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Sternstunden im Dom: Mendelssohns Paulus

Lübeck - Innenstadt: Felix Mendelssohn Bartholdy stand ebenso fest im Glauben wie sein großes Vorbild Johann Sebastian Bach. Das zeigt auch sein Oratorium „Paulus“. Wo aber der Barock-Meister mit Klarheit spricht, legt der Romantiker biblisches Geschehen mit Inbrunst aus. Dabei entfalten die Choräle ebensolche direkte Wucht – wie am Sonntagnachmittag im Dom zu erleben war: Unter der Leitung von Jakobi-Kantorin Ulrike Gast entwickelten sich „Paulus“ zum Ereignis.

Ganz selten fügen sich alle Mitwirkenden zu solcher Einheit zusammen wie hier. Bereits in der Ouvertüre ließ die ökonomische Steigerung erkennen, was sich im Crescendo des machtvollen Eingangschors und weiterhin fortsetzte: Jakobi-Kantorei, Domchor und die Blankeneser Kantorei Hamburg waren ebenso topfit und integriert, wie sich das Elbipolis Barockorchester Hamburg in seltener Form präsentierte. Mendelssohns Suchen der Harmonie unter den Menschen wurde hier zu zwei Sternstunden.

Mit klarer Zeichengebung spürte Ulrike Gast in den 35 Nummern den inneren „Paulus“-Rhythmus auf, ließ im ersten, mehr hymnischen Teil die Bekehrung mit vielerlei Trost aufklingen – und im zweiten, mehr dramatischen, den Kampf des Apostels vielfältigen Klang annehmen: Zu einer harmonischen Meisterleistung wurden Nr. 29 für Chor und Soli mit Choral und ein Edelstein Nr. 35, der Chor „Seid uns gnädig“. Und die Orchesterüberleitung in Nr. 20 von der Bass-Arie zum Chor ging in ihrer Schlichtheit unter die Haut – wie so vieles in dieser Aufführung.

Den fast hundertköpfigen Chor hatte Ulrike Gast zu einer Gemeinschaft geformt, wobei sie bei der Blankeneser Kantorei auf der Vorarbeit von Stefan Scharff aufbauen konnte. Die erfahrene Kirchenmusikerin hatte alle im Blick und die Partitur nahezu im Kopf, um neben der super abgestuften Dynamik auch den inneren Rhythmus dieses Oratoriums Klang werden zu lassen. Und die Elbipolisianer zeigten all ihre Präzisions-Qualitäten von den Streichern bis zu den Blechbläsern mit Hörnern und Serpent.

Die Krone setzten der Aufführung die Solisten auf. Der Rezensent hat noch nie ein solch lupenrein intonierendes Oratorien-Quartett vernommen. Wahrlich beseelt, klar in der Diktion und strahlend in der Höhe standen sich Martina Nawrath (Sopran) und Florian Sievers (Tenor) keine Achtelnote nach und machten das Auditorium im Dom geradezu glücklich. Szymon Chojnacki, früher im Lübecker Opernstudio, führte seinen Baßbariton stets klar und auf Linie. Sonja Boskou hatte hier leider wenig Gelegenheit, ihren warmen Alt auszubreiten. Das zahlreiche Publikum dankte mit langem Beifall.

Für das Konzert am Sonntagnachmittag im Lübecker Dom gab es viel Beifall.

Für das Konzert am Sonntagnachmittag im Lübecker Dom gab es viel Beifall.


Text-Nummer: 155145   Autor: Güz.   vom 21.11.2022 um 11.56 Uhr

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