21, Wolfgang Neskovic, ergänzt:

(")Die Art und Weise wie die beabsichtigte Schließung des HGHs durchgesetzt werden soll, ist inakzeptabel. Ohne eine ausreichende Beteiligung an diesem Vorhaben werden die betroffenen Bewohner und Pflegekräfte vor vollendete Tatsachen gestellt. So werden die Mitbestimmungsrechte der Bewohner (Heimbeirat) massiv eingeschränkt. Aber auch die politischen Gremien sind nicht an dem politischen Willensbildungsprozess der von Bürgermeister Lindenau geleiteten Verwaltung beteiligt worden. Warum hat er das nunmehr vorgestellte Konzept zur strategischen Neuausrichtung der städtischen Senioreneinrichtungen nicht gemeinsam mit den Betroffenen, der Stadtgesellschaft, den entsprechenden Experten und den zuständigen politischen Gremien in einem ergebnisoffenen Verfahren erarbeitet, um so eine allseits akzeptierten Lösung zu finden? Schon seit langem gehört es zum politischen Handlungskonzept von Bürgermeister Lindenau, die Bürgerschaft und ihre Gremien zum bloßen Verkündungsforum seiner politischen Vorstellungen zu degradieren.

Dazu gehört es auch, seinen Entscheidungsvorschlag so zu gestalten, dass er alternativlos erscheint. Im Originalton der Verwaltungsvorlage: "Die Aufgabe des Standortes bis Ende 2023 ist unausweichlich...". Bei dieser Art seines Vorgehens bedient Lindenau sich unterschiedlicher Behauptungen, ohne die hierzu erforderlichen Belege zu liefern, die eine Überprüfung seiner Behauptungen ermöglichen. Gleichzeitig wird durch diese Vorgehensweise die Möglichkeit abgeschnitten, Alternativlösungen zu entwickeln. So wird in der Vorlage der Verwaltung zwar auf vielfältige Gutachten, Untersuchungen, Begehungen und eine konzeptionelle Studie zu den Möglichkeiten einer Grundinstandsetzung verwiesen, es wird jedoch nicht plausibel dargelegt, wie sich die angeblichen 30 Millionen Sanierungskosten im Einzelnen zusammensetzen und auf welchen Befunden diese Kostenschätzung beruht. Es ist deswegen auch nicht erstaunlich, wenn die Angehörigeninitiative dieser Zahl widerspricht und behauptet, dass zum Erhalt dieser vollstationären Einrichtung "keine 30 Millionen, sondern etwa 9 Millionen Euro aufgewendet werden" müssen. Die Fraktion21 hält es bei dieser Sachlage für dringend erforderlich, dass die politischen Entscheidungsträger die Einrichtung besuchen und in einem Verständigungsprozess mit den Betroffenen eintreten. Es besteht kein Bedarf und keine Notwendigkeit, die Entscheidung über eine mögliche Schließung des HGHs über das Knie zu brechen und schon in der nächsten Bürgerschaftssitzung grünes Licht für die Vorlage von Lindenau zu geben.(")

Wolfgang Neskovic kritisiert das Vorgehen der Verwaltung scharf.

Wolfgang Neskovic kritisiert das Vorgehen der Verwaltung scharf.


Text-Nummer: 155007   Autor: Fraktion21/Red.   vom 15.11.2022 um 09.18 Uhr

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