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Berufsverband Rettungsdienst warnt vor Kollaps

Lübeck: Archiv - 06.12.2022, 15.40 Uhr: Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst e. V. (DBRD) geht davon aus, dass die Notfallversorgung in Schleswig-Holstein ohne sofortige entschlossene Maßnahmen und Ursachenbekämpfung in wenigen Wochen zusammenbrechen wird. Das teilte der Verein am Dienstag in Lübeck mit.

"Seit Monaten kann der Rettungsdienst seine Notfallpatienten immer häufiger nicht an die nächstgelegenen Notaufnahmen übergeben, die Eintreffzeiten von Rettungsmitteln beim Notfallpatienten verlängern sich stetig, Patienten warten bis zehn Stunden auf einen Krankentransport. Ein Ende dieser Situation ist nicht in Sicht", so der Verband. "Im Gegenteil: Obwohl Krankenhäuser gemäß Landeskrankenhausgesetz Schleswig-Holstein verpflichtet sind, Notfallpatienten jederzeit aufzunehmen, melden sie ständig eine verringerte Bettenkapazität oder sich komplett ab. Dies betrifft auch Maximalversorger, die teilweise sogar schwerstkranke Notfallpatienten ablehnen, ohne dass dies für die Krankenhäuser Konsequenzen hat."

Durch einen sogenannten Behandlungskapazitätsnachweis (BKN), der sich zurzeit in einer Testphase befindet, soll eine Zuweisung in das nächstgelegene Krankenhaus stattfinden. "Da allerdings überall keine Kapazitäten vorhanden sind, fahren die Rettungswagen quer durch Schleswig-Holstein und in die Nachbarbundesländer", so der Berufsverband. "Ein solcher BKN kann nur funktionieren, wenn entsprechende Notaufnahmestrukturen geschaffen wurden. Sollte der Test- in den Regelbetrieb übergehen, wird der Rettungsdienst zusammenbrechen. Der DBRD hat bereits frühzeitig darauf hingewiesen, dass der BKN bei fehlenden Ressourcen in der Notfallversorgung zu einem reinen Abmeldewerkzeug verkommt und jede lenkende Wirkung verfehlt."

Zudem würden zu viele Akteure des Gesundheitswesens ihre Verantwortung nicht mehr wahrnehmen. Der Kassenärztliche Notdienst sei zum Beispiel zu häufig telefonisch nicht oder nur verzögert erreichbar, gleiches gelte für viele Arztpraxen. Dies führe zu einer Verschiebung von Hilfeersuchen an Rettungsdienste und Notfallaufnahmen. "Der bestehende Personalmangel und die daraus resultierenden Bettensperrungen führen zu einer sich immer weiter öffnenden Schere zwischen aufgestellten und betreibbaren Betten", so der DBRD. "Anstatt die Ursachen anzugehen, werden immer mehr Rettungsmittel in den Dienst genommen, und der Flaschenhals vor den Notaufnahmen wird immer enger. Selbst die Vorhaltestunden für Notarzteinsatzfahrzeuge werden ohne vorhandenen Bedarf weiterhin erhöht. In lediglich 10 bis 15 Prozent der Fälle ist eine Indikation für den Notarzt tatsächlich gegeben."

Anstatt die Kompetenzen der Notfallsanitäter auf den Rettungswagen zu nutzen, würden in Schleswig-Holstein immer mehr Notärzte auf die Straße geschickt, die dann in Notaufnahmen und auf Intensivstationen fehlen. Die Entscheidungen würden auf Grundlage veralteter Notarztindikationskataloge aus dem Jahr 2012 getroffen, in denen der Notfallsanitäter mit seinen Kompetenzen keine Berücksichtigung findet.

"Der Notfallsanitäter hat gemäß seines Ausbildungs- und Ausübungsgesetzes den Gesundheitszustand einzuschätzen und über die Notwendigkeit eines Notarztes sowie die erforderlichen Maßnahmen zu entscheiden. Wenn wir die Verantwortung von den Leitstellen auf die Rettungswagen transferierten, würden die meisten Einsatzfahrten von Notärzten überflüssig werden", so Marco K. König, 1. Vorsitzender des DBRD. "Zudem brauchen wir eine verlässliche Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung auf Augenhöhe, und es ist mehr Rückendeckung für Notfallsanitäter notwendig, damit Patienten mit fehlender Indikation gar nicht erst transportiert werden", so König weiter.

Symbolbild.

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Text-Nummer: 155474   Autor: DBRD/red.   vom 06.12.2022 um 15.40 Uhr

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