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Großes Musiktheater: Salome im Großen Haus

Lübeck: Einst fast ein Skandal, ist Richard Strauss' „Salome“ längst ins Repertoire des Musiktheaters eingegangen. Nach 14 Jahren ist die Oper wieder im Großen Haus zu erleben: Die Premiere am 18. November im nahezu ausverkauften Großen Haus wurde ein riesiger Erfolg. Die Ovationen des Publikums galten GMD Stefan Vladar, den Philharmonikern der Hansestadt, dem vielköpfigen Ensemble – ganz besonders Evmorfia Metaxaki in der Titelpartie – und Regisseurin Christiane Lutz.

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Die schwülstige Dekadenz der Handlung nach Oscar Wildes gleichnamigen Roman ist purer Jugendstil, den Strauss' Wahnsinnsmusik zu einem Drama der elementaren Wucht steigert. Die Klänge aus der riesigen Partitur mit ihren Nuancen und Verästelungen und der rohen Gewalt des großen Apparats (im Graben und in den Seitenlogen) – sie nisten sich beim Hörer ein, zumal die kurzen Leitmotive der Hauptfiguren Salome und Jochanaan. Sie nehmen ihn mit auf einen kurzen, heftigen Psychotrip.

Christiane Lutz tat gut daran, die Handlung in unsere Zeit zu verlegen. Ominöse archaische Konstellationen begreifen heutige Generationen nicht mehr. So zeigt die Regisseurin eine junge Frau, die sich in den Kopf setzt, einen älteren Mann zu verführen, weil ihn ein Geheimnis umgibt. Alle Abratschläge von Stiefvater und Mutter verpuffen, weil sie selbst die Moral mit Füßen treten. Als Salome endlich – und vermeintlich – ihr Ziel erreicht hat, bleiben keine Wünsche mehr, aber viele Fragen offen...

Mit der Salome, Traumpartie jeder dramatischen Sopranistin, setzt Evmorfia Metaxaki ihren vielen hier interpretierten Charakteren die Krone auf: Was sie in gut hundert Minuten fast pausenloser Präsenz und geradezu wahnsinnigen stimmlichen Kapriolen leistet, ist von bewundernswerter Präsenz und Sicherheit ihres bis in höchste Töne sicheren Soprans. Eine ebenso begehrte Partie ist die des Joachanaan, in der der international gefeierte und reife Bariton Bo Skovhus gastiert und vor allem mit seiner kraftvollen Höhe imponiert.

Allen 18 (!) Rollen, auch den vermeintlich „kleinen“, hat Richard Strauss große Schwierigkeiten in die Noten geschrieben. In der Premiere am klarsten zeigte sich Wolfgang Schwaninger (Herodes, Tenor) und Friederike Schulten (Page, Sopran), während Edna Prochnik (Herodias, Mezzo) und Joonki Baek (Narraboth, Tenor) hinter den Erwartungen zurückblieben. Sehr sicher und gut aufeinander abgestimmt zeigen sich die Ensembles von Juden, Nazarenern und Soldaten, wobei Chul-Soo Kim seinen profundem Bass einmal solo vorführen konnte.

Mit Bühnenbild und Kostümen kommt Christian Tabakoff den Intentionen der Regie entgegen. Die nüchterne Bühne mit teils bizarrem, aber wenig Interieur lässt allen Handlungsspielraum, die Garderobe ist typisierend und das Herrscherpaar überaus piefig angezogen: So kommt die Dekadenz der amoralen Vorbilder kaum zum Ausdruck. Auch Salomes „Tanz der sieben Schleier“ auf runder Tafel ist wenig lasziv, zumal die Tischgesellschaft keinen Anteil daran zu nehmen scheint.

Vielleicht auch war Premierenfieber im Spiel, dass sich gelegentlich noch Ecken und Kanten zeigten wie auch im Orchestergraben: Noch schwieriger als Salome ist Richard Strauss' opulente Partitur, die jeden Klangkörper aufs Äußerste fordert. GMD Vladar konnte auf der Arbeit der Studienleitung bauen und steuerte das bravouröse Orchester, manchmal zu laut, über die Wiesen und vor allem durch das Dickicht der Noten. Gelegentlich zogen die Philharmoniker sich dabei noch Schürfwunden zu. Die werden aber im Verlauf der kommenden Vorstellungen verheilen. Und auch dann wird der große Beifall nicht ausbleiben.

Das Stück hatte am Freitagabend im Großen Haus Premiere. Fotos: Jochen Quast

Das Stück hatte am Freitagabend im Großen Haus Premiere. Fotos: Jochen Quast


Text-Nummer: 155115   Autor: Güz.   vom 19.11.2022 um 16.46 Uhr

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