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4. Sinfoniekonzert: Carlos Johnson meisterlich

Lübeck: Archiv - 19.12.2022, 11.57 Uhr: Die Musikfreunde in der Hansestadt wissen schon lange, was sie an Carlos Johnson, dem Ersten Konzertmeister der Lübecker Philharmoniker, haben. Nun setzt er einen neuen Glanzpunkt als Solist: Im 4. Sinfoniekonzert in der MuK spielt er das Violinkonzert von Petteris Vasks mit dem Können des meisterlichen Musikers, ohne die Attitüde eines Stars. Schon die erste Wiedergabe im Sonntagskonzert in der MuK zeigte das zwischen Werken von Franz Liszt und César Franck unter dem Gastdirigenten John Axelrod.

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„Fernes Licht“ betitelte der lettische Komponist Petteris Vasks (*1946) sein vor 25 Jahren entstandenes Violinkonzert, das sich fernab aller Neutönerei dem Suchen nach den Harmonien in unserer Zeit widmet. Es zeigt sich als ein meist ganz zartes Bekenntnis zur Menschlichkeit. Mit einem gut besetzte Streichorchester bereitet Vask den Boden für unendlich intensives Forschen des Solisten. Das Auditorium ist gebannt von der ersten bis zur letzten Note, von feinsten Tönen, die sich aus dem Nichts entwickeln, und verfolgt fast atemlos das Singen der Violine über dem leisen Puls des Tutti. Vasks öffnet die Seele in einer ersten und in einer zweiten langen Kadenz, in der Johnson sein großes Können zeigt. Diese Hingebung an die Musik als dem Leben fängt Johnson ein, hat in den Streichern der Philharmoniker ein feines Netz und in John Axelrod am Pult einen kongenialen Koordinator. Für dieses Erlebnis, das aus der Ruhe alle Kraft zieht, zollte das Publikum ganz, ganz langern Beifall.

Dieses Meisterwerk umrahmte geradezu Getöse. Die Sinfonische Dichtung „Les Préludes“ – deren Bläser-Fanfare die ältesten Besucher noch fatal an den Beginn der NS-Radio-“Heeresberichte“ im letzten Weltkrieg erinnert – ließ Axelrod ruhig im Tempo spielen und die Blechbläser ihre martialische Hauptrolle ausspielen. Axelrod ließ die Philharmoniker nicht eben zarte Lyrik streicheln und ein bombastisches Finale ausposaunen, das seinen Eindruck nicht verfehlte.

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Dirigent und Orchester toppten Liszt mit der Sinfonie d-Moll von César Franck, einem nicht enden wollenden Kraftakt, der aus dem Durchdeklinieren eines Drei-Ton- und eines Fünf-Ton-Motivs besteht. Diese Hochromantik a la francaise ist sich überlebt habendes Getöse, bei dem sich Axelrod offensichtlich wohlfühlte. Mit dezidierter Zeichengebung dirigierte er die Massen und konnte im Allegretto der Harfe (Johanna Jung), die den ganzen ersten Satz pausieren musste, im Allegretto endlich die Möglichkeit zu zarten Tönen geben. Auch diese Eindrucksmusik erhielt am Sonntag reichlich Beifall.

Zuvor in der Pause hatte es eine Ehrung gegeben: Lukas Paulenz (Trompete) erhielt den Wilhelm Furtwängler-Förderpreis 2022 der Musik- und Orchesterfreunde Lübeck (MOF), die die Philharmoniker seit Jahrzehnten vielfältig unterstützen. Deren 1. Vorsitzender Frank Maximilian Hube überreichte den mit 2000 Euro dotierten Preis – der zum 12. Mal vergeben wurde – dem von der Ehrung Überraschten: Das Auditorium und alle Orchester-Kollegen applaudierten dem jungen Instrumentalisten, der auch als Solist in Kammerkonzerten und in „Lübeck Brass“ sein Können zeigt.

Frank Maximilian Hube (1. Vorsitzender des Musik- und Orchesterfreunde Lübeck e.V.) und Lukas Paulenz (Gewinner des Wilhelm Furtwängler-Förderpreis). Fotos: JW

Frank Maximilian Hube (1. Vorsitzender des Musik- und Orchesterfreunde Lübeck e.V.) und Lukas Paulenz (Gewinner des Wilhelm Furtwängler-Förderpreis). Fotos: JW


Text-Nummer: 155712   Autor: Güz   vom 19.12.2022 um 11.57 Uhr

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