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Uni Lübeck: Schwangere haben oft Cholin-Mangel

Lübeck: Archiv - 29.11.2022, 10.28 Uhr: In der Schwangerschaft ist der Bedarf an vielen Nährstoffen erhöht. Unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität zu Lübeck wurde nun eine deutschlandweite systematische Studie zur Erfassung der Cholin-Zufuhr bei Schwangeren durchgeführt, deren Ergebnis auf eine nicht angemessene Aufnahme von Cholin hindeutet. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nutrients" publiziert.

Cholin ist ein Nährstoff, der im menschlichen Körper an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt ist. Grundsätzlich kann Cholin zwar vom Körper selbst gebildet werden, allerdings reicht diese Eigenproduktion meist nicht aus, um den physiologischen Bedarf zu decken. Deshalb muss Cholin zumindest teilweise über die Nahrung aufgenommen werden.

Besonders wichtig ist die optimale Versorgung mit Cholin in der Schwangerschaft, da es unverzichtbar für die neuronale und kognitive Entwicklung des Kindes ist. Deshalb wird der Cholin-Bedarf von Schwangeren auch höher geschätzt. Bisher war nicht bekannt, wie gut Schwangere in Deutschland mit Cholin versorgt sind.

In einer deutschlandweiten Studie unter Leitung von Prof. Dr. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität zu Lübeck wurde nun erstmals untersucht, wie die Cholin-Zufuhr von schwangeren Frauen ist. Insgesamt nahmen 516 Frauen an der Untersuchung teil. Die Auswertung der Studie ergab, dass die mediane Cholin-Aufnahme bei den Teilnehmerinnen lediglich bei 260 mg pro Tag lag. Die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) empfiehlt jedoch als angemessene tägliche Cholin-Aufnahme für Schwangere eine Menge von 480 mg. Von den untersuchten Teilnehmerinnen erreichten lediglich 7 Prozent eine adäquate Cholin-Zufuhr. Besonders niedrig war die Cholin-Aufnahme bei Schwangeren, die sich vegan oder vegetarisch ernährten.

"Unsere Daten zeigen, dass die Cholin-Versorgung von Schwangeren in Deutschland nicht gerade optimal ist", ordnet Smollich die Ergebnisse ein. Gleichzeitig betont er: "Eine Cholin-Aufnahme unterhalb der offiziellen Empfehlungsmengen bedeutet nicht automatisch, dass ein echter Mangel oder gar ein Gesundheitsrisiko vorliegt." Dennoch sieht der Studienleiter hier Handlungsbedarf: "Offensichtlich wird bei den Ernährungsempfehlungen für Schwangere der erhöhte Cholin-Bedarf nur selten berücksichtigt. Vor allem Frauen, die wenig Eier und Fleisch essen, sollten darauf achten, gezielt andere Lebensmittel als Cholin-Quelle zu nutzen, zum Beispiel Tofu oder Brokkoli. Bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann es sinnvoll sein, Cholin-haltige Produkte zu bevorzugen."

Die Originalpublikation können Sie hier nachlesen: Roeren, M.; Kordowski, A.; Sina, C.; Smollich, M. Inadequate Choline Intake in Pregnant Women in Germany. Nutrients 2022, 14, 4862.

Prof. Dr. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität zu Lübeck hat neue Erkenntnisse zur Cholin-Versorgung von schwangeren Frauen. Foto: Alex Schelbert.

Prof. Dr. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin der Universität zu Lübeck hat neue Erkenntnisse zur Cholin-Versorgung von schwangeren Frauen. Foto: Alex Schelbert.


Text-Nummer: 155319   Autor: Uni Lübeck/Red.   vom 29.11.2022 um 10.28 Uhr

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